30. Januar 2017

Neulich im Heimkino - Teil VII

Und weiter geht's mit ein paar Gedanken zu dem einen oder anderen Heimkino-Stream:

Julieta
In einer der ersten Szenen liest die Hauptdarstellerin ein Buch mit dem Titel "Die griechische Tragödie". Nomen ist Omen: Almodóvar stellt in "Julieta" die Tragödie als Kunstform an sich in den Vordergrund. Die Figuren werden dabei bisweilen leider vernachlässigt beziehungsweise so hin und her geschoben und aus dem Spiel genommen, wie es der Geschichte zuträglich ist. Das war mir bisweilen fast zu gewollt. Vor allem das Ende wirkt arg konstruiert, Hauptsache maximales Drama. Das finde ich etwas schade, da der Regisseur in seinen anderen Werken meist sehr nah beim Menschen ist.

Tage am Strand
Tolle Strandkulisse, die für eine halbinzestuöse Geschichte nach Doris Lessings "The Grandmothers" herhalten muss: Zwei heranwachsende Söhne verlieben sich jeweils in die Mutter des anderen und gehen, mangels vorhandener Väter, auch bald in einen mehr oder weniger offenen Beziehungsstatus über. Dass dies nicht nur aufgrund des Altersunterschiedes sondern auch wegen neuer gleichaltriger Partner für Komplikationen sorgt, bringt der Film recht gut auf die Leinwand. Allerdings wird das Thema trotz aller Tragik recht sanft transportiert, gerade das Tabu "Alte Frau, junger Mann" kommt nicht wirklich realistisch rüber, da bei den beiden "Großmüttern", Hollywood-Schönheiten Naomi Watts und Robin Wright, der Lack bisher wirklich nur unmerklich blättert. Sprich, außer der etwas wilden Beziehung hat eigentlich keiner der Protagonisten wirkliche Probleme: Alle sehen blendend aus, leben im Luxus und immerwährenden Sommer, haben keine Geldsorgen und außer Baden und Surfen und gelegentlichen Besuchen im Büro nie wirklich viel zu tun. Insgesamt also ein doch recht künstliches Setting für eine durchaus interessante Grundthematik.

Alles inklusive
Puh. Too much. Doris Dörrie packt in knapp zwei Stunden Material, das auch für mehrere eigenständige Filme gereicht hätte: Hippie-Eltern gegen spießigen Nachwuchs, Beziehungsunfähigkeit und Bindungsängste, Depression, Transgender-Selbstfindung, Flüchtlinge aus Afrika, Wohlstandswelten und All-Inklusive-Schrecken und und und. Das führt dann alles in allem zu einem etwas verwirrenden Gesamtbild und trotzdem kommen am Ende alle irgendwie zusammen, vom Scheitern zum Glück und wieder zurück, sich selbst suchen in Etappen. Insgesamt kein schlechter Film mit einigen schönen Szenen, mir alles in allem aber einfach zu vollgestopft und dadurch letztendlich emotional auch nicht wirklich mitnehmend.

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