7. Januar 2015

Reise nach Metropolinsk

Letzte Nacht träumte ich, ich wäre in Metropolinsk. Die Stadt war ein russisches Strandbad, das seine besten Tage schon sehr lange hinter sich hatte. Sie lag an einem Eismeer. Aber es musste wohl Sommer sein, denn die Brise war zwar frisch, aber nicht so frisch, dass es mir unangenehm gewesen wäre, nur mit einem leichten Hemd bekleidet im Wind zu stehen und auf das Meer zu blicken. Das Hotel, in dem ich wohnte, hatte alte, aber abgeblätterte Größe und wurde nur noch von wenigen, vornehmlich älteren Reisenden gebucht. Ich war allein unterwegs, und es war kein Urlaub sondern ein selbst gewähltes Exil, um mich lernend auf eine Prüfung vorzubereiten. Eine Prüfung, die ich im Traum immer und immer wieder bestehen muss, und wenn ich sie nicht meistere, wird mir alles genommen, was ich habe. Die Brüstungen der Balkone waren verrostet und die Schriftzeichen auf den Schildern waren mir fremd. Im Cafe des Hotels gab es Speiseeis, doch nie sah ich jemanden mit einer Eiswaffel in der Hand. Am Ende eines großen Kontinents gelegen, musste alles, was es vor Ort gab, mit dem Flugzeug eingeflogen werden. Ich hegte den Verdacht, dass das Speiseeis schon so alt war wie das Hotel selbst. Der Traum verschwamm immer mehr. Ich stand mit einer alten Frau auf dem Dach des Hauses. Sie erklärte mir, dass es nichts gesünderes gäbe, als nackt im eiskalten Meerwasser zu baden. Der Himmel war nicht eintönig grau, sondern voll von zerfetzten Wolken. Durch die Lücken schien die Sonne golden auf das alte Gebäude. Nachdem ich erwacht war, schlug ich Metropolinsk nach. Den Ort scheint es nicht zu geben, obwohl ich ihn im Traum klar und deutlich auf einer Karte verzeichnet sah.

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