9. Januar 2015

Neulich im Heimkino - Teil IV

Auch wenn bei uns daheim dank Glasfaser, Amazon Prime und Netflix immer mehr gestreamt wird – am liebsten schiebe ich immer noch eine BluRay in den Player. Das waren in den letzten Monaten unter anderem

Grand Budapest Hotel
Wie sagte meine Gefährtin doch so schön: Nur in einem Wes Anderson-Film reden, gucken und bewegen sich die Darsteller auf diese ganz spezielle Art. Tolle Bilder, klasse Kostüme, irre Kameraeinstellungen und eine illustre Riege von 1A-Schauspielern mit viel Spaß an der Arbeit machen diesen Streifen zu etwas ganz Besonderem. Leichte Verwirrung aufgrund des üppigen Personals und manchmal fast zu ausgefeilter Dialoge gibt es gratis dazu. Recht kurz und knapp aber sehr gelungen sind die Specials wie Bill Murrays Mini-Führung durch Görlitz.

The Wolf of Wall Street
An diesem Film scheiden sich ja die Geister. Manche meinen, die Maßlosigkeit sei übertrieben dargestellt. Das finde ich nicht - sogar in Deutschland gab es Scharlatane, die den Kunden das Geld aus der Tasche gezogen haben und hedonistisch gefeiert haben, als gäbe es kein Morgen. Andere sagen, die dargestellten Orgien seien zu langatmig. Dem stimme ich teilweise zu, das hätte man etwas straffen können. Der wohl schwerste Vorwurf lautet, dass der Streifen die Abzocker-Mentalität verherrlichen würde. Auch das finde ich - gerade in Anbetracht des Endes - nicht unbedingt. Allerdings zeigt die Produktion halt einfach, worum es in unserer Gesellschaft hauptsächlich geht: Geld und Status.

Finsterworld
Insgesamt sehr ungewöhnlicher Streifen mit teilweise etwas gestelzten Dialogen, bedingt wohl durch die Übernahme ganzer Passagen aus dem gleichnamigen Roman. Mich hat der Film mit einem unguten Gefühl in der Magengegend hinterlassen. Hier gewinnen nicht die Guten und die Welt ist alles andere als ideal und heil. Aber ich vermute, genau das wollte Regisseurin Frauke Finsterwalder zeigen. Gelungenes Experiment - wer allerdings auf Mainstream steht, sollte einen großen Bogen um diese Scheibe machen.

Blue Jasmine
Einer der besten Woody-Filme der letzten Jahre. Sowohl was die Story, als auch was die Darsteller betrifft. Der Oscar 2013 für Cate Blanchett war absolut berechtigt, so perfekt und mit viel Mut zur Hässlichkeit spielt die Mimin eine zerbrochene, in ihren Zwängen gefangene Frau. In Zwängen sind eigentlich alle Figuren gefangen und Männer kommen insgesamt nicht wirklich gut weg. Sehr gefallen hat mir auch die Tatsache, dass Allen trotz aller Tragik auf einen Big Bang am Ende verzichtet und das Leben einfach so (aufgesplittert) zeigt, wie es eben ist. Und dabei trotz aller Schwierigkeiten nie den Blick für Ironie und schöne Szenenbilder verliert. Klasse.

The Counselor
Ein sehr interessanter Film mit vielen tollen Momenten, leider aber auch ein paar unrunden Elementen. Auf der Haben-Seite haben wir ein tolles Drehbuch mit teils philosophischen Dialogen. Hier merkt man, dass Bestseller-Autor Cormac McCarthy die Feder geschwungen hat. Toll natürlich auch die Darsteller-Riege, gerade Javier Bardem als durchgeknallter Lebemann hat mir wahnsinnig gut gefallen. Nicht so prickelnd fand ich hingegen Michael Fassbender, der den Großteil des Films damit verbringt, dämlich zu grinsen und erst am Schluss zeigt, dass er auch etwas anderes kann. Trotzdem hätte ich mir hier einen anderen Hauptdarsteller gewünscht. Was mich auch etwas ratlos hinterließ, waren die vielen Dialoge über Sex. Hier war mir der Sinn nicht so ganz klar - vielleicht Sex als Symbol des Lebens im Hier und Jetzt, während auf mittelfristige Sicht sonst nur der Tod wartet? Wie eingangs gesagt, sehr interessant, sehr düster, aber, um beim Film zu bleiben, eben auch unperfekt wie die meisten Diamanten.

Only God Forgives
Von Winding Refn habe ich zuvor 'Walhalla Rising' und 'Drive' gesehen. Letzterer hat mich richtig begeistert, der erstgenannte eher ratlos hinterlassen. Ein bisschen vereinfacht könnte man sagen, dass 'Only god forgives' fantastisch gedrehte Bilder a la Drive mit unerklärten und ausufernden Gewaltorgien wie in Walhalla Rising kombiniert. Leuten, die den ganzen Film Gelaber und eine bis ins Detail erklärte Geschichte brauchen, sollten von dieser Scheibe eher Abstand nehmen. Und klar, Ryan Gosling schaut fast immer gleich aus der Wäsche. Das ist meiner Ansicht aber halt auch der Plan des Regisseurs - der Protagonist definiert sich allein durch seine Taten und lässt eben nicht schon von der Mimik her in sein Innerstes blicken. Kein schlechter Film, der aber ganz klar mehr in Richtung Arthouse geht und nicht in Richtung seichte Action-Kost. Sprich: Kein gefälliger Streifen, aber trotzdem ein interessanter.

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