3. Juli 2014

Teure E-Books – wer ist Schuld?

Ich bin ja eigentlich ein großer Fan von E-Books – schnell zu beschaffen, nehmen keinen Platz im Bücherregal weg, einfach mobil zu nutzen. In letzter Zeit sinkt meine Begeisterung jedoch merklich, und es liegt an etwas ganz Grundlegendem: dem Preis. E-Books passen sich in Deutschland preislich dem Erscheinungszyklus eines Buchs an, d.h. wenn gerade erst die teure gebundene Version eines Buches erschienen ist, ist auch das E-Book noch teuer. In der Regel zahlt man für einen konventionell im Verlag herausgebrachten Roman heute fast 20 Euro oder mehr für das Hardcover-Exemplar und rund 15 Euro für das E-Book. Das ist mir für eine gepimpte Textdatei dann doch etwas viel.

Aber ich kann ja warten. Zwingt mich ja keiner, das gebundene Exemplar bzw. das teure E-Book zu kaufen. Denn erscheint einmal die Taschenbuchausgabe, wird auch das E-Book sofort billiger. In der Regel rangiert das Taschenbuch zwischen 10 und 14 Euro, während das E-Book meist für 8 bis 10 Euro zu haben ist. Akzeptabel, wie ich finde. Es gibt jedoch auch kuriose Ausnahmen. Etwa "Der größere Teil der Welt" von Jennifer Egan, 2011 mit dem Pulitzer-Preis prämiert und 2013 auf Deutsch erschienen, als Hardcover derzeit 22,95 Euro, als Taschenbuch 9,99 Euro und als E-Book, jetzt wird es interessant, 10,99 Euro.

Das E-Book – an dem ich nur Nutzungsrechte besitze und das ich nicht weiterverkaufen kann – kostet also mehr, als das Taschenbuch. Interessant. Ich begab mich auf Recherche und es stellte sich heraus, dass die Rechte für Hardcover, Taschenbuch und E-Book bei drei verschiedenen Verlagen liegen. Und anscheinend waren die Recht für den E-Book-Verlag so teuer, dass man die digitale Kopie nun teurer verkauft als das Taschenbuch. Was ich mich frage: Was denkt sich der Verlag, wie der Kunde das sieht? Gibt es Leser, die sagen, "Hey, super, endlich kostet das E-Book mehr als das Taschenbuch – ich bin so geil auf das digitale Format und kaufe es zu jedem Preis"?

Nun wird Amazon ja gern als Bösewicht der Gegenwart und Killer kleiner Verlage gebrandmarkt, derzeit wohl auch nicht ganz zu Unrecht, versucht Amazon anscheinend besonders in den USA, Verlage zu billigen Preisen zu drängen und ansonsten keine Bücher mehr abzunehmen. Trotzdem scheint mir das in Deutschland recht ausgeprägte Verlagsdickicht mit seinen teilweise recht undurchschaubaren Abmachungen und Rechteverkäufen nicht ganz unschuldig an der Preisgestaltung bei E-Books zu sein. Und natürlich die Buchpreisbindung – dazu später noch mehr.

Noch unbefriedigend gestaltet sich das Preisverhältnis übrigens, wenn das Taschenbuch einmal ein, zwei Jahre auf dem Markt ist. Gebraucht sind die meisten Romane dann nämlich schon für 3 bis 5 Euro zu haben. Während das E-Book, man ahnt es schon, meist immer noch so viel kostet wie zum Zeitpunkt der Taschenbuch-Erscheinung. Also 8 bis 10 Euro. Auch hier kann ich mir nun also ein teureres digitales Werk kaufen, an dem ich keine Eigentumsrechte besitze und das ich auch nie wieder weiterverkaufen kann. Ärgerlich. Gut, es geht um keine großen Summen, aber wer viel liest, kann mit so einer Preisgestaltung nicht einverstanden sein.

Wie in anderen Ländern könnten Händler wie Amazon nun sagen, gut, das Buch ist jetzt drei Jahre auf dem Markt, dann verkaufen wir zumindest da E-Book deutlich billiger. Geht in Deutschland aber nicht. Buchpreisbindung. Auch das E-Book muss bei jedem Händler gleich viel kosten, heißt, allein der Verlag bestimmt, wann das E-Book wie viel kostet. Dass der Leser so lang wie möglich gemolken wird, dürfte hier zur normalen Vorgehensweise gehören. Noch schwerwiegender kommt hinzu, dass es bei E-Books keine Mängelexemplare gibt, also die von Verlagen und Buchhandel durchaus geschätzte Möglichkeit, Bücher an der Buchpreisbindung vorbei zu schleusen.

Oder verlangt Amazon einfach so viel Provision, dass die Verlage so hohe Preise kalkulieren müssen? Hier kenne ich die Interna ehrlich gesagt nicht. Dagegen spricht, dass die Verlage bei gedruckten Büchern bisher ganz gut mit Amazon & Co. leben konnten – bei E-Books klappt das anscheinend nicht. Ohne hier wirklich bis ins Detail informiert zu sein – leichte Parallelen zur Musikindustrie scheint es zu geben, die den Beginn der Digitalisierung und die sich daraus ergebenden Chancen brutal verschlafen hat. Mittlerweile aber ihre Lektion gelernt hat und zwar immer noch fallende Tonträgerverkäufe meldet, aber exponentiell steigenden digitalen Absatz. Man stelle sich einmal vor, was los wäre wenn ein digitales Album heutzutage teurer wäre als die CD. Das Verlagswesen scheinen solche Bedenken nicht zu stören.

Zur Buchpreisbindung wurde ja viel geschrieben und geforscht, die Basics fasst der Wikipedia-Artikel ganz gut zusammen. Fakt ist aber, dass zumindest bei populären E-Book-Titeln, die von herkömmlichen Verlagen herausgegeben werden, der Endkunde derzeit der Depp ist. Und daran ist auch die Buchpreisbindung Schuld. Warum ich für ein digitales Werk mit lediglich Nutzungsrechten und ohne Wiederverkaufsmöglichkeit mehr zahlen soll als für das gedruckte Buch, erschließt sich mir nicht. Ich werde deshalb, so sehr ich meinen Kindle liebe, wieder vermehrt auf Taschenbücher setzen. Soll sich doch jemand anders melken lassen.