20. März 2013

"Gauklersommer" von Joe R. Lansdale – Aufgesetzt, manieriert und unnötig brutal

Ach schade. Was hatte ich mich nach den guten Amazon-Rezensionen und einer Handvoll wohlwollender Besprechungen in Literatur-Beilagen auf diesen Autor gefreut und mir als erstes Buch "Gauklersommer" herausgepickt. Und was für eine Enttäuschung! Schon nach einigen Seiten wird schnell klar, wodurch der Autor hauptsächlich zu punkten gedenkt: Starke Sprüche. Um keine Missverständnisse aufkommmen zu lassen – ich habe nichts gegen derbe Sprache in einem Krimi und bin ein großer Fan klassischer Pulp Crime-Romane, deren Protagonisten wahrlich kein Blatt vor den Mund nehmen. Doch Autoren wie Donald E. Westlake, Lawrence Block oder Mickey Spillane kann Lansdale bei weitem nicht das Wasser reichen - zu aufgesetzt wirken seine zotigen Geschosse, die meist direkt aus der Pipi/Kaka/Furzi-Schublade stammen. Keine zwei Absätze, in dem der eine dem anderen verbal nichts den Arsch hochschiebt, sich niemand die Eier versengt oder auf irgendeinen Sachverhalt hin keinen fahren lässt. Ab und an kann eine Zote ja für ein Schmunzeln sorgen, aber wenn fast jeder Charakter im Buch billigen Fäkal-Slang nutzt, kommt zumindest bei mir irgendwann gähnende Langeweile auf.

Dass Gossen-Sprech allein noch keinen Roman macht, ist wohl auch dem Autor aufgefallen, und so rast der Krimi nach zwei zotigen Drittel plötzlich rasend schnell auf sein Ende zu. Das ausnahmsweise mal nicht durch Brachial-Humor, sondern ausufernde Gewalt glänzt. Da werden Schädeldecken abgenommen, Frauen bei lebendigem Leib gehäutet und anschließend ausgenommen, dass es nur so eine Freude ist. Warum die Killer so einen Zinnober veranstalten, erklärt der Autor kaum – sie sind halt einfach böse, das muss reichen. Und der (vom Golfkrieg traumatisierte Held) ist eigentlich gut, liebt Kinder, drückt aber auch mal eben ein Auge zu, wenn sein durchgeknallter Irak-Buddie einen Gegenspieler niederfoltert. Sorry Mr. Lansdale, aber das reicht mir für einen guten Krimi einfach nicht. Zu manieriert wirkt auf mich die Gewalt-Orgie und der ermüdende Genital-Humor. Da hilft es auch nicht mehr viel, dass der Autor recht gut schreiben kann. Schade. Aber über Geschmack lässt sich nicht streiten – wer Überschriften der BILD-Zeitung witzig und einfallsreich findet, der kann vielleicht auch Gauklersommer etwas abgewinnen.

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