8. Januar 2013

Neulich im Heimkino – Teil II

Wie schon angedrohtkündigt an dieser Stelle erneut ein paar Mini-Kritiken zu kürzlich gesehenen Filmen. Und los.

Schmetterling und Taucherglocke (2007)
Julian Schnabel bleibt seinem Stil als Regisseur treu und macht aus einer wahren Begebenheit einen recht künstlerischen Film, der in weiten Teilen emotional mitnehmen kann. Dass der eingestreute Humor trotz der scheinbar ausweglosen Situation nicht zu kurz kommt, macht die Schilderung noch menschlicher. Wie auch bei der Hauptperson selbst schwanken die Gefühle beim Zuschauer meist zwischen Deprimiertheit und Zuversicht. Kein Feelgood-Film, aber ebene eine Geschichte, die das Leben schrieb und die neugierig macht auf das Buch.

Dame, König, As, Spion (2011)
Puh. Schwierig, hier eine treffende Bewertung zu schreiben. Zunächst einmal ist der Streifen sehr ästhetisch gefilmt, auch wenn das (absichtlich?) grobe Korn in HD etwas antiquiert / aufgesetzt wirkt. Trotzdem, der Agenten-Zeitgeist der dargestellten Epoche ist auf jeden Fall sehr gut getroffen und auch dem Star-Ensemble sieht man an, dass der Dreh auf jeden Fall Spaß gemacht haben muss. Der Spaß vergeht dem Zuschauer ob der vielen Irrungen und Wendungen manchmal und die reduzierten Dialoge tragen nicht unbedingt zur Klärung und Aufrechterhaltung der Spannung bei. Aber so war er vielleicht einfach, der Kalte Krieg - trotz scheinbar klarer Fronten undurchschaubar und nicht aufzulösen.

Whale Rider (2002)
Emotional eindringlicher Film, der mir allerdings auf rationaler Ebene zu vollgepackt war: Alte, verschwindende Kulturen und ihre Legenden, die Benachteiligung des weiblichen Geschlechts in patriarchalen Strukturen, Tod und Trennung in der Familie, das Abwandern junger Leute nach Übersee und und und. Das Gesamtbild ist zwar stimmig, aber irgendwie konnte ich mich nicht so ganz auf diese Produktion einlassen. Die junge Hauptdarstellerin schauspielert allerdings fantastisch, deshalb will ich mal nicht so sein und gebe vier von fünf Sternen. Gerade da aus Neuseeland außer Hobbit & Co. filmisch ja sonst recht wenig zu uns kommt.

The Ides of March - Tage des Verrats (2011)
Wieder mal eine solide Regie-Arbeit von George Clooney, die erst etwas langsam startet, dann aber rasant an Fahrt aufnimmt und am Ende einen erschreckenden Blick in den tiefen Abgrund der Farce des (US-)Politikbetriebs erlaubt. In dem es keinen Idealismus mehr gibt und Illusionen über die Wirkungsmacht politischer Inhalte schon gar nicht. Kein Action-Thriller, aber eben ein gutes Portrait über die Gepflogenheiten der PR- und Polit-Maschinerie, das man sich gerade vor amerikanischen Primaries oder Präsidentschaftswahlen gut reinziehen kann.

Melancholia (2011)
Mit Lars von Trier hatte ich ja schon so meine Schwierigkeiten - "Melancholia" jedoch hat mir sehr gut gefallen. Allein das Endzeit-Szenario, dass die Erde nicht geflutet oder durch Erdbeben zerstört, sondern von einem deutlich größeren Planeten (in schönen Bildern) quasi pulverisiert und gleichzeitig aufgenommen wird, fand ich klasse. Dass der Regisseur zudem ein Garant für tolle Bilder ist, muss wohl nicht mehr extra erwähnt werden. Dazu kommt dann noch eine Betrachtung über Normen, Konventionen, Doppelmoral und das eignene Handeln im Angesicht des Endes, was von den vielen bekannten Darstellern sehr gut auf die Leinwand gebracht wird. Trotz der zweieinhalb Stunden so gut wie nie langatmig. Und nochmal für alle Emmerich-Freunde: Nein, dieser Film ist kein kunterbunt-kitschiger Action-Streifen mit Hollywood-Heldengeschichte.

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