3. September 2012

Neulich im Heimkino – Teil I


Als berufstätiger Elternteil eines kleinen Rackers von gut zwei Jahren kommt man ja leider nicht mehr zu den Aktivitäten, die man sich eigentlich so vorgenommen hat – sei es mehr Sport zu machen, die Wände der Wohnung neu zu gestalten oder doch mal wieder eine Fetisch-Party auszurichten. Stattdessen landet abends des Öfteren eine Bluray im Abspielgerät; Mini-Kritiken zu den gesehen Werken stelle ich dann meist bei Videobuster ein. Da sie dort aber kein Schwein liest, hoffe ich hier mal auf mindestens zwei Schweine. Hier also die Kurz-Bewertungen zu meist eher unbekannten Filmen:

In ihren Augen (2010)
Sehr romanhafte, sehr südamerikanische Produktion, die sich den großen Fragen des Lebens widmet. Dies hat mich zu Beginn des Films etwas gestört, wenn die Darsteller relativ unvermittelt in bedeutungsschwere Dialoge über Liebe und Tod verfallen. Umso besser der Zuseher die Figuren jedoch kennenlernt, umso passender erscheint die Geschichte, die trotz der elementaren Betrachtungen gottseidank nie ganz ohne Humor erzählt wird. Leises Kino fernab des Hollywood-Mainstreams, das den Oscar völlig zu Recht erhalten hat. Schön auch mal, nicht immer die gleichen Gesichter zu sehen.

Belle de Jour (1967)
Mutig – der Film über eine scheinbar biedere Ehefrau, die in ihrer Freizeit im Bordell arbeitet und sexuellen Gewaltfantasien nachhängt, ist heute teilweise noch verstörend und war es in den Sechzigern sicher umso mehr. Eine gewagte und ungewöhnliche Beziehungsstudie, in der Realität und Fantasie verschwimmen, viel offen gelassen wird und somit Raum für eigene Deutungen besteht. Lediglich mach Dialog wirkt heute etwas antiquiert und um die eine oder andere Länge kommt der Streifen auch nicht herum. Trotz des spanischen Regisseurs Luis Buñuel insgesamt ein sehr französischer Film, der unter die Haut geht, ob der überbetonten Psycho-Note manchmal aber auch etwas nervt.

Barfuß auf Nacktschnecken (2010)
Die Produktion wird von vielen Rezensenten ja bisweilen als "Trauerfilm" beschrieben, was ich nicht ganz so treffend finde. Klar, am Anfang der Geschichte steht ein Trauerfall, aber dann geht es eher um die Fragen, was ist normal, was ist verrückt, will ich mich Konventionen beugen oder Ängste abschütteln et cetera. Kurzum, wo will ich im Leben hin. Das bringen die beiden Hauptdarstellerinnen sehr gut auf die Leinwand, auch wenn mir die ganz große Tiefe etwas gefehlt hat. Schön fand ich, dass oft mit den negativen Erwartungen des Zusehers gespielt wird ("das geht bestimmt schief"), die dann aber nicht erfüllt werden und Lebenssituationen eben dann gelingen, wenn man sich ihnen vorurteilsfrei nähert. Allein das finde ich schon eine wertvolle Aussage. Deshalb: Daumen hoch!

Biutiful (2010)
Mit dem Regisseur Iñárritu habe ich mich bisher recht schwer getan - zu fatalistisch, düster und ausweglos wirken viele seiner Werke auf mich. Klar, das Leben ist nicht immer eitel Sonnenschein, aber sich 90 Minuten oder länger emotional runterziehen zu lassen, ist einfach nicht immer mein Ding. Biutiful hat mir allerdings trotzdem sehr gut gefallen, weil das Thema "Loslassen und Abschied nehmen" einfach sehr eindrücklich beschrieben und von tollen Schauspielern untermalt wird. Wer sich auf die Erzählung einlässt, bekommt sehr intensiv geschildert, dass zum Menschsein eben auch der Tod gehört. Was ich inhaltlich fast etwas zu viel fand war, dass Iñárritu auch noch die Immigranten-Problematik mit eingebaut hat, da wusste ich manchmal nicht so ganz, was nun im Fokus stehen soll. Trotzdem - oft mit einer Träne im Auge - sehr sehenswert.

Wie im Himmel (2004)
Wenn ein Film gleich mit dem bereits toten Vater, einer vom Auto totgefahrenen Mutter und einem Herzinfarkt beginnt, weiß man wohl, worauf man sich einstellen muss. Der malade Hauptdarsteller, ein Dirigent, zieht sich aufgrund seines harten Schicksals zwar in die Einöde zurück, bringt dort aber den örtlichen Kirchenchor auf Trab – was vor allem die Befreiung aus allerlei emotionalen Verklemmungen bedeutet und natürlich in einem Showdown mit dem Pfarrer endet. Lustigerweise pinkelt die Produktion der Kirche ordentlich ans Bein, ist selbst aber nichts anderes als eine musikalische Jesusgeschichte: Der Heilsbringer, der die bis dato Geknechteten aus ihrer Unmündigkeit befreit, ihnen Erkenntnis verschafft und sich dafür selbst aufopfert. Auch wenn die Schauspieler vortrefflich agieren und der Streifen so manch herzerwärmende Szene aufweist - mir war das Ganze einfach zu messianisch.

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