27. August 2012

Mediale Bestandsaufnahme, August 2012

  • Ich lese: Mal wieder einen Theroux. Der Reiseliterat füllt ja mit etlichen Büchern mein Regal, und jetzt war endlich einmal "The Great Railway Bazaar" dran. Eigentlich das Buch, mit dem er in den Siebzigern als Reiseautor und klassischer Vertreter des "Travelogues" bekannt wurde. Es geht mit der Eisenbahn von London nach Osten durch Asien bis nach Japan und durch die damalige Sowjetunion wieder zurück. Bin gerade erst am Anfang, aber Therouxs Beschreibungen von Begegnungen und Erlebnissen kommen stets als schöne Bilder rüber und sind erfrischend ehrlich – weswegen dem US-Amerikaner von vielen Kritiker auch eine gehörige Portion Misanthropie nachgesagt wird. Sicherlich nicht ganz falsch. Wer sich für Menschen interessiert, bekommt nicht nur Gutes mit. Außerdem habe ich gerade in "Der Nebel von gestern" mein Bücherzeichen versenkt, eines der jüngeren Bücher des kubanischen Autors Leonardo Padura. Der Held einer ganzen Romanserie, Ex-Polizist Mario Conde, verdingt sich inzwischen als antiquarischer Bücherhändler und wühlt dabei einmal wieder in der Vergangenheit herum. Bibliophiles in den Tropen.
  • Ich sehe daheim: Die fünfte Staffel von "Mad Men". Nachdem ich mir mit der vierten Staffel zu Anfang schwer tat, sich meine Begeisterung danach aber steigerte, warte ich nach vier oder fünf Folgen in Staffel fünf immer noch auf den Aha-Effekt. Im Großen und Ganzen tut sich recht wenig und es überwiegt eher wieder der Soap-Anteil. Dazu ist die Mode einfach nicht mehr so gut wie zu Beginn der Serie. Mal sehen ob sich an Mad Men nicht auch bewahrheitet, dass eine gute Serie höchstens fünf Staffeln messen soll. Die sechste ist aber wohl schon geplant. Langsamer Abstieg? An die Fünf-Staffeln-Regel hält sich "Breaking Bad", das gerade in der letzten Staffel läuft, diese aber fieserweise auf zwei Jahre à acht Episoden aufgeteilt hat. Hier ist deutlich mehr Zunder im Stroh und man beginnt mehr und mehr zu ahnen, dass das Ende kein gutes sein wird.
  • Im Kino gesehen: Mit "Prometheus" mal wieder Alien-Stoff. Tricktechnisch und von den Bildern her ziemlich gelungen. Die Story hat mich hingegen nicht vom Hocker gehauen. Was vor allem daran liegt, dass nach meinem Geschmack zu wenig erklärt wird. Warum gelingt es den Menschen des Alien-Universums nie, Roboter zu konstruieren, die tun was man ihnen sagt? Oder wer befiehlt den Robotern, stets querzuschießen und die Mission zu gefährden? Warum verhalten sich ausgebildete Raumfahrer auf Außeneinsätzen wie eine Horde gehirnamputierter Kindergartenkinder? Und warum lässt sich die Geschichte nicht in einer Folge erzählen und das Sequel deutet sich nur allzu dreist an? Insgesamt keine schlechte Science Fiction, aber eben auch kein Meilenstein.