6. April 2011

Fremde Länder

Meine aktuelle Dienstreise führte mich in die - Verzeihung - Provinz zwischen Bonn und Köln. Es ist schon interessant, mir altem Münchner ist das Mediterrane oft vertrauter als so manche Gegend in Deutschland. Dazu zählt auch das Rheinland. Hier stehen Klinkerbauten in Reih und Glied, durchsetzt von alten und noch älter riechenden Fachwerkhäusern, über allem der laue Frühling, blühende Sträucher und ein mildes Abendrot. Mein Hotel liegt direkt am großen deutschen Fluss, ich kann fast hineinspucken und höre auch nachts die Lastkähne an meinem Zimmer vorbeituckern. Die Balkontür ist geöffnet, und wie immer in der Nähe von großen Gewässern ist die Luft kühler und von von einer ganz besonderen Frische durchsetzt.


Wenn dann reisen, so denke ich, mit dem Zug. So wie Paul Theroux, der auf Schienen den amerikanischen Kontinent durchmaß und dabei die Menschen in ihrem Alltag beobachten konnte. So auch heute. Eine Bahnhofskneipe mit dem Namen "Texas". In Widdig am Rhein künden Plakate vom baldigen Junggesellenabend. In der Straßenbahn in Bonn unterhalten sich zwei Journalismus-Studenten, der eine bedenkt, dass er für drei Stunden Arbeit und einen einseitigen Artikel im Praktikum gerade einmal 20 Euro bekommt. Im Restaurant am Rhein sitzen zwei Ornithologen, der eine sieht aus wie eine Mischung aus John Travolta und Hein Blöd und zückt zwischen Suppe, Steak und Zitronenlimonade immer wieder den Feldstecher. Hier fand auch der Dialog des Abends statt:

Gast: Ich hätte gerne dieses Tartuffo-Eis.
Bedienung: Schwarz oder weiß?
Gast: Was ist denn der Unterschied?
Bedienung: Das eine ist mit weißer Schokolade, das andere mit weißer.
Gast: Dann nehme ich schwarz.

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