1. März 2011

Na endlich!

Hurra! Es ist so weit! Endlich können wir wieder Nachrichten gucken, ohne in das niedergeschlagene Gesicht des Herrn Guttenberg blicken zu müssen. Selbst als Kritiker des CSU-Mannes hatte man ja fast keine Lust mehr, sich zur Plagiats-Affäre zu äußern. Seine noch immer stattliche Schar von Fans bediente der adeligen Verteidigungsministers allerdings noch in seiner Rücktrittsrede mit wohlfeilen Worten: Er wolle "seinen Charakter nicht ändern, um den Kräften der Politik gewachsen zu sein". Fragt sich bloß, welchen Charakter – den Charakter, eine abgekupferte Doktorarbeit zu verfassen, dies dann zunächst zu bestreiten, schließlich aber doch scheibchenweise zuzugeben, sich selbst aber trotzdem für so toll zu halten, unbedingt weiter Verteidigungsminister bleiben zu müssen?

Da ja wie immer eigentlich schon alles gesagt ist, möchte ich auf den hervorragenden Blog-Eintrag von Michael Schöfer verweisen, der sehr schön zeigt, wie sich Guttenberg als Opfer der Medien und kleinkarierten Opposition geriert – mit Verfehlungen, die den berühmten "kleinen Mann" längst den Job / Ruf gekostet hätten. Umso interessanter ist, dass viele kleine Leute immer noch zum fränkischen Senkrechtstarter a.D. stehen – im Radio empörte sich vorhin eine Frau, dass die Medien den armen Minister ja in die Enge getrieben hätten. Dolchstoßlegende also statt Kritik, Angriff statt Verteidigung. Und wenn alles nichts hilft, dann der Druck auf die Tränendrüse, mögliche Gefahren für unser Land, ja, tote Soldaten in Afghanistan.

Genau diese Nebelkerzen kritisiert auch Blog-Kollege Schöfer und geht auf die unrühmliche Rolle des Stefan Mappus ein, der seinem Politikerfreund Guttenberg bis zuletzt mit den Worten "Wir haben in diesem Land - und in Afghanistan - wahrlich andere Sorgen als die Frage, ob die Fußnoten einer Doktorarbeit richtig gesetzt sind" die Stange gehalten hat. Soll heißen, eigentlich ist es scheißegal, ob einer seinen Titel zurecht trägt – wenn er sich erst einmal zum Minister hochgemauschelt hat und Deutschland vor den bösen Russen / Afghanen / Terroristen retten muss, sind frühere Verfehlungen egal. Völlige Immunität, keine Vorhaltungen, der Mann ist ja schließlich Hoffnungsträger. Fragt sich bloß für wen. Für die Hochschul-Welt sicherlich nicht. Aber mit Intellektuellen hatten es die Konservativen ja noch nie so.

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