1. September 2010

Der Neue

Zwei Monate haben wir es nun mit unserem neuen Untermieter zu tun. Die Mietzahlungen blieb er bisher leider schuldig. Auch die von uns angesetzten Ruhezeiten hält der Herr nicht immer ein. Von der zusätzlich zur Logis zur Verfügung gestellten Kost macht er hingegen ausgiebig Gebrauch. Ein Lichtblick: Das Badezimmer belegt unser Mitbewohner recht spärlich, und auch meine Xbox lässt er in Ruhe. Eigentlich ist er sogar sehr leicht zu beschäftigen – ein Blick aus dem Fenster oder in das Bücherregal kann ihn minutenlang fesseln. Zu wünschen übrig lässt hingegen seine Etikette: Nach dem Essen lässt er uns ohne Scham an seiner regen Darmtätigkeit teilhaben. Mimik und Gestik sind ebenso rege, doch aufgrund des undeutlichen Dialekts erschließen sich die eigentlichen Gründe seines Handelns meist nicht. Leichte Sorgen bereitet mir, dass er recht viel Zeit mit Nadja verbringt. Ich schätze, er will uns sogar in unserem nächsten Urlaub begleiten. Selbst bei Familientreffen im kleinen Kreis buhlt er ungeniert um die Aufmerksamkeit unserer Verwandten. Obwohl er eigentlich gar nicht so auffällig ist. Eher unscheinbar sogar. So klein, dass er im Gesamtbild manchmal fast untergeht. Aber doch irgendwie mit einer starken Präsenz. Mal sehen, wie das so weitergeht.