28. Mai 2010

So ein Schmarrn!

Also ich gebe den Crawlern der Suchmaschinen ja nur sehr ungern Futter, wenn es um Apple geht, aber das iPad regt mich dermaßen auf, dass ich ein paar Zeilen dazu verlieren muss. Yuppies gibt es anscheinend noch genug, denn wer 600 Euro für ein iPad übrig hat und sich konsumgeil in die Schlange vor dem Apfel-Laden einreiht, hat sonst wohl wirklich keine Probleme. Angeblich kann man mit dem iPad ja ganz toll spielen, für die Kohle bekommt man allerdings schon satte zwei Playstation 3 oder drei xbox 360. Zum Bilder angucken taugt der neue Geniestreich ja angeblich auch, bloß kann man die Fotos (außer mit iTunes) nicht so einfach übertragen, ein geschlossenes Dateisystem und fehlende Standard-Anschlüsse machen es (un)möglich.

Video gucken, über Youtube, geil, fragt sich bloß, ob das mit einer schwächelnden UMTS-Verbindung wirklich so flott geht. Wer das Gerät für 500 Steine ohne 3G-Slot kauft, kann das Wunderwerk eh nur daheim benutzen. Telefonieren per Headset fällt natürlich auch flach, dazu gibt's ja das iPhone. Von der fehlenden Flash-Unterstützung, die heute die meisten Multimedia-Inhalte voraussetzen, mal ganz zu schweigen. E-Mails schreiben mit der Bildschirm-Tastatur - naja. Für den gleichen Preis oder sogar deutlich günstiger sind leistungsstarke Netbooks zu haben, die all das können, was das iPad nicht kann. Nur so cool ist ein Netbook halt nicht. Klar, keiner braucht ein iPad, aber haben wollen tun es anscheinend viele. Da muss man Apple Tribut zollen, wie die Jungs aus Cupertino immer Bedarf schaffen für etwas, das vorher kein Schwein auf dem Radar hat.

Zusätzlicher Aufreger ist die selbstherrliche Politik des Konzerns, der mal eben gekaufte Apps vom iPhone löscht oder Inhalte zensiert, weil angeblich ein paar Titten zu sehen sind. Gegen ein App, das Scharfschützen zur besseren Treffsicherheit benutzen, hat der Konzern in bester amerikanischer Tradition übrigens nichts. Alles in allem ist es nicht verwunderlich, dass der Börsenwert von Apple den von Microsoft unlängst überholt hat. Trotzdem bin ich mir sicher, dass das Unternehmen aus Redmond (mittlerweile in trauter Einigkeit mit Google und Facebook) weiterhin als Buhmann der IT-Industrie gelten wird. Während sich Apple weitherin im Lichte weltverbessender Innovationen sonnt. Hart, aber unfair.

14. Mai 2010

Apfel + Birne = Report Mainz

Also irgendwie ist es ja schon lustig, wie mit der möglichen Linkskoalition in NRW und insbesondere der Partei Die Linke umgegangen wird. Auch wenn ich selbst so meine Zweifel hege, ob ich einen ihrer Abgeordneter gerne in einem Ministeramt sehen würde, sind die Kommentare bezüglich der Dunkelroten teilweise doch sehr seltsam. Selbst die Sueddeutsche nimmt begeistert einen Report Mainz-Beitrag auf, in dem Mitgliedern der Linksfraktion unter anderem die Frage "War die DDR ein legitimer Versuch [auf deutschem Boden eine Alternative zum Kapitalismus aufzubauen]?" gestellt wurde.

Das ist ungefähr so, als würde man die katholische Bischofskongregation fragen, ob die Kreuzigung ein legitimer Versuch Jesu war, die Sünden der Menscheit auf sich zu nehmen. Was sollen die Linken darauf denn antworten? "Nein, der Kapitalismus ist toll, die DDR war von Anfang an ein falscher Weg, und auch sozial gesehen war die BRD viel besser aufgestellt! Und überhaupt sind wir total froh, jetzt endlich Bananen zu haben!" Dass FAZ und CDU davon überzeugt sind, dass mit dem Untergang der DDR das zu 100% schlechtere System mal eben so einfach verloren hat, mag ja noch sein, diesen Befund aber zum Ursprung aller politischen Korrektheit zu heben, strotzt ja nur so von westlich-unreflektierter-bornierter Siegermentalität.

Doch es wird noch besser: Denn die nächste Powerjournalisten-Frage lautete "War dann auch die Stasi legitim?" Tusch! Erfolgreich in die Enge getrieben! Neben der Nazi-Keule der zweitbeste Vorschlag-Hammer in jeglicher Diskussion: DDR = STASI. Analog zu obigem Vergleich hätte der Reporter die katholischen Bischöfe also fragen müssen, ob denn auch die Kreuzzüge legitim gewesen seien. Und die meisten der befragten Abgeordneten sind auch noch so blöd und denken ernsthaft über die Frage nach, statt dem Reporter die Debilität seiner Interview-Technik um die Ohren zu hauen (oder einfach zu antworten "Nein, wieso?"). Dass man die deutsche Geschichte der letzten 60 Jahre nicht in einem kurzen TV-Beitrag abarbeiten kann, verstehe ich ja, aber müssen es denn wirklich so hirnrissige Fragen sein?

9. Mai 2010

Spielkind

In Erwartung unseres männlichen Nachwuchses ertappe ich mich ja des Öfteren bei der Frage, was einen Jungen überhaupt ausmacht und ob in Anbetracht so mancher virilen Hybris ein Mädchen nicht doch "einfacher" gewesen wäre. Naja, spätestens ab der Pubertät wohl kaum. Diese geht bei Männern allerdings ja nie so richtig zu Ende. Als Nadja und ich vor zwei Jahren in Venedig waren, nächtigten wir im günstigen Jesolo. Die dortige Vergnügungsmeile hatte natürlich auch etliche Spielhöllen zu bieten, die mir in guter Erinnerung waren, da Italien auch Minderjährigen den Zutritt gestattet und ich schon vor Jahr(zehnt)en etliche 200-Lire-Stücke in den bunten Automaten versenkt hatte.

Als Nadja bei besagtem Urlaub eines Abend recht müde war und früh auf Hotelzimmer wollte, konnte ich es mir nicht verkneifen, noch alleine eine sala giochi zu besuchen. Nachdem ich beim Autorennen recht kläglich gescheitert war, daddelte ich bald an einem Automaten, bei dem man ein Gettone einwirft, dass im besten Fall so auf dem Spielfeld landet, dass andere Münzen und Gimmicks ins Ausgabefach geschoben werden. Das klappe auch recht gut, und meine Ausbeute waren etliche neue Spielchips und Wertgegenstände wie Billiardkugel-Schlüsselanhänger. Mein Beutezug machte auch zwei etwa Zehnjährige auf mich aufmerksam, die sich am Automaten die Nase platt drückten und meine Gambler-Fähigkeiten bewunderten.

Eigentlich hätte ich den beiden Jungs alle Schlüsselanhänger und Plastikfiguren schenken sollen, die ich aus dem Automaten zog. In diesem Moment fühlte ich mich aber absolut auf der gleichen Ebene wie meine beiden Anhänger und fand es einfach toll, der Coolste von uns Dreien zu sein, der am meisten Schätze ans Tageslicht befördert. Den Tand habe ich dann natürlich stolz in meine eigenen Taschen gesteckt. Im Nachhinein total plemplem. Aber irgendwie ziemlich männlich. Kann man das irgendwie abstellen? Sollte man? Ein weites Feld...