10. November 2009

Anzug kills the dirndl star

Genau zwei Monate Blogpause reichen! Die erste Verzögerung stellte die Fertigstellung unserer neu bezogenen Wohnung dar. Mittlerweile ist bis auf zwei Lampen, einen Vorhang und ein paar Bilder alles fertig und ich bin um die Erkenntnis gereift, dass Nadja besser mit einer Bohrmaschine umgehen kann als ich. Der zweite Aufschub war der Bundestagswahl geschuldet, der mich in eine politische Schockstarre versetzte. Mittlerweile habe ich auch diese überwunden und genieße die Freiheit, nun wenigstens alle Schandtaten klar verantwortbar in schwarz-gelbe Schuhe schieben zu dürfen. Nach weiteren kleinen Intermezzi wie dem Freifalltest eines Notebooks, den anschließenden Reparaturmaßnahmen, Besuch aus Kanada, viel Aufregung in der Familie, einer Menge Arbeit und der Übernahme als Redakteur im Job sind mittlerweile wieder genug Gedanken vorhanden, um diesen Blog zu füllen.

Beginnen möchte ich die Wiederaufnahme mit einem Nachruf auf meinen geliebten sandfarbenen Cordanzug. Auf IT-Kongressen, in denen Heerscharen von schwarzen und grauen Anzügen die Flure und Ausstellungshallen bevölkern, verschaffte mir das Kleidungsstück zumindest einen Hauch von Individualität. Sein Leben gab er in der chemischen Reinigung hin, aus dem hier und jetzt katapultiert durch einen explodierenden Kugelschreiber. Der wohl *räusper* aus meiner Anzuginnentasche stammte und außerdem fünf Dirndl mit in den Tod riss. Passenderweise ein letzter Aufschrei der Individualität gegen den Dirndl-Wahn ultraschicker Schwabinger Mädel, von denen ganz sicher einige CSU-wählend dem letzten roten Bayerns, Axel Berg, das Bundestagsmandat München Nord unter dem Arsch weggezogen haben.

Desweitere versuche ich gerade, einen (fast-)alkoholfreien Monat zu meistern und jogge ab und an um den leergelaufenen Olympiasee. Nadja hat mich nach gut zwei Monaten immer noch nicht rausgeschmissen, was ja an sich gar kein schlechtes Zeichen ist. Die Brunnen sind eingemottet, die Blätter fast alle ab, und die Eishockeysaison ist in vollem Gange und ich habe praktischerweise nur 10 Minuten zu Fuß ins Stadion am Oberwiesenfeld. Gelesen habe ich neulich – wie gewohnt antizyklisch viel zu spät – den schätzingschen Roman "Der Schwarm". Sein neues Werk, das im Karstadt sogar an der Kleiderkasse ausliegt, lasse ich wohl aus. Technisch gut und spannend, echtes Leben haucht der Autor seinen Figuren auf knapp 1.000 Seiten jedoch nicht ein. Die Hollywood-Verfilmung ruft. Und hier regelmäßig bald wieder mehr.

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