24. Juni 2009

Feuchte Leinwand

Zum aktuellen Wetter möchte ich mich nicht äußern, außer dass es mich in letzter Zeit recht oft ins Kino getrieben hat. Hier ein paar Gedanken zu aktuellen Filmen, die auch nichts dafür können, dass es im Lichtspielhaus ob des Dauerregens zur Zeit meist unangenehm nach nassem Hund riecht.

Che - Revolución
Erster Teil der von Soderbergh recht akribisch verfilmten Hommage an den Revolutionsführer. Der Film verzichtet zwar auf Pathos, verweigert aber fast immer auch jedwedes kritische Hinterfragen. So eine Art Che-Doku, bloß der neutrale Sprecher aus dem Off fehlt. Revolutionsfans dürfte die Machart zu unemotional sein, Konservativen wohl zu linkskonform. Wer sich daran nicht stört, erhält alle mal eine annehmbare Geschichtslektion, gestützt von einem fantastisch agierenden und dem Original sehr ähnelnden Benicio del Torro. Ein großes Minus für die deutsche Synchronisation, dies es geschafft hat, einer stimmgewaltigen Figur wie Fidel Castro ein absolut unpassendes Weichei-Organ zu verpassen.

Terminator
Krachendes Actionspektakel, bei dem auch pazifistisch angehauchte Gutmenschen wie ich politisch korrekt den mentalen Trigger durchdrücken können. Es geht ja schließlich nur um Maschinen, und denen tut es ja nicht weh, wenn sie nach allen Regeln der Kunst zerlegt werden. Trotz diverser Kritiken am Endzeitszenario (langweilig) und der Schauspielkunst von Christian Bale (gelangweilt), fand ich beide nicht schlecht und dem Genre angemessen. Bei dem offenen Ende frage ich mich allerdings, in wie viele Serienmovies der Mime nach Batman noch einsteigen will.

Alle anderen
Stark gehypter Identitätsstreifen für die Generation 30+, die zwischen Sinnsuche und Arrangement, Anpassung und Rebellion schwankt. Sehr gut gefallen haben mir die beiden Hauptdarsteller: Sie agieren und reden so, wie ich es von vielen Paaren aus meinem Bekanntenkreis kenne. Die analysierenden Gespräche und das Sezieren der Beziehung, die Suche nach Liebe, die vielleicht nur eine eingebildete ist - all das echte Fragen, die mir allerdings trotz der schauspielerischen Leichtigkeit oft allzu bedeutungsschwer und symbolisch rüberkamen. Trotzdem, ein sehenswerter deutscher Film, der verwunderlicherweise in einer Stadt wie München gerade mal in zwei Kinos läuft.

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