26. Juni 2009

Bis zuletz(t) das Netz

Also die Twitter-User, die massenhaft ihre Bestürzung über den Tod von Michael Jackson ausdrücken und dabei den Online-Dienst kurzzeitig zum Absturz bringen, verstehe ich ja noch am ehesten. Schwerer fällt mir das schon bei den Wikipedia-Geeks, die sich Minuten nach dem Ableben des Sängers daran zu schaffen machen, dessen Eintrag akribisch-korrekt zu ergänzen. Denen aber - wie immer in der ach so coolen Netzgemeinde - schlaumeierische Besserwisser gegenüber stehen, welche die Änderungen als 'unbewiesen' kennzeichnen. In diesem Zusammenspiel gehen dann natürlich auch die Wikipedia-Server kurzzeitig in die Knie.

Ganz flott sind naturgemäß auch die Cyberkriminellen, die mit gefakten Nachrichten und Videos zu angeblichen Enthüllungem um Jacksons Tod den Surfern mal schnell ein paar tausend Trojaner mehr unterjubeln wollen. Was mir wenige Stunden später in der Redaktion wieder einen Adrenalinschub verpasst, da jetzt ständig Pressemitteilungen von scheinheiligen Sicherheitsanbietern eintrudeln, die nun auch noch auf der Newswelle mitreiten wollen und schon ganz tolle Schutzmaßnahmen gegen die ach so pietätlosen Virenschleudern entwickelt haben. Innerhalb von 24 Stunden ist alles abgefrühstückt und jeder hat einmal mehr die Klappe zu etwas aufgemacht, wozu er vielleicht besser einfach mal geschwiegen hätte. Und das Schlimme: Ich mache den gleichen Fehler.

Wenn es irgendwann doch noch mal einen Atomkrieg geben sollte, weiß ich schon, wie die Leute sterben werden:
Die einen eingeloggt in ihrem Twitter-Account, die anderen schreiben bei Wikipedia gerade das Schlusskapitel zu Atomwaffen, finstere Gestalten tüffteln am ersten Megavirus für das rudimentäre Nach-Internet, und schicke PR-Tanten rinnt der Schweiß von der Stirn, weil sie bei alledem ihren Auftraggeber noch gut verkaufen müssen. Die Archäologen der Zukunft werden unsere Asche aus Tastaturritzen kratzen.

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