20. April 2009

Warten auf den Spielverderber

Schön, dass es offenbar immer jemanden gibt, der sich auf dem internationalen Parkett freiwillig zum Deppen der Weltdiplomatie macht. So derzeit wieder einmal Irans Präsident Ahmadinedschad, der den westlichen Regierungen eine Steilvorlage nach der anderen liefert, um an der Seite der Castro-Brüder und Hugo Chavez verbissen seine Position als Rechtsaußen der Staatengemeinschaft zu verteidigen. So weit so klar. Dass bei dem Iraner wohl nicht nur eine Großmannssucht-Schraube zu fest angezogen ist, dürfte auch den meisten Politik-Laien offensichtlich sein.

Trotzdem lohnt es sich, einmal genauer hinzuhören: Im Kern hat Ahmadinedschad (neben den gewohnten Holocaust-Relativierungen) Israels Regierung als rassistisches System gegeißelt. Einen Staat der – und das bezweifeln wohl nur noch glühende Israel-Freunde – einen ethnisch-religiösen Teil seines Volkes nach und nach enteignet und von demokratischen Wahlen fernzuhalten versucht. Dieser Vorwurf des Rassismus bewog die meisten Delegierten der Anti-Rassismus-Konferenz der UNO dazu, den Saal zu verlassen. Es stellt sich die Frage, was passieren würde, wenn Deutschland Staatsbürger türkischer Herkunft enteignen würde und das Wahlrecht entzöge. Ob dann nicht doch der eine oder andere Drittstaat oder das eine oder andere Medium mit dem Rassismus-Vorwurf hantieren würden.

Beim Formulieren solcher Gedanken macht sich mir ein flaues Gefühl in der Magengrube breit. Wissend, dass mir der Großteil einer Nazi-Demo mit umgehängten Palästinenser-Tüchern wohl zustimmend auf die Schulter klopfen würde. Trotzdem hat die oben formulierte Frage meiner Ansicht nach ihre Berechtigung. Wer die Spirale ewiger Gewalt durchbrechen will, sollte den Mut haben, eine ehrliche Bestandsaufnahme zuzulassen. Und dass die gegenwärtige israelische Politik wenig Hoffnung auf Verständigung lässt, müssten eigentlich auch die Gesandten wissen, die als erste empört von ihren Sitzen aufgesprungen sind.

Kommentare:

Groovechampion hat gesagt…

Abgesehen davon, daß so ziemlich jede UNO-Konferenz mit Ihrer vorgefassten Schlußnote eher der Muppetshow als einer legitimierten Versammlung der Völker gleicht, geht es beim Thema Ahmadinedschad wohl eher auch um das Gesamtpaket, was nicht als akzeptabel zu gelten hat. Dass man sich bei Despoten die zustimmungsfähigen Teile extrahiert, finde ich allerdings grenzwertig. Stichorte: Autobahn und 3. Reich!

Lars hat gesagt…

Dass ich Ahmadinedschad für einen ziemlichen Suppenkasper halte, habe ich wohl im ersten Absatz klar gemacht. Meine Absicht danach war nicht zu sagen, hörthört, A. sagt auch ab und zu mal etwas vernünftiges. Es ging mir darum, dass zumindest für die westlichen Staaten im Verlauf der Konferenz Kritik an Israel Tabu wohl ist, weils der Schurke A. eben zuerst geäußert hat. Um bei deiner Analogie zu bleiben: Heute keine Autobahnen zu bauen, bloß weil Adi die mal ganz toll fand, kanns ja auch nicht sein, oder?