17. Februar 2009

Bitte zurückbleiben!

Ich finde, die Menscheit lässt sich (zumindest in Weltregionen mit einem funktionierenden ÖPNV) in zwei Typen unterteilen: Die Renner und die Nicht-Renner. Beim leisesten Geräusch einer einfahrenden U-Bahn stürmen die Erstgenannten halsbrecherisch die Rolltreppe hinunter, teilen mit ausgefahrenen Ellenbogen todesmutig die lethargische Menschenmenge, um beim letzten Warnton noch schnell durch die sich gerade schließenden Türen zu springen. Geschafft! Nur einen Gedanken im Kopf, der alles beherrscht: Ich muss diesen Zug noch erwischen. Dass in zwei Minuten der nächste Anschluss am Bahngleis steht, spielt offenbar nur eine untergeordnete Rolle.

Ich frage mich immer: Wie kann das sein? Haben die Renner alle einen so wichtigen Termin, den sie nicht einmal um wenige Minuten, ja Sekunden, aufschieben dürfen? Hängt ihr Schicksal am Anschlusszug? Freuen sich die Eilenden so sehr auf die Ehefrau oder den Nachwuchs daheim? Bemühen sich Renner-Männer auch weiterhin penetrant um jede Frau, die ihnen einen Korb gegeben hat? Versuchen sie, auch eine längst verlorene Liebe von der Abfahrt abzuhalten? Kämpfen Renner stärker und länger gegen eine tödliche Krankheit an, wenn Nicht-Renner schon längst aufgegeben haben? Oder ist alles nur eine Sache des Augenblicks? Ist der sausende Zug nur deshalb das Wichtigste, weil sich sonst nichts zwischen den Ohren bewegt?

1 Kommentar:

Mary Malloy hat gesagt…

Wer zufrieden ist, rennt nicht. Davon bin zumindest ich fest überzeugt! =)