17. Februar 2009

Bitte zurückbleiben!

Ich finde, die Menscheit lässt sich (zumindest in Weltregionen mit einem funktionierenden ÖPNV) in zwei Typen unterteilen: Die Renner und die Nicht-Renner. Beim leisesten Geräusch einer einfahrenden U-Bahn stürmen die Erstgenannten halsbrecherisch die Rolltreppe hinunter, teilen mit ausgefahrenen Ellenbogen todesmutig die lethargische Menschenmenge, um beim letzten Warnton noch schnell durch die sich gerade schließenden Türen zu springen. Geschafft! Nur einen Gedanken im Kopf, der alles beherrscht: Ich muss diesen Zug noch erwischen. Dass in zwei Minuten der nächste Anschluss am Bahngleis steht, spielt offenbar nur eine untergeordnete Rolle.

Ich frage mich immer: Wie kann das sein? Haben die Renner alle einen so wichtigen Termin, den sie nicht einmal um wenige Minuten, ja Sekunden, aufschieben dürfen? Hängt ihr Schicksal am Anschlusszug? Freuen sich die Eilenden so sehr auf die Ehefrau oder den Nachwuchs daheim? Bemühen sich Renner-Männer auch weiterhin penetrant um jede Frau, die ihnen einen Korb gegeben hat? Versuchen sie, auch eine längst verlorene Liebe von der Abfahrt abzuhalten? Kämpfen Renner stärker und länger gegen eine tödliche Krankheit an, wenn Nicht-Renner schon längst aufgegeben haben? Oder ist alles nur eine Sache des Augenblicks? Ist der sausende Zug nur deshalb das Wichtigste, weil sich sonst nichts zwischen den Ohren bewegt?

10. Februar 2009

Die See ruft

Es ist immer schön, einen bisher "unbekannten" Schriftsteller neu für sich zu entdecken. Ganz besonders klasse ist es, wenn es der Autor vermag, einen schon nach wenigen Seiten zu begeistern. Aktuell tut dies James Hamilton-Paterson und sein Buch Seestücke - Das Meer und seine Ufer. Eine Mischung aus Reisebericht, wissenschaftlicher Abhandlung und Prosa, in manchmal sehr poetischen Worten. Es ist schwierig, einzelne Absätze aus dem dichten Kontext zu reißen, ich will es jedoch trotzdem versuchen:
"Die See ist zu eng verknüpft mit Vergangenem, mit Sommerurlauben, einmal im Jahr Genossenem oder auch Liebesabenteuern, um einfach ein Ort wie jeder andere zu sein. Wir wühlen in einem Wintermonat im Schrank nach irgend etwas und stoßen statt dessen auf ein Paar Schuhe, aus denen Sand rinnt wie aus einem gesprungenen Stundenglas. Sofort werden wir von Erinnerungen überschwemmt. Wir hören beinahe draußen vor dem Fenster die Brandung in Wellen brechen, die über Felder und Großstadtstraßen gekommen sind, um uns zu finden."
Sensationell auch die fast schon fantastisch anmutende Passage, in der Hamilton-Paterson beschreibt, wie er sich in einer Vollmondnacht im Riff treiben lässt, um dessen Geräusche und Schwingungen besser wahrzunehmen. Bin schon gespannt auf seine anderen Werke, die auch alle in irgendeiner Weise vom Meer handeln.

3. Februar 2009

Bestätigte Wahrheiten

"Das ist kein Konzentrationslager, und die Einwanderer, die sich dort befinden, können jederzeit rausgehen, um Bier zu trinken."
Dieses Zitat von Silvio Berlusconi zur Lage der eingepferchten Afrika-Flüchtlinge auf Lampedusa bestätigt zwei meiner Italien-Thesen:
  • Südlich des Brenners geht man mittlerweile eher auf ein Bier als auf einen Wein.
  • Der italienische Regierungsschef ist und bleibt ein riesengroßes zynisches Arschloch.
Ach Italien!