10. Dezember 2008

Dicke Schinken gehören in die Metzgerei

In der letzten Literatur-Sonderbeilage der ZEIT durften die Leser eine Bestenliste der Bücher im Jahr 2008 zusammenstellen. Auf Platz 2 "Der Turm" von Uwe Tellkamp mit 975 Seiten. Gefolgt auf Platz 3 von Jonathan Littels "Die Wohlgesinnten" mit 1.388 (!) Seiten. Insgesamt besteht rund die Hälfte der in den Top Ten aufgeführten Werke aus jeweils mehr als 500 Seiten. Uff. Vielleicht bin ich irgendwie zu faul, vielleicht hat die Zapping-Mentalität auch schon auf mein Leseverhalten übergegriffen, aber für Belletristik gilt meiner Ansicht nach oft das gleiche wie für Filme: Wer es nicht schafft, auf zwei- bis dreihundert Seiten beziehungsweise in 90 Minuten eine Geschichte zu erzählen, bringt es meist auch auf 700 Seiten oder in zweieinhalb Stunden nicht hin. Von ganz wenigen Ausnahmen einmal abgesehen.

Harald Martenstein veranschaulicht in der gleichen ZEIT-Beilage am Beispiel des Turms übrigens recht nett, dass monumentale Werke offensichtlich auch oft monumentale Satzungeheuer mit sich bringen:
"Da habe ich (...) doch glatt den Überblick im ersten Satz von Uwe Tellkamp verloren. Kinderchen, wo ist denn da überhaupt das Prädikat? Weggerannt? Prädikate sind wie wilde Pferde."
Ein nach rund der Hälfte übrigens sehr schöner, interessanter, gut und spannend zu lesender Roman ist "Im Rausch der Stille" von Albert Sánchez Pinol. Joseph Conrad meets Edgard Allen Poe meets H.P. Lovecraft meets Nigel Barley. 250 Seiten, kurze Sätze, viel zum Nachdenken, volle Empfehlung.

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