24. Dezember 2008

Na dann...

...mal frohe Weihnachten! Feiert schön, kurbelt auch zwischen den Jahren die Wirtschaft an und dezimiert die weltweite Gänsepopulation. Dass es wenigstens Olli an Weihnachten gut geht, zeigt das Bild meiner Schwester. Auf dem Baderschen Anwesen im schönen Allgäu darf der freche Esel auch schon mal Weihnachtsmann spielen. Hoho! Nur das mit dem Kamin gestaltet sich jedes Jahr aufs Neue eher schwierig.

16. Dezember 2008

Die alten Reflexe

Zu den Reaktionen auf die Nazi-Stecher von Passau nur ein paar kurze Gedanken: Die meisten Medien und Politiker sprechen von einer "neuen Dimension" der rechten Gewalt, gegen die dringend etwas unternommen werden müsse. Die "alte" Dimension, also das Verprügeln von Ausländern und Minderheiten, scheint mittlerweile als unvermeidbares Übel akzeptiert zu sein.

Der bayerische Innenminister Herrmann spricht außerdem davon, Attacken auf Polizisten generell stärker bestrafen zu wollen. Das ist praktisch, da die Herrschaften in Uniform dann natürlich auf jedewede Bedrohung, sei es durch Linke, Rechte oder besoffene Faschingsprinzen, noch unverzüglicher mit 'Knüppel aus dem Sack' reagieren können. Außerdem spricht sich der CSU-Politiker für ein Verbot der NPD aus und kritisiert, dass das Bundesverfassungsgericht beim Ablehnen des ersten Verbotsantrags wohl "etwas nicht ganz verstanden hätte". Also lieber wieder keine Ursachenforschung (Gell, Herr Koch), sondern noch mehr Macht für die Exekutive und verschärfte Schelte der ach so laxen Rechtssprechung, das wird es schon richten. Wenn doch alles so einfach wäre...

14. Dezember 2008

Legales Doping






















Der Sponsor der Kolumne und das dazugehörige Werbebildchen geben dem Titel dieses Artikels in der 50. Ausgabe der Eishockey NEWS eine ganz unerwartete Tiefe...

10. Dezember 2008

Dicke Schinken gehören in die Metzgerei

In der letzten Literatur-Sonderbeilage der ZEIT durften die Leser eine Bestenliste der Bücher im Jahr 2008 zusammenstellen. Auf Platz 2 "Der Turm" von Uwe Tellkamp mit 975 Seiten. Gefolgt auf Platz 3 von Jonathan Littels "Die Wohlgesinnten" mit 1.388 (!) Seiten. Insgesamt besteht rund die Hälfte der in den Top Ten aufgeführten Werke aus jeweils mehr als 500 Seiten. Uff. Vielleicht bin ich irgendwie zu faul, vielleicht hat die Zapping-Mentalität auch schon auf mein Leseverhalten übergegriffen, aber für Belletristik gilt meiner Ansicht nach oft das gleiche wie für Filme: Wer es nicht schafft, auf zwei- bis dreihundert Seiten beziehungsweise in 90 Minuten eine Geschichte zu erzählen, bringt es meist auch auf 700 Seiten oder in zweieinhalb Stunden nicht hin. Von ganz wenigen Ausnahmen einmal abgesehen.

Harald Martenstein veranschaulicht in der gleichen ZEIT-Beilage am Beispiel des Turms übrigens recht nett, dass monumentale Werke offensichtlich auch oft monumentale Satzungeheuer mit sich bringen:
"Da habe ich (...) doch glatt den Überblick im ersten Satz von Uwe Tellkamp verloren. Kinderchen, wo ist denn da überhaupt das Prädikat? Weggerannt? Prädikate sind wie wilde Pferde."
Ein nach rund der Hälfte übrigens sehr schöner, interessanter, gut und spannend zu lesender Roman ist "Im Rausch der Stille" von Albert Sánchez Pinol. Joseph Conrad meets Edgard Allen Poe meets H.P. Lovecraft meets Nigel Barley. 250 Seiten, kurze Sätze, viel zum Nachdenken, volle Empfehlung.

8. Dezember 2008

Auf den zweiten Blick
























Also ich musste mehrmals hinschauen, ehe ich diese "Werbung" durchblickt habe. Gesehen auf dem Pissoir der Burg Pilgersheim in Untergiesing.

5. Dezember 2008

Auch Avatare atmen

Und das nicht zu knapp: War zwar schon letztes Jahr im SPIEGEL, habe ich aber in einem Vortrag zum Thema Green-IT unlängst zum ersten Mal gehört: Rechnet man die nötigen Hardware-Anschaffungen, den Aufwand zu deren Produktion und vor allem die ewig surrenden Server zusammen, verbraucht ein Avatar in Second Life 195 kWh Strom pro Jahr und verursacht einen CO2-Außtsoßt von 120kg. Ein Mensch kommt auf rund 600kg, unsere virtuellen Ebenbilder sind uns also ordentlich auf den Fersen. In der schönen neuen IT-Welt gibt es halt doch nicht alles für lau, eine Google-Suchanfrage verbraucht immerhin 8 Wattstunden. Die Stromrechnung der Suchmaschinen-Firma beträgt übrigens rund eine Milliarde Dollar pro Jahr.

3. Dezember 2008

Starke Frau in Afrika




Eigentlich wollte ich mich heute zur Hektik der Hamburger und der im Vergleich zum beschaulichen München penetranten Anrempelei äußern, aber so spannend ist das auch wieder nicht und ich habe es glaube ich schonmal irgendwo geschrieben.

Statt dessen ein Buchtipp: West with the Night von Beryl Markham. Die Dame war eine der ersten Fliegerinnen und beförderte in Ostafrika ab den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts von Medikamenten bis Großwildjägern alles mögliche durch die Luft. Eine freiheitsliebende Abenteurerin, die von Baron Blixen bis Denys Finch-Hatton den Großteil der Jenseits von Afrika-Protagonisten persönlich kannte. Die Dame schreibt schlau und bildhaft:
"So there are many Africas. There are as many Africas as there are books about Africa - (...) Africa is mystic; it is wild; it is a sweltering inferno; it is a photographer's paradise, a hunters Valhalla, an escapist's Utopia. It is what you will, and it withstands all interpretations. It is the last vestige of a dead world or the cradle of a shiny new one. (...) It is not only a land; it is an entity born of one man's hope and another man's fancy."
Sie gibt wunderschön nächtliche Szenen am Lagerfeuer wieder und beschreibt die Lebendigkeit der Savanne im Vergleich zur eintönigen Monotonie der Wüste. Und sie wusste auch, wann es Zeit zu gehen war, denn schon in den Dreißigern wurden die weißen Flecken auf der Landkarte kleiner und kleiner:
"All was commonplace now. Adventure for Nairobi came in celluloid rolls straight from Hollywood, and adventure for other parts of the world went out from Nairobi in celluloid rolls straight from the cameras of professional jungle-trotters. It was a good time to leave."
Sprach die Dame und legte die erste Atlantiküberquerung einer Frau von Ost nach West hin.