22. April 2008

Starke Sätze

(...) als seine Tochter als verheiratete Frau aus der Kirche trat und er in ihren Augen mehr Hoffnung las, als es seines Wissens überhaupt gab (...)
Julian Barnes: Der Zitronentisch

Ich dachte an den gestrigen Abend auf dem Nockherberg, an diese immer gleichen Momente, jedes Jahr von neuem, an die Sommertage, die diese Stadt veredelten. Wenigstens in meiner Vorstellung. An die Langsamkeit, an das Dasitzen und Zeit-verstreichen lassen, an die Ordnung der Dinge, die aus nichts als einem Stuhl und einem Tisch bestand, an die vertrauten Geräusche, Schritte auf Kies, Stimmengebrumm, das Klirren der schweren Glaskrüge, Rufe, wenn einer zu spät kam und in der Menge Ausschau hielt.
Friedrich Ani: Süden und das Gelöbnis des gefallenen Engels

Aus dem Fotoingenieur hätte ein Medizinier werden sollen - das Studium in Siena hat ar abgebrochen, aus Heimweh. Sieben Tage ohne Elba ist das Maximum für Massimo; die Insel verlässt er nur des Nachts, gesteht er, weil er den Abschied im Sonnenschein nicht überleben würde.
Peter Roos: Mein Elba. In der ZEIT Nr. 17 / 2008

17. April 2008

Prädikat "Besonderes wertvolles Prädikat"

Gerade beim Genre der Reiseliteratur gefällt es mir gut, wenn sich ein Text eher durch stilistische Einfachheit als durch wagemutige Vergleiche und ausgefallene Wortwahl hervorhebt. Komplizierte Satzverschachtelungen und blumige Metapher lenken mich nur vom (hoffentlich guten) Inhalt ab. Knappe, klare Sätze, die sich aber trotzdem die nötige Zeit zur Beschreibung lassen. So wie es Bruce Chatwin getan hat und dessen Kollege Paul Theroux noch heute tut. Bei deutschen Autoren fällt mir hier Bartholomäus Grill ein.

Schnell stellt sich bei mir aber eine große Genervtheit ein, wenn mich in einem Artikel nacheinander die folgenden, vor Kreativität sprudelnden Ausdrücke anspringen:
  • "Auf dem Teller kommen zart gedünstete Barrakuda-Steaks zu liegen, benetzt von (...), umkränzt von (...)"
  • "Ein Pärchen Sáo-Tomé-Eulen kobolzt durch die Krone eines Jackfruit-Baumes (...)"
  • "Das Gesprüh der zerstäubenden Tropfen tuscht einen kleinen Regenbogen auf die Wand aus Vulkangestein."
Nachzulesen in einem inhaltlich durchaus gelungenen und symphatisch erzählten Artikel von Claus-Peter Liekfeld in der letztwöchigen ZEIT über Sao Tomé. Interessantes Thema, für mich aber unglaublich strapaziös zu lesen. So. Damit ich auch mal über die ZEIT und ihre Autoren gemeckert habe...

12. April 2008

Reisen, Kultur & Kulturlosigkeit

Dieses schöne Motto eines Reisenden fand ich an der Fassade des Brauereigasthofes Eichhofen (Achtung, auf der Website herrscht Farbalarm!) nahe Regensburg. Dass den Eigentümern des Anwesens die Wahl griffiger Sinnsprüche auch heute noch flott von der Hand geht, zeigt der Titel des Kleinkunst-Veranstaltungsprogramms für die nächsten Monate: "Frühlingserwachen im Labertal". Wenn da mal nicht zu viel geschnattert wird!

A propos Kleinkunst: Sehr gut gefallen hat mir das neue Soloprogramm des Kabarettisten Helmut Schleich, der sich fulminant-bayerisch und doch auch nachdenklich auf die Suche nach dem "allerletzen Held" begibt. Derzeit noch in der Lach- und Schieß, danach in diversen Etablissements in und um München.

Und da dieser Blogeintrag auch unter dem Thema Humor steht, komme ich nicht umhin zu bemerken, dass ich es wahnsinnig witzig finde, dass Kapitän Silvio Berlusconi am Sonntag wahrscheinlich zum dritten Mal die Möglichkeit erhält, italienischer Ministerpräsident zu werden.

6. April 2008

Werbepause

Heute mal was aus der Rubrik "Leichte Unterhaltung" aus dem Film Neues vom Wixxer. Trotzdem (oder gerade deswegen) sehr witzig. Wem der Anfang zu unintellektuell ist, der sollte unbedingt auf Roger Willemsen warten. Sand!