7. März 2008

Wer will die fleißigen Handwerker sehn...

"Welche Kraft, welches Selbstbewusstsein schien dem Schuster gerade aus der Ausübung seiner manuellen Arbeit zu erwachsen! Er hatte sich den Zwirn um die Hände gewickelt, die so hart waren, wie das Leder, aus dem er gerade die Form einer Sohle herausgeschnitten hatte, und zog ihn mit gemessener Kraftanstrengung an sich. Im Munde hatte er eine Handvoll Nägel, die Zunge und Lippen je nach Bedarf pünktlich wieder ans Licht förderten. Der Hammer schlug mit der Präzision eines Automaten auf die stumpfe Oberfläche des Schuhs, den er dabei fest wie in einem Schraubstock zwischen den Knieen hielt. Wie geschickt und wie sicher er war! Und wenn er auch während des Gesprächs fortfuhr, seine Hände zu gebrauchen - große, geschwärzte Hände, die dort, unter der niedrig herabhängenden Lampe jeden Tag vom Morgen bis zum Abend tapfer ihre bescheidene Schlacht schlugen -, so störten ihn die zu seiner Arbeit gehörenden Bewegungen dabei keineswegs. Ebensowenig lenkten sie ihn ab. Im Gegenteil. Wenn er mit einem einzigen Hammerschlag einen Nagel in das dicke Leder trieb, schien ihm das zuweilen besser geeignet, seinen Standpunkt zu bekräftigen, als jedes weitere Argument."
Giorgio Bassani: Ferrareser Geschichten. Wenn man sich erst einmal in die teils etwas verschachtelten Sätze des italienischen Autors eingelesen hat, entstehen vor dem inneren Auge detailgetreue, fotografisch anmutende Bilder. Für alle, die unaufgeregte, aufmerksame Erzählungen mögen.

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