23. Februar 2008

Hasta siempre comandante

Ich weiß noch, wie ich im Leihwagen durch Kuba fuhr, im Autoradio eine leiernde Kassette mit dem Revolutionsklassiker von Carlos Puebla. Draußen die Viehweiden der Zentralprovinz Holguin, einzelne Königspalmen, staubige, heiße Straßen, über die gemächlich Ochsenkarren schaukelten. Was mögen sich die Kubaner, die wir mitnahmen, wohl gedacht haben? Was wären meine Gedanken, wenn ich daheim von kubanischen Touristen mitgenommen würde, die begeistert dem Bayernlied oder dem Defiliermarsch lauschen?

Kaum ein Land polarisiert so stark wie die sozialistische Antilleninsel. Egal ob links oder rechts, Reisender oder Daheimgebliebener, jeder hat eine feste Meinung zu Kuba, nirgendwo regieren schwarz und weiß so deutlich über die Grautöne. In der aktuellen ZEIT Nr. 9 kann man dazu ein sehr interessantes und gut recherchiertes Dossier von Christian Schmidt-Häuer lesen. Was kommt nach dem endgültigen Rücktritt von Fidel? Wird uns die Presse irgendwann Bilder von Unruhen in Havanna zeigen, die Protestierenden blutig niedergeschossen von der Armee? Oder gibt es in nicht allzuferner Zukunft einen Handschlag zwischen Barack Obama und Raul Castro, der die Zeit des sanften Übergangs zu einem wie auch immer geordneten Mischsystem einleitet?

Ein Mädchen, das sich während eines warmen Wolkenbruchs unter der überlaufenden Dachrinne die Haare wäscht. Die tropische Schwüle, in der mir unbekannte Zikaden nacht wie helle Glöckchen klingen. Verfallende Kolonialbauten mit schwarzen Fensterlöchern, durch die man vielköpfige Familien beim Abendbrot beobachten kann. Der umnebelnde Geruch würziger Zigarren, feuchter Erde und stinkender Oldtimer. Nur einige der vielen, vielen Impressionen meiner beiden Kuba-Besuche. Die Uhr stand oft still, und noch ist unklar, wohin der Zug abfährt, wenn der Zeiger wieder zu ticken beginnt.

Kommentare:

Nic hat gesagt…

Ziemlich ähnlich schreibt P. Scholl-Latour auch, wenn er Erinnerungen vergangener Reisen schwelgt...

Hirbel hat gesagt…

...wenn er "in" Erinnerungen...

Lars hat gesagt…

Morgen mach ich mein Blog zu...

Tungsten hat gesagt…

Tja lieber Lars, das ist das Schicksal im Blog. Jeder Sch... kommt rein. Am besten Anonym, dann ist man noch nicht mal greifbar. Diese Anonymen Comments erinnern mich immer an die beknackten Sprüche im Klo. Viele Grüße Trotzdem!