5. Februar 2008

Das Kapital hat immer recht?!

Der deutsche Blätterwald hält zumindest für mich immer wieder Überraschungen bereit: Das Wirtschaftsmagazin Capital steht zwar nicht auf meiner Freiaboliste, wurde mir am Wochenende aber freundlicherweise von Air Bährlien (wegen Schleichwerbung unkenntlich gemacht) geschenkt. Auf Seite 3 zieht der Chefredakteur Klaus Schweinsberg zunächst über die bösen Banken, die raffgierige Wirtschaftselite und die feigen Politiker her, um dann mit dem folgendem Schlusssatz zu enden:
Jeder muss wissen: Langfristig gibt es nur eine Alternative zur Globalisierung - den Sozialismus. In Deutschland hat der Marsch dahin gerade begonnen.
Starke Worte! Warum wir stramm Richtung Sozialismus marschieren, wird allerdings nicht so ganz klar. Weil Roland Koch so heftig abgerutscht ist? Wegen der fiesen Debatte um Managergehälter? Egal. Lustig geht es dann auf Seite 31 weiter:
Der 21. Januar wird in die Börsengeschichte eingehen. Völlig überraschend brechen weltweit die Aktienmärkte ein. (...) Doch manch erfahrener Profi sah die Krise kommen und zog rechtzeitig die Reißleine.
Aha. Völlig überraschend aber doch irgendwie vorhersehbar? Erscheint nur mir das als Gegensatz? Eigentlich hätte man damit rechnen können, dass der DAX dieses Jahr stramm über 8000 bleibt? Aber wenn man sichs genau überlegt, war es schlau, jetzt irgendwann aussteigen? Des Rätsels Lösung: Der Artikel preist Fonds "für jede Börsenlage" an. Hauptsache irgendwas kaufen, irgendwie wirds schon gutgehen.

Mittlerweile schon sehr genervt vom Wirtschaftssprech ("An jeder Ecke lauern dicke Chancen, aber machen sie uns bloß nicht dafür verantwortlich, wenn's doch den Bach runtergeht") entdeckte ich dann auf Seite 14 noch einen wirklich guten, kritischen Kommentar von einem Herrn Konrad Adam zum wirtschaftsgerechten Umbau der deutschen Hochschulen:
Vermittelt wird alles Mögliche, nur keine Vorstellung vom Sinn und Zweck des Wissens; darüber zu entscheiden, behalten sich die Personalvorstände vor. Studenten sollen das Know-how erlernen, nicht etwa das Know-why. (...) Der Fachmann lässt sich leichter lenken als der Generalist, der Dinge wissen will, die ihn laut Arbeitsplan nichts angehen, und eigenwillig reagiert, wenn die Antwort anders ausfällt, als er sie sich gedacht hatte.
Wahre Worte. Und übrigens: Alaaf Helau!

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