27. Februar 2008

Networking für Profis

Über Lob freut man sich doch immer. Besonders, wenn er aus dem Mund von Laura Wurst kommt. In meinem Lokalisten-Postfach fand ich diese Mail vom Mitglied "stadtratskandidatin":
wollte dich fragen, ob du der nette Herr bist, der die Wahlempfehlung im Internet für mich ausgesprochen hast. Wenn ja, dann vielen vielen Dank. Ich freue mich, wenn mich so nette und junge Herrn , wie du mal gut finden. Echt super:-) Ich wünsche Dir einen Schönen Abend
Servus Laura
Na klar bin ich der nette Herr mit der Wahlempfehlung! Schade, dass es bis zur Stadtratswahl nur noch wenige Tage sind, sonst könnten wir zusammen im Internet noch etwas ganz Großes bewegen! Also, durchhalten, Laura!

23. Februar 2008

Hasta siempre comandante

Ich weiß noch, wie ich im Leihwagen durch Kuba fuhr, im Autoradio eine leiernde Kassette mit dem Revolutionsklassiker von Carlos Puebla. Draußen die Viehweiden der Zentralprovinz Holguin, einzelne Königspalmen, staubige, heiße Straßen, über die gemächlich Ochsenkarren schaukelten. Was mögen sich die Kubaner, die wir mitnahmen, wohl gedacht haben? Was wären meine Gedanken, wenn ich daheim von kubanischen Touristen mitgenommen würde, die begeistert dem Bayernlied oder dem Defiliermarsch lauschen?

Kaum ein Land polarisiert so stark wie die sozialistische Antilleninsel. Egal ob links oder rechts, Reisender oder Daheimgebliebener, jeder hat eine feste Meinung zu Kuba, nirgendwo regieren schwarz und weiß so deutlich über die Grautöne. In der aktuellen ZEIT Nr. 9 kann man dazu ein sehr interessantes und gut recherchiertes Dossier von Christian Schmidt-Häuer lesen. Was kommt nach dem endgültigen Rücktritt von Fidel? Wird uns die Presse irgendwann Bilder von Unruhen in Havanna zeigen, die Protestierenden blutig niedergeschossen von der Armee? Oder gibt es in nicht allzuferner Zukunft einen Handschlag zwischen Barack Obama und Raul Castro, der die Zeit des sanften Übergangs zu einem wie auch immer geordneten Mischsystem einleitet?

Ein Mädchen, das sich während eines warmen Wolkenbruchs unter der überlaufenden Dachrinne die Haare wäscht. Die tropische Schwüle, in der mir unbekannte Zikaden nacht wie helle Glöckchen klingen. Verfallende Kolonialbauten mit schwarzen Fensterlöchern, durch die man vielköpfige Familien beim Abendbrot beobachten kann. Der umnebelnde Geruch würziger Zigarren, feuchter Erde und stinkender Oldtimer. Nur einige der vielen, vielen Impressionen meiner beiden Kuba-Besuche. Die Uhr stand oft still, und noch ist unklar, wohin der Zug abfährt, wenn der Zeiger wieder zu ticken beginnt.

14. Februar 2008

Nachschlag gefällig?

Ich weiß, altes Thema, aber ich bin scheinbar nicht der Einzige, der von Frau Wurst und ihren Amigos schwer beeindruckt ist. Ein Vergleich mit diversen Entwicklungsländern (passender wäre an dieser Stelle wohl: Bananenrepubliken) drängt sich auf, wo jedem Kandidaten aufgrund der hohen Analphabetenquote ein griffiges Symbol zugewiesen wird.

Da freue ich mich echt schon auf die Wahlunterlagen, auf die gesamte Namensliste der CSU darf man ja gespannt sein...

12. Februar 2008

Frau Wurst in den Münchner Stadtrat!

Dass ich in meinem letzten Beitrag so über die Münchner CSU und Seppi Schmid hergezogen bin, tut mir leid. Nur Looser hacken auf den Kleinen rum. Ich möchte also etwas wieder gut machen und spreche an dieser Stelle eine Wahlempfehlung für die CSU-Stadtratskandidatin Laura Wurst aus. Gute Gründe, Frau Wurst zu wählen, gibt es allemal:
  • Sie ist jung (27).
  • Sie ist hübsch (blond).
  • Sie ist schlau (macht was mit Medien).
  • Sie kennt das wirkliche Leben (ist auch Messehostess).
  • Sie mag Tiere (hat einen Zwergschnauzer).
Außerdem ist sie auf ihren PR-Fotos einwandfrei zu erkennen. Deshalb: Drei Stimmen für Laura Wurst (und von mir aus auch für Seppi Schmid)!

8. Februar 2008

CSU goes undercover

Die CSU hat es in München ja schwer. Bis auf ein sechsjähriges Intermezzo wird die Landeshauptstadt seit 1948 von der SPD regiert. Und das in Bayern. Der letzte bekannte CSU-Kandidat war 1993 Dr. Peter Gauweiler, der es immerhin fast geschafft hat, den noch heute amtierenden Burger-King Christian Ude beinahe in die Stichwahl zu zwingen. Seither hat der Posten des CSU-Bürgermeisterkandidaten nicht gerade an Beliebtheit gewonnen. Zu den nun am 2. März anstehenden Wahlen hat sich für die Christsozialen diesmal Josef Schmid erbarmt. Jung, dynamisch, Rächer aller Enterbten und niedergeprügelten Rentner.

Leider ist Schmid selbst in München nicht allzu bekannt. Was sich auch nicht ändern wird, wenn die PR-Combo des Politikers auf seiner Promo-Homepage weiterhin solche Bilder einstellt. Unter der Überschrift "Tanz der Marktfrauen - Josef Schmid tanzt mit" kann man hier erkennen, hm, ja was eigentlich, also wie hinter einer Sichtblende im grellen Scheinwerfergegenlicht ein Mann mit Hut und Brille, von dem nur der Rücken zu sehen ist, eine Frau mit Perücke, von der man das Gesicht nicht erkennen kann, umarmt. Könnte vom Brillentyp her auch Henry Kissinger sein, der mit Gina Wild (hoch mit den Blog-Pageviews!) das Tanzbein schwingt. Wo man sich hinstellt, wenn man gescheite Fotos machen will, zeigen die im Bildhintergrund aufgenommenen Fotografen. Sachen gibts.

5. Februar 2008

Das Kapital hat immer recht?!

Der deutsche Blätterwald hält zumindest für mich immer wieder Überraschungen bereit: Das Wirtschaftsmagazin Capital steht zwar nicht auf meiner Freiaboliste, wurde mir am Wochenende aber freundlicherweise von Air Bährlien (wegen Schleichwerbung unkenntlich gemacht) geschenkt. Auf Seite 3 zieht der Chefredakteur Klaus Schweinsberg zunächst über die bösen Banken, die raffgierige Wirtschaftselite und die feigen Politiker her, um dann mit dem folgendem Schlusssatz zu enden:
Jeder muss wissen: Langfristig gibt es nur eine Alternative zur Globalisierung - den Sozialismus. In Deutschland hat der Marsch dahin gerade begonnen.
Starke Worte! Warum wir stramm Richtung Sozialismus marschieren, wird allerdings nicht so ganz klar. Weil Roland Koch so heftig abgerutscht ist? Wegen der fiesen Debatte um Managergehälter? Egal. Lustig geht es dann auf Seite 31 weiter:
Der 21. Januar wird in die Börsengeschichte eingehen. Völlig überraschend brechen weltweit die Aktienmärkte ein. (...) Doch manch erfahrener Profi sah die Krise kommen und zog rechtzeitig die Reißleine.
Aha. Völlig überraschend aber doch irgendwie vorhersehbar? Erscheint nur mir das als Gegensatz? Eigentlich hätte man damit rechnen können, dass der DAX dieses Jahr stramm über 8000 bleibt? Aber wenn man sichs genau überlegt, war es schlau, jetzt irgendwann aussteigen? Des Rätsels Lösung: Der Artikel preist Fonds "für jede Börsenlage" an. Hauptsache irgendwas kaufen, irgendwie wirds schon gutgehen.

Mittlerweile schon sehr genervt vom Wirtschaftssprech ("An jeder Ecke lauern dicke Chancen, aber machen sie uns bloß nicht dafür verantwortlich, wenn's doch den Bach runtergeht") entdeckte ich dann auf Seite 14 noch einen wirklich guten, kritischen Kommentar von einem Herrn Konrad Adam zum wirtschaftsgerechten Umbau der deutschen Hochschulen:
Vermittelt wird alles Mögliche, nur keine Vorstellung vom Sinn und Zweck des Wissens; darüber zu entscheiden, behalten sich die Personalvorstände vor. Studenten sollen das Know-how erlernen, nicht etwa das Know-why. (...) Der Fachmann lässt sich leichter lenken als der Generalist, der Dinge wissen will, die ihn laut Arbeitsplan nichts angehen, und eigenwillig reagiert, wenn die Antwort anders ausfällt, als er sie sich gedacht hatte.
Wahre Worte. Und übrigens: Alaaf Helau!