3. Januar 2008

Das Abonnement in Zeiten der Arbeitslosigkeit

Welchen Stellenwert Arbeit hat und welch Schreckgespenst Arbeitslosigkeit ist, lässt sich gut an meiner bevorzugten Methode ableiten, um telefonische Abonnementverkäufer abzuwimmeln (ja, ich nehme gern die Möglichkeit von Probeabos wahr): Wann immer mir einer der meist sehr höflichen Telefondrücker (kumpelhaft locker der Mann von der taz, vornehm zurückhaltend der Beauftragte der WELT) ein supergünstiges Angebot zum weiteren Bezug der Zeitung anbietet, sage ich: "Tut mir leid, ich bin zur Zeit auf Arbeitssuche (was nicht gelogen ist) und kann mir keine Zeitung leisten (was zumindest Definitionssache ist)."

Eine Sekunde betroffenes Schweigen am anderen Ende der Telefonleitung. Ein Prekariatselend zwischen ALG II und verwahrlosten Kindern tut sich vor dem Auge des Callcenter-Mitarbeiters auf. Die Antworten schwanken zwischen einem mitfühlenden "Oh das tut mir leid", einem korrekten "Dafür habe ich vollstes Verständnis" und im mitleidslosesten Fall einem "Naja, vielleicht dann irgendwann später". Auf jeden Fall ist das Verkaufsgespräch sofort beendet. Könnte natürlich passieren, dass ich irgendwann einmal in einer Kartei für Langzeitsarbeitslose lande und mir nie mehr ein Probeabonnement geliefert wird.

Kommentare:

Groove hat gesagt…

Sauerei, daß Du Dich der gerechten Strafe der Abo-Schnorrerei, nämlich der penetranten Bearbeitung durch Fon-Verkäufer, auf so perfide Weise entziehst.

Und ach ja: Frohes Neues!

Lars hat gesagt…

Gratie, Dir auch. Irgendwann werd ich wohl doch mal schwach, bei der taz wahrscheinlich oder beim Neuen Deutschland...