24. Dezember 2008

Na dann...

...mal frohe Weihnachten! Feiert schön, kurbelt auch zwischen den Jahren die Wirtschaft an und dezimiert die weltweite Gänsepopulation. Dass es wenigstens Olli an Weihnachten gut geht, zeigt das Bild meiner Schwester. Auf dem Baderschen Anwesen im schönen Allgäu darf der freche Esel auch schon mal Weihnachtsmann spielen. Hoho! Nur das mit dem Kamin gestaltet sich jedes Jahr aufs Neue eher schwierig.

16. Dezember 2008

Die alten Reflexe

Zu den Reaktionen auf die Nazi-Stecher von Passau nur ein paar kurze Gedanken: Die meisten Medien und Politiker sprechen von einer "neuen Dimension" der rechten Gewalt, gegen die dringend etwas unternommen werden müsse. Die "alte" Dimension, also das Verprügeln von Ausländern und Minderheiten, scheint mittlerweile als unvermeidbares Übel akzeptiert zu sein.

Der bayerische Innenminister Herrmann spricht außerdem davon, Attacken auf Polizisten generell stärker bestrafen zu wollen. Das ist praktisch, da die Herrschaften in Uniform dann natürlich auf jedewede Bedrohung, sei es durch Linke, Rechte oder besoffene Faschingsprinzen, noch unverzüglicher mit 'Knüppel aus dem Sack' reagieren können. Außerdem spricht sich der CSU-Politiker für ein Verbot der NPD aus und kritisiert, dass das Bundesverfassungsgericht beim Ablehnen des ersten Verbotsantrags wohl "etwas nicht ganz verstanden hätte". Also lieber wieder keine Ursachenforschung (Gell, Herr Koch), sondern noch mehr Macht für die Exekutive und verschärfte Schelte der ach so laxen Rechtssprechung, das wird es schon richten. Wenn doch alles so einfach wäre...

14. Dezember 2008

Legales Doping






















Der Sponsor der Kolumne und das dazugehörige Werbebildchen geben dem Titel dieses Artikels in der 50. Ausgabe der Eishockey NEWS eine ganz unerwartete Tiefe...

10. Dezember 2008

Dicke Schinken gehören in die Metzgerei

In der letzten Literatur-Sonderbeilage der ZEIT durften die Leser eine Bestenliste der Bücher im Jahr 2008 zusammenstellen. Auf Platz 2 "Der Turm" von Uwe Tellkamp mit 975 Seiten. Gefolgt auf Platz 3 von Jonathan Littels "Die Wohlgesinnten" mit 1.388 (!) Seiten. Insgesamt besteht rund die Hälfte der in den Top Ten aufgeführten Werke aus jeweils mehr als 500 Seiten. Uff. Vielleicht bin ich irgendwie zu faul, vielleicht hat die Zapping-Mentalität auch schon auf mein Leseverhalten übergegriffen, aber für Belletristik gilt meiner Ansicht nach oft das gleiche wie für Filme: Wer es nicht schafft, auf zwei- bis dreihundert Seiten beziehungsweise in 90 Minuten eine Geschichte zu erzählen, bringt es meist auch auf 700 Seiten oder in zweieinhalb Stunden nicht hin. Von ganz wenigen Ausnahmen einmal abgesehen.

Harald Martenstein veranschaulicht in der gleichen ZEIT-Beilage am Beispiel des Turms übrigens recht nett, dass monumentale Werke offensichtlich auch oft monumentale Satzungeheuer mit sich bringen:
"Da habe ich (...) doch glatt den Überblick im ersten Satz von Uwe Tellkamp verloren. Kinderchen, wo ist denn da überhaupt das Prädikat? Weggerannt? Prädikate sind wie wilde Pferde."
Ein nach rund der Hälfte übrigens sehr schöner, interessanter, gut und spannend zu lesender Roman ist "Im Rausch der Stille" von Albert Sánchez Pinol. Joseph Conrad meets Edgard Allen Poe meets H.P. Lovecraft meets Nigel Barley. 250 Seiten, kurze Sätze, viel zum Nachdenken, volle Empfehlung.

8. Dezember 2008

Auf den zweiten Blick
























Also ich musste mehrmals hinschauen, ehe ich diese "Werbung" durchblickt habe. Gesehen auf dem Pissoir der Burg Pilgersheim in Untergiesing.

5. Dezember 2008

Auch Avatare atmen

Und das nicht zu knapp: War zwar schon letztes Jahr im SPIEGEL, habe ich aber in einem Vortrag zum Thema Green-IT unlängst zum ersten Mal gehört: Rechnet man die nötigen Hardware-Anschaffungen, den Aufwand zu deren Produktion und vor allem die ewig surrenden Server zusammen, verbraucht ein Avatar in Second Life 195 kWh Strom pro Jahr und verursacht einen CO2-Außtsoßt von 120kg. Ein Mensch kommt auf rund 600kg, unsere virtuellen Ebenbilder sind uns also ordentlich auf den Fersen. In der schönen neuen IT-Welt gibt es halt doch nicht alles für lau, eine Google-Suchanfrage verbraucht immerhin 8 Wattstunden. Die Stromrechnung der Suchmaschinen-Firma beträgt übrigens rund eine Milliarde Dollar pro Jahr.

3. Dezember 2008

Starke Frau in Afrika




Eigentlich wollte ich mich heute zur Hektik der Hamburger und der im Vergleich zum beschaulichen München penetranten Anrempelei äußern, aber so spannend ist das auch wieder nicht und ich habe es glaube ich schonmal irgendwo geschrieben.

Statt dessen ein Buchtipp: West with the Night von Beryl Markham. Die Dame war eine der ersten Fliegerinnen und beförderte in Ostafrika ab den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts von Medikamenten bis Großwildjägern alles mögliche durch die Luft. Eine freiheitsliebende Abenteurerin, die von Baron Blixen bis Denys Finch-Hatton den Großteil der Jenseits von Afrika-Protagonisten persönlich kannte. Die Dame schreibt schlau und bildhaft:
"So there are many Africas. There are as many Africas as there are books about Africa - (...) Africa is mystic; it is wild; it is a sweltering inferno; it is a photographer's paradise, a hunters Valhalla, an escapist's Utopia. It is what you will, and it withstands all interpretations. It is the last vestige of a dead world or the cradle of a shiny new one. (...) It is not only a land; it is an entity born of one man's hope and another man's fancy."
Sie gibt wunderschön nächtliche Szenen am Lagerfeuer wieder und beschreibt die Lebendigkeit der Savanne im Vergleich zur eintönigen Monotonie der Wüste. Und sie wusste auch, wann es Zeit zu gehen war, denn schon in den Dreißigern wurden die weißen Flecken auf der Landkarte kleiner und kleiner:
"All was commonplace now. Adventure for Nairobi came in celluloid rolls straight from Hollywood, and adventure for other parts of the world went out from Nairobi in celluloid rolls straight from the cameras of professional jungle-trotters. It was a good time to leave."
Sprach die Dame und legte die erste Atlantiküberquerung einer Frau von Ost nach West hin.

28. November 2008

Kaufberatung

Gestern im PLUS. Unrasierter Lulatsch, Klischee Langzeitstudent, steht vor der Tiefkühltruhe und findet die Preise für die Pizzen nicht. Fragt die Verkäuferin. Verkäuferin schiebt die Preiszettel hin und her, findet aber auch nichts. Student will wissen, welche denn die günstigste Pizza sei. Verkäuferin, gebrochen deutsch redend, weiß es nicht genau. Empfielt eine Pizza, die ihr gut schmeckt, meint aber, die sei nicht die Billigste. Student steht weiter unentschlossen vor der Truhe und schiebt den Deckel auf und zu. Die anschließende Frage der Verkäuferin habe ich bisher nur beim Kauf eines Anzugs oder eines neuen Notebooks erlebt: "Wieviel wollen Sie denn ausgeben?" Student: "Hm, ja, hm, weiß nicht, keine Ahnung, hm, kommt drauf an...". Verkäuferin schmeißt ihr Bodenputzgerät wieder an. Student steht noch eine Weile vor dem Kühlregal und geht schließlich. Die Verkäuferin ruft ihm noch hinterher, dass er ja an der Kasse nach dem Preis fragen kann.

24. November 2008

Echte Werbung für echte Männer

Alt aussehen lassen die beiden folgenden Anzeigemotive aus der aktuellen WIRED all das, was für gewöhnlich im deutschen IT-Blätterwald als gute oder lustige Werbung verkauft wird. Das erste Beispiel kommt als ein Mini-Bastelset daher, bei dem man den seiner Meinung nach passenden Kühlergrill auf den dicken Jeep kleben muss. Unter dem Sticker kann man dann sehen, ob man mit der Automarke richtig lag.



Kernig dann die Anzeige für den Männerwhisky, der die alten Zeiten heraufbeschwört, in denen Männer noch keine rosafarbenen Cocktails sondern echten Schnaps getrunken haben. Die recht haarigen Bilder verdeutlichen allerdings, dass diese glorreiche Epoche wohl so bald nicht wieder kommt.

23. November 2008

Sonntagsbeschimpfung

Dass ich Silvio Berlusconi für ein Riesenarschloch halte, mag nichts Neues sein. Zum zweiten Mal seit der Wahl Barack Obamas machte Italiens Vorzeigepolitiker nun lustige Bemerkungen über dessen Hautfarbe. Bei gelifteten Mitt-Siebzigern, die ihre Sozialisierung noch vor dem Zweiten Weltkrieg erfahren haben, vielleicht wenig verwunderlich. Ich bin allerdings heilfroh, dass wir in naher Zukunft von derartigen Typen schon aus rein demographischen Gründen mehr und mehr verschont bleiben dürften.

11. November 2008

Kleinkinder gegen Atomkraft

Bin ich eigentlich der Einzige, der ein komisches Gefühl hat, wenn Zwerge, die noch kaum reden, aber immerhin schon ein Schild hochhalten können, von ihren politisch aktiven Eltern auf Demos geschleift werden? Ist es gut, den Nachwuchs, wenn er von Politik noch keine Ahnung hat, mit der Erzieher-Meinung auf die Straße zu setzen? Klar, irgendwie prägt man seine Kinder wohl immer, aber zwischen Sonntagsreden im Wohnzimmer und Massendemos in der Fußgängerzone mit dem dazugehörigen Medienaufmarsch besteht meiner Meinung nach doch ein ziemlicher Unterschied. Dabei ist es mir recht egal, ob es vokstümelnde Nazi-Muttis oder linkskommune Vollkorn-Papis sind, die ihren Erben schon mit zwei Jahren einen Grundkurs in politischer Agitation verpassen. Irgendwie ist mir das suspekt und die Kinder tun mir leid. Hat was von Kadergehorsam und Sippenhaft.

31. Oktober 2008

Fettfreies Gemüse im Hotelrestaurant

Geschäftsreisen sind schon eine feine Sache. Besonders absurd ist die Szenerie, wenn man abends im Hotelrestaurant sitzt und fünf anderen Typen dabei zuschaut, wie sie ebenfalls alleine am Tisch das Abendessen vertilgen. Der eine liest ein Buch, der andere schaut aus dem Fenster und der nächste der Kellnerin auf den Hintern. Ich blätterte dabei neulich in einer lustigen Zeitschrift, die ich auf meinem Zimmer gefunde hatte: Men's Health. Darin beschreiben die Autoren, welche Speisen gut (fettarm) und welche Speisen böse (fettreich) sind. Und empfehlen, das gegrillte Gemüse beim Italiener vor dem Essen doch notfalls mit der Serviette von überschüssigem Öl zu befreien. Im gleichen Heft ging es dann noch um einen durchtrainierten Bauch und Slow Sex. Wenn das heutige Männerideal aus Dauerrammlern mit Sixpack besteht, die ihr Gemüse vor dem Essen mit der Serviette abtupfen, braucht man sich um die Diskussion ob Softie oder Macho wirklich keine Gedanken mehr zu machen.

23. Oktober 2008

Man könnte, wenn man wollte













Wenn man wollte, könnte man derzeit ja über vieles diskutieren. Zum Beispiel darüber, ob Amazons Kindle wieder nur der nächste erfolglose Versuch ist, mit einem lieblosen Plastikbrett dem doch so angenehmen und praktischen Buch den Rang abzulaufen. Oder ob die Möglichkeit, Romane und Zeitungen jederzeit über das Telefonnetz zu beziehen, nicht doch eine ganz attraktive Komponente hat. Ob man das Ding als linksliberaler, humanistischer Wertkonservativer toll oder doof finden soll.

Man könnte auch darüber reden, warum der diesjährige Nobelpreisträger Le Clézio zwar in Frankreich sehr erfolgreich ist, hierzulande aber von doch eher unterschiedlichen Personen wie Marcel Reich-Ranicki, Sigrid Löffler und Harald Martenstein als "nicht gelesen", "langweilig" und "Tropenkitsch" klassifiziert wird und ob das etwas mit einer spezifisch deutschen Wahrnehmung von (großer?) Literatur zu tun hat.

Letztendlich wäre auch eine Analyse interessant, warum mir meine Gene so wenig Begeisterung für Design mitgegeben haben und mich die neueste Ausgabe des ZEIT-Magazins, in der es seitenweise um das Design von Stühlen geht, unglaublich langweilt. Wo doch die Frage viel interessanter wäre, warum wir ein bestimmtes Erscheinungsbild zu bestimmten Zeiten schick, zu anderen Zeiten aber altmodisch finden, und warum in diesem Zusammenhang sowohl die Brille mit dickem Rand als auch der String-Tanga anscheinend ihren modischen Zenit überschritten haben. Und ob es zwischen diesen beiden Objekten einen Zusammenhang gibt.

Ja, man könnte, wenn man wollte, aber Wörter quillen aus allen Ritzen, Blogs und Foren, und irgendwie hat man zum Schreiben gar keine Lust mehr. Oder gilt doch das alte Zitat von Karl Valentin?

"Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen."

20. Oktober 2008

Come away with me in the night

Von Norah Jones und ihrer künstlerischen Entwicklung mag man ja halten, was man will. Eins zumindest ist ihre Musik für mich: Typisch amerikanisch. Ihre Songs passen zu dunklen Pioanobars in New York, wohnzimmerähnlichen Coffeeshops in Seattle und zu in der Einöde von Kansas vor sich hin gammelnden Motels, deren bessere Zeiten es nur in der Fantasie ihres Betreibers jemals gegeben hat.

Die Melodien und Texte passen zur Weite des Landes, wo die Menschen anscheinend stets in der Furcht sind, bei so viel Erde die Liebe nicht zu finden und sie deshalb umso fester umschlossen halten, wenn sie einmal da ist. Vielleicht überzeichnen die Amerikaner deshalb so stark die Romantik und steigern sie bis ins Kitschige, weil sie wissen, dass ihr Land so unermeßlich groß ist, dass es einem leicht passieren kann, ohne eigene Schuld an der Liebe vorbeizulaufen.

3. Oktober 2008

Zeitschau














Es ist wieder einmal Zeit für eine meiner regelmäßigen Lobreden auf die DIE ZEIT, noch dazu, wenn die meiner Meinung nach besten Artikel der letzten Ausgaben auch online zu finden sind:

"Wir Eingeborenen" von Bartolomäus Grill, Zeit Nr. 38/2008

Der ehemalige Afrika-Korrespondent der Zeit nimmt in seinem Artikel den Begriff "Volk" unter die Lupe, was natürlich automatisch zu einer Auseinandersetzung mit einigen Kernfragen der Ethnologie führt. Dabei geht er fundiert und symphatisch auf einen der Überväter des Fachs, Claude Lévi-Strauss, ein. Zu Recht im Wissens-Teil der Zeit, und trotzdem leicht im Stil. Es scheint einfach nichts zu geben, was Grill nicht kann.

"Petrows Entscheidung" von Henning Sietz, Zeit Nr. 39/2008
Hierbei ist es weniger der Artikel selbst, als vielmehr der Aufmacher, der mich sehr fasziniert hat. Besser kann man das Gesamtbild aus Foto, Titel und Zwischentitel gar nicht gestalten. Wer einen Blick darauf wirft, muss den Beitrag einfach lesen. Ging zumindest mir so. Im übrigen ist mir nach etlichen Jahren Zeit-Abo das erste mal aufgefallen, dass die Rubrik nicht "Zeitläufe", sondern "Zeitläufte" heißt.

"Steinreich, bettelarm" von Andrea Böhm, Zeit Nr. 40/2008
Wer den Posten des Afrika-Korrespondenten mit der Rückkehr von B. Grill schon in Gefahr sah, wird durch die packenden Reportagen von Andrea Böhm eines besseren belehrt. Diesmal wagt sie sich auf die Diamantenfelder des Kongo. In diesem afrikanischen Staat war ich zwar noch nicht, meine Besuche in Nachbarländern wie Uganda erwachen durch Sätze wie diese jedoch gleich wieder sehr farbenfroh vor meinem inneren Auge:
"Die erste Nacht erlaubt wenig Schlaf. Weil es in Mbuji Mayi nur selten Strom gibt, wirft, wer es sich leisten kann, in der Dämmerung den Generator an. Zu diesem Brummton scheppert bis in die Morgenstunden Musik aus den Lautsprechern umliegender Bars. Wobei man sich Bars hier als Bretterverschläge mit grellbunten Reklameschildern der einheimischen Biermarken Primus und Skol vorstellen muss."

28. September 2008

Zeitenwechsel

Ach wie geil. Dachte nicht, dass ich zu meinen Lebzeiten noch mitbekomme, wie die CSU in Bayern die absolute Mehrheit verplempert. Frage des Tages ist wohl, ob FDP oder Freie Wähler als erstes übers Stöckchen der CSU springen werden. So berauscht, wie Guide Westerwelle ob der eigenen Wichtigkeit als viertstärkste Partei zu sein scheint, würde ich mal stark auf die "Liberalen" tippen. Außerdem spannend, welche christlich-sozialen Köpfe innerhalb der nächsten Tage noch rollen werden. Die SPD ist trotz gleichbleibend miesem Ergebnis ihre Rolle als Selbstzerfleischer Nummer eins zumindest in Bayern für die nächsten Wochen los.

25. September 2008

Sizilien die Zweite

Was mich auf Sizilien schon sehr beschäftigt hat war die Tatsache, dass das Bier in Italien mittlerweile günstiger ist als in Bayern. Gerade kurz vor der Landtagswahl hat diese Erfahrung für mich doch eine gewisse Brisanz. Eine 0,66 Liter-Flasche Heineken oder Moretti kostete in der Pizzeria in Sciacca drei Euro. Dafür bekommt man hier in München keine Halbe mehr, man beachte nur die diesjährigen Oktoberfestpreise von über acht Euro pro Liter. Auch der Wein ist im Land wo die Zitronen blühn gleichbleibend billig. Die Tempel sind schöner und das Klima kurz vor den Gestaden Afrikas einfach besser. Und blinken muss man als Autofahrer auch nur im äußersten Notfall, und nach Einbruch der Dunkelheit macht man sich mit aufgesetzter Sonnenbrille nicht lächerlich. Angeblich sind die Italiener das statistisch unglücklichste Volk Europas. Warum bloß?

12. September 2008

Bedrohungen überall

Bill Gates hätte wohl nicht nur Torten ins Gesicht bekommen, wenn bekannt geworden wäre, dass Microsoft sich das Recht vorbehält, im Systemhintergrund ständig Screenshots von den Tätigkeiten des Users zu machen oder per Fernzugriff beliebige Anwendungen zu löschen. Bei Apple ist das alles klein Problem. Sieht ja so schnuckelig aus, das kleine iPhone. Mir kommt jedenfalls so schnell kein Apfel ins Haus. Ich wiederhole mich, aber wie groß wäre der Aufschrei, wenn die Bad Guys von Microsoft so agieren würden? Bei all diesen Bedrohungen läuft wenigstens der neue Teilchenbeschleuniger in der Schweiz einwandfrei. Interessante Livecams dazu gibt es hier. Falls sich doch noch ein schwarzer Loch auftut, bleibe ich davon hier vielleicht länger verschont. Dahin verdrücke ich mich jetzt nämlich erstmal für 10 Tage. Arrividerci.

10. September 2008

Humor bei der Post

Nitsch: "Ich hätte hier ein Paket"
Postbeamter (verständnislos blickend): "Und was soll ich damit?"
Nitsch (sich verwirrt fragend, ob es für den Paketversand mittlerweile eigene DHL-Shops gibt): "Ich würds gerne aufgeben"
Postbeamter (mit neugierigem Blick): "Ja wollen Sie es denn nicht mehr haben?"
Nitsch (sich klar werdend, dass am Schalterschergen ein Comedian erster Güte verloren gegangen ist): "Ah, ich verstehe, wir haben ein kleines Scherzerl gemacht!"
Postbeamter: "Hihi..."

4. September 2008

John Wayne auf Abwegen

Habe neulich antiquarisch eine Biographie von John Wayne erstanden. Wer dieses Buch über den rauchenden, saufenden und erzkonservativen Westernhelden mit markigen Macho-Sprüchen wohl bisher gelesen hat? Ein Stempel auf der Umschlaginnenseite gibt darüber Auskunft: "Evangelische Mutter-Kind-Kurklinik und Sanatorium Selent". Nur ein Frauenhaus oder die EMMA-Redaktion wäre noch lustiger gewesen...

1. September 2008

Es tönen die Dächer

Meine Wohnung grenzt zur einen Seite auf einen großen Innenhof. Eines der umliegenden Häuser besitzt ein Appartement mit üppiger Dachterrasse. Dort scheint unlängst ein professioneller Musiker eingezogen zu sein, der seine Nachbarn an schönen Tagen kostenlos mit wirklich gut gespielter klassischer Musik erfreut. An einem sonnigen Sonntagvormittag um elf von sanften Geigenklängen geweckt zu werden, hebt sich wohltuend vom wochentäglichen Wecker-Terror ab. Mich wunderte allerdings, dass es in Anbetracht einer nicht unerheblichen Anzahl von Proll-Nachbarn noch nicht zu Beschwerden gekommen ist. Anscheinend ist auch in Zeiten von DSDS und Big Brother im einfachen Volk noch eine gewisse Rest-Ehrfurcht vor musischer Kultur vorhanden. Dachte ich. Denn prompt schallte es gestern Vormittag von einem anderen Balkon: "RUHE BITTE!" Immerhin. Der Schwabinger Proll ist höflich und benutzt das Wort "bitte".

P.S. Noch was ganz anderes: Eine interessante Seite mit Tools rund um die DSL-Beschleunigung gibt es hier. Besonders die Firmenphilosophie hat es mir angetan.

23. August 2008

Rufschädigung

Hm. Wenn man sich meine Mini-Filmkritiken bei Videobuster ansieht (siehe rechts), ist dort ganz oben zu lesen, dass "180 Filmkritiken wegen der Jugendschutzeinstellung nicht angezeigt werden können". Warum das da steht, weiß ich nicht. Das klingt so, als hätte ich 180 Pornos beim DVD-Versender bestellt und Bewertungen dazu geschrieben. Das wirft kein gutes Licht auf mich. Eigentlich ist es eine riesen Sauerei, mich so an den Pranger zu stellen und zu behaupten, ich hätte knapp zweihundert Sexfilme angefordert! Das entspricht nicht den Tatsachen! Es müssen mindestens 500 gewesen sein!

19. August 2008

Als letztes stirbt die Hoffnung

Wenn man sich die Liste der bei Amazon stark reduzierten Bücher und somit wohl sehr schlecht verkäuflichen Werke anschaut, könnte man fast neuen Lebensmut schöpfen und glauben, dass die Deutschen sich vielleicht doch nicht zu einem Volk hirnloser Idioten entwickeln, die jeden Konsumscheiß mit begeistertem Applaus kaufen müssen:
Ein bisschen tragisch ist es allerdings schon, dass sich für ein Eck auf dieser Welt scheinbar kein Schwein interessiert:

18. August 2008

Voller Durchblick

In Anlehnung an den Herrn Kaliban eine kurze Bestandsaufnahme:

Gerade gelesen: Stieg Larsson: Verblendung
Gerade im Kino gesehen: Brügge sehen und sterben
Gerade gespielt: Call of Cthulhu: Dark Corners of the Earth
Gerade freue ich mich: Auf ein weiteres Mal Sizilien im September
Gerade im Fernsehen: Zwei irre Typen auf der Flucht. Großer Klassiker*
Neulich getroffen:
Christian Ude beim Zeitungsmann. Liest an Feiertagen gerne die Abendausgaben von SZ, AZ und TZ.
Außerdem gut: Das Interview mit Joschka Fischer in der ZEIT

*

6. August 2008

Das üben wir nochmal...

Die neue Funktion von Google Maps, Routen nun auch für den Weg eines Fußgängers zu berechnen, gefällt mir eigentlich sehr gut und hat schon einige brauchbare Ergebnisse geliefert. Ab und zu liegt der Kartendienst aber noch ziemlich daneben, wie man an diesem Streckenvorschlag von meinem Arbeitsplatz in den Biergarten (Kein Neid bitte) sehen kann. Blau (3km) der Google-Vorschlag, grün (1km) die meines Wissens nach kürzeste Strecke. Nett auch der Hinweis, in unbekannten Gebieten doch besondere Vorsicht walten zu lassen. Im Park, da sind die Räuber...

5. August 2008

Gruselgeschichten

Fans von phantastischer Literatur ist H.P. Lovecraft sicherlich ein Begriff. Fast noch besser gefallen mir die Geschichten von Algernon Blackwood, der es auch ohne Obermotz Cthulhu und tentakelbewehrte Shogotten schafft, durch fein austarierte Schilderungen psychologischer Angstzustände für Beklemmung zu sorgen. Seine beiden Hauptthemen sind der Geist verlassener Spukhäuser und die ursprüngliche Übersinnlichkeit der freien Natur. Besonders gruselig hier die Erzählung Die Weiden, im letzten Jahr gerade in einer deutschen Neuauflage erschienen.

Außerdem gruselig ist die Tatsache, dass die italienische Regierung seit gestern im Inland Militär einsetzt und damit die Polizei unterstützen will. Was mich immer wieder in dieses von glatzköpfigen, zwergenhaften Profilneurotikern regierte Land treibt, weiß der Geier. Muss irgendwie eine frühkindliche Prägung sein, einem strohblonden Vierjährigem eingeimpft durch Kopftätscheln und auf italienisch bis zehn zählen von Olga, der guten Seele der Feriensiedlung Creole am Gardasee. Auf jeden Fall freue ich mich auf den gerade klargemachten Urlaub auf Sizilien Mitte September. Das Meer noch warm und die Sonne so hell.

31. Juli 2008

Babelfisch macht Urlaub











Bei der Planung eines kleinen Spätsommerurlaubs im sonnigen Süden bin ich über obige Webseite eines sizilianischen Appartment-Dorfs mit dem Verweis auf eine "Rutschbahnshow" gestolpert. Zuerst dachte ich, die Anlage hätte vielleicht einen kleinen Aquapark mit lustigen Wasserrutschen. Beim Klick auf den Link dämmerte mir dann allerdings, dass das englische Wort "Slideshow" hier nur allzu wörtlich genommen wurde.

21. Juli 2008

Danke München!

Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal vielmals bei der bayerischen Landeshauptstadt für die Ausrichtung meiner Geburtstagsfeierlichkeiten am vergangenen Samstag bedanken. Auch wenn ich nicht alle Gäste persönlich eingeladen hatte und es so durchaus zu peinlichen Momenten kam, war es im Großen und Ganzen doch ein äußerst gelungenes Fest. Besonders das Riesenrad auf dem Wittelsbacher Platz wäre wirklich nicht nötig gewesen. Also noch einmal ein herzliches "Vergelts Gott!" an alle Verantwortlichen, namentlich möchte ich hier nur Christian Ude, Günther Beckstein und Laura Wurst nennen. Ich bin schon gespannt, wie ihr das im nächsten Jahr noch toppen wollt!

14. Juli 2008

Manchmal kommt es eben doch auf die Länge an

...zumindest dann, wenn es sich um Landebahnen handelt. Eigentlich nerven mich die Fotostrecken von sueddeutsche.de sonst eher, aber im Fall der "Schwierigsten Runways der Welt" fand ich sowohl Texte als auch Bilder recht witzig. Muss leider zugeben, dass ich auf noch keinem der beschriebenen Lufthäfen gelandet bin. Meine persönlichen Higlights waren ein Landeanflug auf Lissabon, während dem sich aufgrund eines Luftlochs das Cockpit plötzlich nicht mehr vorne, sondern unten befand. Auch nicht zu verachten der Sinkflug auf das griechische Kalamata mit Totalausfall der Kabinenelektronik. Da kommt Stimmung auf.

8. Juli 2008

Summertime in ...

Mallorca? Madagaskar? Malibu? Nichts von alledem. Denn auch in Magdeburg kann man am Ufer der Elbe trefflich die Seele baumeln lassen. Und um den Faden vom letzten Post wieder aufzugreifen: Dort habe ich am Sonntag ein "Becks Ice" getrunken. Durchsichtigen Radler mit Minznote. Wie das schmeckt, ja das sage ich nur dem ganz persönlich, der mich unter vier Augen danach fragt.

1. Juli 2008

Grünes Biermonopol

Also wenn es eine Biersorte gibt, die zumindest in München die annähernde Monopolisierung des Marktes erreicht hat, so ist das die altehrwürdige Augustiner-Brauerei mit ihrem Hellem, aufgrund des Etiketts in Kennerkreise auch als "grüner August" bezeichnet. Egal wo man sich einfindet, ob auf einer wilden Studentenparty, Vatis Grillfeier oder der Feierabendrunde polnischer Bauarbeiter, ÜBERALL wird zum grünen August gegriffen. Mein Problem bei der Sache: Es schmeckt einfach zum Kotzen. Ist das eher seichte und lacke Helle an sich schon nicht arg berauschend, besticht das Augustiner-Erzeugnis durch einen besonders schalen Geschmack, der vor allem jenseits einer Trinktemperatur von 5°C an eine Mischung aus kaltem Achselschweiß und Putzeimerwasser erinnert. Ich bringe mir mittlerweile zu Feiern mein eigenes Bier mit, weil ich die Plörre spätestens seit dem 23. Semester nicht mehr sehen kann! Trotzdem trinkt es einfach JEDER, weil es DAS Bier Münchens ist. Gerade "Zugroaste" meinen, damit ihre Verbundenheit mit München unter Beweis stellen zu können. Zugegebenermaßen ist die bauchige Flaschenform fast schon wieder Kult, wo doch 90% aller Brauerein ihren Sud mittlerweile in "Longneck"-Flaschen abfüllen. Trotzdem gilt: Wer mir noch EIN MAL einen grünen August serviert, kann sich Einladungen zum Poker oder zu Diskussionsrunden von Aristoteles' Politeia in Zukunft sparen. Ich meine es ernst!

P.S. Um Kritikern mit meiner jämmerlichen Inkonsequenz eine würdige Angriffsfläche zu bieten, sei an dieser Stelle erwähnt, dass das Exportbier von Augustiner, der Edelstoff, deutlich besser schmeckt und in Notlagen durchaus getrunken werden kann. Auch ganz hübsch ist die Retro-Webseite der Brauerei. Um nicht nur zu schimpfen...

27. Juni 2008

Der längste Tag



















...ist zwar nun auch schon ein paar Nächte her, sollte aber trotzdem gebührend gefeiert werden, besonders wenn er bei tollem Wetter grillend an der Isar verbracht wurde. Gleichzeitig ist der 21. Juni für mich als erklärten Gegner des Winters natürlich ein zwiespältiges Datum, denn ab jetzt geht es wieder abwärts mit den hellen Tagen und ehe wir uns versehen haben wir schon wieder einen regnerischer August, ein altweiberhafter September und dann fallen schon wieder die gelben Blätter und irgendwann der erste Schnee. Ich weiß, das ist noch lange hin. Aber trotzdem. Ich bitte um kurzes Innehalten an den leuchtendsten Tagen des Jahres. Danke.

14. Juni 2008

Ist bald wieder Fado angesagt?

Tragisch, tragisch, aber das war ja mal wieder klar: Ich betätige mich nur ungern als Hellseher, aber so wie es im Moment aussieht, müssen die spielerisch starken Portugiesen wohl im Viertelfinale gegen Jogis Teutonen ran. Und auch wenn ich nur wenigen Mannschaften zutraue, Portugal bei dieser EM wegzuputzen, sehe ich bei den kampfstarken Deutschen noch am ehesten die Möglichkeit. Schande! Die armen Portugiesen. Deshalb mein Tipp: Morgen Abend gegen die Schweiz mit einer C-Mannschaft antreten, 0:10 verlieren, der Alpenstaat erhält seine Würde zurück und Portugal kickt dann als Tabellenzweiter im Viertelfinale die doofen Kroaten raus. Verstanden, Luiz Felipe?

29. Mai 2008

Wegen mir kann es losgehen...

...mit der Europameisterschaft! Der lässige Fußballtrainer Hans Meyer sieht in seinem Expertentipp im Zeit-Magazin übrigens Portugal im Finale gegen Italien. Wer da gewinnt, das will er allerdings nicht verraten. Ich sags euch: Natürlich Portugal! Forca Portugal!

26. Mai 2008

Neue Brieffreunde

Wie ihr im vorletzten Post mitbekommen habt, sammle ich Panini-Bilder zur Fußball-EM. Ob ihr das lustig findet oder total daneben, könnt ihr mir ja in den Kommentaren mitteilen. Was ich eigentlich bemerken will: Hat man das Album gut zur Hälfte voll, kriegt man bei Neukäufen ein echtes Problem mit den Doppelten. Deshalb tauscht man fürgewöhnlich mit Gleichgesinnten. Da aber außer meiner Freundin niemand in meinem Bekanntenkreis sammelt, gestaltet sich die Tauscherei etwas schwierig. Aber es gibt ja das Internet. Unter www.stickermanager.de gibt es eine passable Tauschbörse für die Klebebildchen. Kam ich mir bisher noch ganz normal vor, wird es jetzt jedoch langsam kritisch, wenn ich Tauschbriefe von Achtjährigen erhalte und die Adresse auf dem Umschlag noch von Mami geschrieben wurde, weil der Kleine sonst nicht mehr fertig wird mit der Krakelei. Bin ich irgendwie pervers? Muss ich Beckstein fürchten? Soll ich doch lieber Briefmarken sammeln?

13. Mai 2008

Bierbäuchiges Handicap

OK. Ich gebe es zu. Irgendwie ist es peinlich, in einem Kurort nahe den Alpen auf einen Minigolf-Platz zu gehen. Und noch peinlicher, sich seines souveränen Sieges zu rühmen. (Kann mich gerade noch zurückhalten, hier einen Scan der Scorecard zu veröffentlichen.) Am ALLERPEINLICHSTEN ist es allerdings, professionell Minigolf zu spielen und im Trainingsanzug und mit geschäftiger Miene den Platz zu betreten. Einen riesen Bierbauch vor sich her zu schieben, nach jedem Loch eine Kippe zu rauchen und ein Gerät zu haben, mit dem man ohne sich bücken zu müssen den Ball aus dem Loch holt. Und solche Typen schimpfen sich Sportler. Da sind Schachspieler ja Musterathleten dagegen. Und nein, ich spreche nicht von meiner Zukunft!

9. Mai 2008

Murphy's Law

Es ist doch immer die gleiche Scheiße: Nach meinen ersten zwei Panini-Bilderkäufen habe ich schon die halbe Manschaft inklusive Vereinswappen dieser destruktiv-rehaklistischen Betongriechen, denen ich ein punktloses Ausscheiden nach der Vorrunde wünsche. Und von meinen geliebten Portugiesen kleben gerade mal drei Mohikaner. Ich könnte heulen. Trotzdem: Forca Portugal!

22. April 2008

Starke Sätze

(...) als seine Tochter als verheiratete Frau aus der Kirche trat und er in ihren Augen mehr Hoffnung las, als es seines Wissens überhaupt gab (...)
Julian Barnes: Der Zitronentisch

Ich dachte an den gestrigen Abend auf dem Nockherberg, an diese immer gleichen Momente, jedes Jahr von neuem, an die Sommertage, die diese Stadt veredelten. Wenigstens in meiner Vorstellung. An die Langsamkeit, an das Dasitzen und Zeit-verstreichen lassen, an die Ordnung der Dinge, die aus nichts als einem Stuhl und einem Tisch bestand, an die vertrauten Geräusche, Schritte auf Kies, Stimmengebrumm, das Klirren der schweren Glaskrüge, Rufe, wenn einer zu spät kam und in der Menge Ausschau hielt.
Friedrich Ani: Süden und das Gelöbnis des gefallenen Engels

Aus dem Fotoingenieur hätte ein Medizinier werden sollen - das Studium in Siena hat ar abgebrochen, aus Heimweh. Sieben Tage ohne Elba ist das Maximum für Massimo; die Insel verlässt er nur des Nachts, gesteht er, weil er den Abschied im Sonnenschein nicht überleben würde.
Peter Roos: Mein Elba. In der ZEIT Nr. 17 / 2008

17. April 2008

Prädikat "Besonderes wertvolles Prädikat"

Gerade beim Genre der Reiseliteratur gefällt es mir gut, wenn sich ein Text eher durch stilistische Einfachheit als durch wagemutige Vergleiche und ausgefallene Wortwahl hervorhebt. Komplizierte Satzverschachtelungen und blumige Metapher lenken mich nur vom (hoffentlich guten) Inhalt ab. Knappe, klare Sätze, die sich aber trotzdem die nötige Zeit zur Beschreibung lassen. So wie es Bruce Chatwin getan hat und dessen Kollege Paul Theroux noch heute tut. Bei deutschen Autoren fällt mir hier Bartholomäus Grill ein.

Schnell stellt sich bei mir aber eine große Genervtheit ein, wenn mich in einem Artikel nacheinander die folgenden, vor Kreativität sprudelnden Ausdrücke anspringen:
  • "Auf dem Teller kommen zart gedünstete Barrakuda-Steaks zu liegen, benetzt von (...), umkränzt von (...)"
  • "Ein Pärchen Sáo-Tomé-Eulen kobolzt durch die Krone eines Jackfruit-Baumes (...)"
  • "Das Gesprüh der zerstäubenden Tropfen tuscht einen kleinen Regenbogen auf die Wand aus Vulkangestein."
Nachzulesen in einem inhaltlich durchaus gelungenen und symphatisch erzählten Artikel von Claus-Peter Liekfeld in der letztwöchigen ZEIT über Sao Tomé. Interessantes Thema, für mich aber unglaublich strapaziös zu lesen. So. Damit ich auch mal über die ZEIT und ihre Autoren gemeckert habe...

12. April 2008

Reisen, Kultur & Kulturlosigkeit

Dieses schöne Motto eines Reisenden fand ich an der Fassade des Brauereigasthofes Eichhofen (Achtung, auf der Website herrscht Farbalarm!) nahe Regensburg. Dass den Eigentümern des Anwesens die Wahl griffiger Sinnsprüche auch heute noch flott von der Hand geht, zeigt der Titel des Kleinkunst-Veranstaltungsprogramms für die nächsten Monate: "Frühlingserwachen im Labertal". Wenn da mal nicht zu viel geschnattert wird!

A propos Kleinkunst: Sehr gut gefallen hat mir das neue Soloprogramm des Kabarettisten Helmut Schleich, der sich fulminant-bayerisch und doch auch nachdenklich auf die Suche nach dem "allerletzen Held" begibt. Derzeit noch in der Lach- und Schieß, danach in diversen Etablissements in und um München.

Und da dieser Blogeintrag auch unter dem Thema Humor steht, komme ich nicht umhin zu bemerken, dass ich es wahnsinnig witzig finde, dass Kapitän Silvio Berlusconi am Sonntag wahrscheinlich zum dritten Mal die Möglichkeit erhält, italienischer Ministerpräsident zu werden.

6. April 2008

Werbepause

Heute mal was aus der Rubrik "Leichte Unterhaltung" aus dem Film Neues vom Wixxer. Trotzdem (oder gerade deswegen) sehr witzig. Wem der Anfang zu unintellektuell ist, der sollte unbedingt auf Roger Willemsen warten. Sand!

30. März 2008

Osterpause beendet

So, um die Drei-Millionen-Pageviews-Marke für März noch schnell zu knacken, starte ich mit einem München-Quiz in den Frühling: Wer wohnt(e) in diesem Haus? Einen kleinen Tipp habe ich im Namen der Bilddatei verbaut. Die Belohnung für den ersten Richtigtipper überlege ich mir noch.


17. März 2008

Nach der Wahl...

...ist vor der Wahl! Dass die CSU noch siegen kann, hat sie am Wochenende in Augsburg eindrucksvoll bewiesen! Auch in München geht der Kampf weiter. Nachwievor gilt unverändert: Laura Wurst muss in den Stadtrat!

11. März 2008

Die durchs Dorf getriebene Sau wird immer dümmer

Die politische Sichtweise der meisten Publikationen irritiert mich derzeit schon: Während sich die Medien darin überbieten, noch fertigere Bilder von Ypsilanti rauszusuchen und zu veröffentlichen, avanciert Dagmar Metzger plötzlich zum Star des freien Willens. Als GDL-Chef Schell während der Tarifverhandlungen in Kur ging, geisselten das die meisten Blätter als Super-GAU. Dass Metzger lieber in der Schweiz Ski gefahren ist, statt Ypsilanti frühzeitig an ihrer Gewissensnot teilhaben zu lassen, stört keinen. Rot-Grün-(Dunkelrot) ist generell mies und alt und verbraucht, auch wenn die Gemeinsamkeiten groß sind. Schwarz-Grün ist generell hipp und toll, auch wenn die Gemeinsamkeiten gegen Null tendieren und sich einer der Partner definitiv verbiegen muss. Versteh da nur ich irgendetwas nicht? Hätte die SPD in Hessen 3596 Stimmen mehr gehabt, gäbs bald ne große Koalition, Koch säße vermutlich in Berlin (oder in Rio, schnief) und Ypsilanti wäre der von den Medien als Koch-Killer gehypte neue Jungstar am SPD-Firmament. So kann's gehen...

7. März 2008

Wer will die fleißigen Handwerker sehn...

"Welche Kraft, welches Selbstbewusstsein schien dem Schuster gerade aus der Ausübung seiner manuellen Arbeit zu erwachsen! Er hatte sich den Zwirn um die Hände gewickelt, die so hart waren, wie das Leder, aus dem er gerade die Form einer Sohle herausgeschnitten hatte, und zog ihn mit gemessener Kraftanstrengung an sich. Im Munde hatte er eine Handvoll Nägel, die Zunge und Lippen je nach Bedarf pünktlich wieder ans Licht förderten. Der Hammer schlug mit der Präzision eines Automaten auf die stumpfe Oberfläche des Schuhs, den er dabei fest wie in einem Schraubstock zwischen den Knieen hielt. Wie geschickt und wie sicher er war! Und wenn er auch während des Gesprächs fortfuhr, seine Hände zu gebrauchen - große, geschwärzte Hände, die dort, unter der niedrig herabhängenden Lampe jeden Tag vom Morgen bis zum Abend tapfer ihre bescheidene Schlacht schlugen -, so störten ihn die zu seiner Arbeit gehörenden Bewegungen dabei keineswegs. Ebensowenig lenkten sie ihn ab. Im Gegenteil. Wenn er mit einem einzigen Hammerschlag einen Nagel in das dicke Leder trieb, schien ihm das zuweilen besser geeignet, seinen Standpunkt zu bekräftigen, als jedes weitere Argument."
Giorgio Bassani: Ferrareser Geschichten. Wenn man sich erst einmal in die teils etwas verschachtelten Sätze des italienischen Autors eingelesen hat, entstehen vor dem inneren Auge detailgetreue, fotografisch anmutende Bilder. Für alle, die unaufgeregte, aufmerksame Erzählungen mögen.

3. März 2008

Wahlnachlese: Stadt ohne Wurst

Schade, schade, das hat nun leider nicht geklappt für Laura Wurst. Listenplatz 40 bei voraussichtlich 24 an die CSU zu vergebenden Sitzen wird wohl nicht zum Einzug in den Stadtrat reichen. Zusammen mit Seppi Schmid bleibt Frau Wurst aber junge Hoffnungsträgerin der CSU! Schade weiterhin, dass sich nicht einmal die Hälfte aller Münchner zur Wahl geschleppt hat. Und besonders schade, dass es eine seltsame Gestalt der Bürgerinitiative Ausländerstopp in das Stadtparlament geschafft hat. Zur Strafe bitte direkt neben den Kandidaten der Rosa Liste setzen!

27. Februar 2008

Networking für Profis

Über Lob freut man sich doch immer. Besonders, wenn er aus dem Mund von Laura Wurst kommt. In meinem Lokalisten-Postfach fand ich diese Mail vom Mitglied "stadtratskandidatin":
wollte dich fragen, ob du der nette Herr bist, der die Wahlempfehlung im Internet für mich ausgesprochen hast. Wenn ja, dann vielen vielen Dank. Ich freue mich, wenn mich so nette und junge Herrn , wie du mal gut finden. Echt super:-) Ich wünsche Dir einen Schönen Abend
Servus Laura
Na klar bin ich der nette Herr mit der Wahlempfehlung! Schade, dass es bis zur Stadtratswahl nur noch wenige Tage sind, sonst könnten wir zusammen im Internet noch etwas ganz Großes bewegen! Also, durchhalten, Laura!

23. Februar 2008

Hasta siempre comandante

Ich weiß noch, wie ich im Leihwagen durch Kuba fuhr, im Autoradio eine leiernde Kassette mit dem Revolutionsklassiker von Carlos Puebla. Draußen die Viehweiden der Zentralprovinz Holguin, einzelne Königspalmen, staubige, heiße Straßen, über die gemächlich Ochsenkarren schaukelten. Was mögen sich die Kubaner, die wir mitnahmen, wohl gedacht haben? Was wären meine Gedanken, wenn ich daheim von kubanischen Touristen mitgenommen würde, die begeistert dem Bayernlied oder dem Defiliermarsch lauschen?

Kaum ein Land polarisiert so stark wie die sozialistische Antilleninsel. Egal ob links oder rechts, Reisender oder Daheimgebliebener, jeder hat eine feste Meinung zu Kuba, nirgendwo regieren schwarz und weiß so deutlich über die Grautöne. In der aktuellen ZEIT Nr. 9 kann man dazu ein sehr interessantes und gut recherchiertes Dossier von Christian Schmidt-Häuer lesen. Was kommt nach dem endgültigen Rücktritt von Fidel? Wird uns die Presse irgendwann Bilder von Unruhen in Havanna zeigen, die Protestierenden blutig niedergeschossen von der Armee? Oder gibt es in nicht allzuferner Zukunft einen Handschlag zwischen Barack Obama und Raul Castro, der die Zeit des sanften Übergangs zu einem wie auch immer geordneten Mischsystem einleitet?

Ein Mädchen, das sich während eines warmen Wolkenbruchs unter der überlaufenden Dachrinne die Haare wäscht. Die tropische Schwüle, in der mir unbekannte Zikaden nacht wie helle Glöckchen klingen. Verfallende Kolonialbauten mit schwarzen Fensterlöchern, durch die man vielköpfige Familien beim Abendbrot beobachten kann. Der umnebelnde Geruch würziger Zigarren, feuchter Erde und stinkender Oldtimer. Nur einige der vielen, vielen Impressionen meiner beiden Kuba-Besuche. Die Uhr stand oft still, und noch ist unklar, wohin der Zug abfährt, wenn der Zeiger wieder zu ticken beginnt.

14. Februar 2008

Nachschlag gefällig?

Ich weiß, altes Thema, aber ich bin scheinbar nicht der Einzige, der von Frau Wurst und ihren Amigos schwer beeindruckt ist. Ein Vergleich mit diversen Entwicklungsländern (passender wäre an dieser Stelle wohl: Bananenrepubliken) drängt sich auf, wo jedem Kandidaten aufgrund der hohen Analphabetenquote ein griffiges Symbol zugewiesen wird.

Da freue ich mich echt schon auf die Wahlunterlagen, auf die gesamte Namensliste der CSU darf man ja gespannt sein...

12. Februar 2008

Frau Wurst in den Münchner Stadtrat!

Dass ich in meinem letzten Beitrag so über die Münchner CSU und Seppi Schmid hergezogen bin, tut mir leid. Nur Looser hacken auf den Kleinen rum. Ich möchte also etwas wieder gut machen und spreche an dieser Stelle eine Wahlempfehlung für die CSU-Stadtratskandidatin Laura Wurst aus. Gute Gründe, Frau Wurst zu wählen, gibt es allemal:
  • Sie ist jung (27).
  • Sie ist hübsch (blond).
  • Sie ist schlau (macht was mit Medien).
  • Sie kennt das wirkliche Leben (ist auch Messehostess).
  • Sie mag Tiere (hat einen Zwergschnauzer).
Außerdem ist sie auf ihren PR-Fotos einwandfrei zu erkennen. Deshalb: Drei Stimmen für Laura Wurst (und von mir aus auch für Seppi Schmid)!

8. Februar 2008

CSU goes undercover

Die CSU hat es in München ja schwer. Bis auf ein sechsjähriges Intermezzo wird die Landeshauptstadt seit 1948 von der SPD regiert. Und das in Bayern. Der letzte bekannte CSU-Kandidat war 1993 Dr. Peter Gauweiler, der es immerhin fast geschafft hat, den noch heute amtierenden Burger-King Christian Ude beinahe in die Stichwahl zu zwingen. Seither hat der Posten des CSU-Bürgermeisterkandidaten nicht gerade an Beliebtheit gewonnen. Zu den nun am 2. März anstehenden Wahlen hat sich für die Christsozialen diesmal Josef Schmid erbarmt. Jung, dynamisch, Rächer aller Enterbten und niedergeprügelten Rentner.

Leider ist Schmid selbst in München nicht allzu bekannt. Was sich auch nicht ändern wird, wenn die PR-Combo des Politikers auf seiner Promo-Homepage weiterhin solche Bilder einstellt. Unter der Überschrift "Tanz der Marktfrauen - Josef Schmid tanzt mit" kann man hier erkennen, hm, ja was eigentlich, also wie hinter einer Sichtblende im grellen Scheinwerfergegenlicht ein Mann mit Hut und Brille, von dem nur der Rücken zu sehen ist, eine Frau mit Perücke, von der man das Gesicht nicht erkennen kann, umarmt. Könnte vom Brillentyp her auch Henry Kissinger sein, der mit Gina Wild (hoch mit den Blog-Pageviews!) das Tanzbein schwingt. Wo man sich hinstellt, wenn man gescheite Fotos machen will, zeigen die im Bildhintergrund aufgenommenen Fotografen. Sachen gibts.

5. Februar 2008

Das Kapital hat immer recht?!

Der deutsche Blätterwald hält zumindest für mich immer wieder Überraschungen bereit: Das Wirtschaftsmagazin Capital steht zwar nicht auf meiner Freiaboliste, wurde mir am Wochenende aber freundlicherweise von Air Bährlien (wegen Schleichwerbung unkenntlich gemacht) geschenkt. Auf Seite 3 zieht der Chefredakteur Klaus Schweinsberg zunächst über die bösen Banken, die raffgierige Wirtschaftselite und die feigen Politiker her, um dann mit dem folgendem Schlusssatz zu enden:
Jeder muss wissen: Langfristig gibt es nur eine Alternative zur Globalisierung - den Sozialismus. In Deutschland hat der Marsch dahin gerade begonnen.
Starke Worte! Warum wir stramm Richtung Sozialismus marschieren, wird allerdings nicht so ganz klar. Weil Roland Koch so heftig abgerutscht ist? Wegen der fiesen Debatte um Managergehälter? Egal. Lustig geht es dann auf Seite 31 weiter:
Der 21. Januar wird in die Börsengeschichte eingehen. Völlig überraschend brechen weltweit die Aktienmärkte ein. (...) Doch manch erfahrener Profi sah die Krise kommen und zog rechtzeitig die Reißleine.
Aha. Völlig überraschend aber doch irgendwie vorhersehbar? Erscheint nur mir das als Gegensatz? Eigentlich hätte man damit rechnen können, dass der DAX dieses Jahr stramm über 8000 bleibt? Aber wenn man sichs genau überlegt, war es schlau, jetzt irgendwann aussteigen? Des Rätsels Lösung: Der Artikel preist Fonds "für jede Börsenlage" an. Hauptsache irgendwas kaufen, irgendwie wirds schon gutgehen.

Mittlerweile schon sehr genervt vom Wirtschaftssprech ("An jeder Ecke lauern dicke Chancen, aber machen sie uns bloß nicht dafür verantwortlich, wenn's doch den Bach runtergeht") entdeckte ich dann auf Seite 14 noch einen wirklich guten, kritischen Kommentar von einem Herrn Konrad Adam zum wirtschaftsgerechten Umbau der deutschen Hochschulen:
Vermittelt wird alles Mögliche, nur keine Vorstellung vom Sinn und Zweck des Wissens; darüber zu entscheiden, behalten sich die Personalvorstände vor. Studenten sollen das Know-how erlernen, nicht etwa das Know-why. (...) Der Fachmann lässt sich leichter lenken als der Generalist, der Dinge wissen will, die ihn laut Arbeitsplan nichts angehen, und eigenwillig reagiert, wenn die Antwort anders ausfällt, als er sie sich gedacht hatte.
Wahre Worte. Und übrigens: Alaaf Helau!

28. Januar 2008

Verschwitzte Hessen-Wahl

Also wenn man beim Eishockey direkt hinter der Teambank sitzt, ist das einerseits ganz interessant, weil man das Verhalten von Spielern und Trainern genau beobachten kann und so nah am Eis auch die hohe Geschwindigkeit des Sports viel anschaulicher wird. Andererseits erinnerte mich der Geruch der transpirierenden Spieler Marke "Käsefuß" doch stark an die Jungsumkleide beim Schulsport. Nächstes Mal dann also doch lieber ein paar Ränge weiter oben. Die Anzeige der Prognose zur Hessen-Wahl auf den Stadionmonitoren hatte übrigens keine Auswirkung auf das Spielgeschehen.

22. Januar 2008

(Weniger) Brot und (mehr) Spiele

Bei einem Blick auf die aktuelle Lage an den Börsen kann man eigentlich nur zu dem Schluss kommen, dass das Handelsparkett der größte Kinderspielplatz der Welt ist. Dagegen sind Lotto, Pokern, Kampfmurmeln oder auch Fußball ja hochwissenschaftliche Disziplinen. A propos Fußball: Seit Sonntag laufen in Ghana die Afrikameisterschaften. Auch wenn ich ungern das Klischee "Afrika=Chaos" bemühe: Es ist schon witzig, wenn die Spieler beim Eröffnungsspiel aufgrund eines kreativ gemähten Rasens bis weit über die Knöcheln im Gras versinken oder beim gestrigen Match Mali-Benin aufgrund eines Stromausfalls die Hymnen ganz unbeeindruckt im Dunkeln abgefiedelt werden. Börti Vogts macht ja als Trainer von Nigeria mit. Die stehen nun zwar recht sicher in der Abwehr und können hammerharte Freistöße schießen, Kreativität und technische Spielereien sieht man aber leider nur noch selten. Wenn das Globalisierung sein soll, pfeif ich drauf.

14. Januar 2008

Das Stuhlparadoxon

Woran liegt es eigentlich, dass, vor einem Stuhl stehend, diesem zugewandt, die Knie leicht gewinkelt und den Oberkörper gebeugt, die Arme immer zu kurz sind, um einen hinter die Lehne des Stuhls gefallenen Gegenstand zu greifen? Ist das eine DIN? Oder sind neben meinen Beinen auch meine Arme zu zwergig? Um das Problem deutlich zu machen, nebenstehend eine erklärende Zeichnung:

P.S. Anzüge sehen bei Herrren meist erst ab einer gewissen Beinlänge richtig gut aus. Und: Was kostet mehr Energie, wenn ich den Hahn erst laufen lasse, um den Wasserkocher dann schon mit heißem Wasser zu befüllen, oder wenn ich kaltes Wasser zum kochen bringe?

11. Januar 2008

Der Afrika-Meister spricht

Bartholomäus Grill setzt sich in der aktuellen ZEIT (leider nur in der Printausgabe, 03/2008 auf Seite 8) wieder einmal sehr kompetent mit dem Thema Afrika und insbesondere den Unruhen in Kenia auseinander:
"Analytiker sehen schon einen Stammeskrieg heraufziehen, dieser Begriff liefert eine jener wohlfeilen Erklärungen, die auf alle Konflikte in Afrika angewandt werden: Sie sind eben so, die Schwarzen, kaum dürfen sie frei wählen, schon schlagen sie sich die Schädel ein, so wie sie es immer schon getan haben. Jenseits dieser rassistischen Klischees ist allerdings die Frage durchaus berechtigt, ob demokratische Wahlen die ethnischen Gegensätze in Vielvölkerstatten verschärfen. Lässt sich die pluralistische Demokratie nach westlichem Muster so einfach auf Afrika übertragen? Kann man sie implementieren wie ein Impfprogramm? (...) Aufgestachelt von selbstsüchtigen Politiker gehen plötzlich Menschen aufeinander los, die bislang verträglich zusammengelebt haben. Besonders enthemmt sind die jungen, hungrigen, zornigen Männer, sie sehen sich durch den Wahlschwindel um ihre Hoffnungen auf eine bessere Zukunft gebracht. Der eigentliche Nährboden ihres Hasses ist also die Armut, nicht die ethnische Besessenheit."
Wie wahr. Mit der Bedeutung des letzten Satzes sollte sich (bei einer Erweiterung der Begriffe Armut und Ethnie) in der gegenwärtigen Debatte um Jugendkriminalität auch so mancher deutsche Politiker einmal genauer auseinandersetzen

9. Januar 2008

5 Themen

zu denen ich mich hier in nächster Zeit NICHT (mehr) äußern werde:
  • Rauchverbot (die Argumente sind so durchgekaut, dass der Kiefer schmerzt)
  • Roland Koch (zu ihm fällt mir einfach nichts mehr ein)
  • Obama vs. Clinton (der Medienhype ist nun wahrlich schon groß genug)
  • Mein Super-Duper-Smartphone SE P1i (auch wenn ich dazu viel zu sagen hätte)
  • Stiefel an Frauenbeinen (obwohl meine Stiefel-Ballerinas-Theorie interessant ist)

3. Januar 2008

Das Abonnement in Zeiten der Arbeitslosigkeit

Welchen Stellenwert Arbeit hat und welch Schreckgespenst Arbeitslosigkeit ist, lässt sich gut an meiner bevorzugten Methode ableiten, um telefonische Abonnementverkäufer abzuwimmeln (ja, ich nehme gern die Möglichkeit von Probeabos wahr): Wann immer mir einer der meist sehr höflichen Telefondrücker (kumpelhaft locker der Mann von der taz, vornehm zurückhaltend der Beauftragte der WELT) ein supergünstiges Angebot zum weiteren Bezug der Zeitung anbietet, sage ich: "Tut mir leid, ich bin zur Zeit auf Arbeitssuche (was nicht gelogen ist) und kann mir keine Zeitung leisten (was zumindest Definitionssache ist)."

Eine Sekunde betroffenes Schweigen am anderen Ende der Telefonleitung. Ein Prekariatselend zwischen ALG II und verwahrlosten Kindern tut sich vor dem Auge des Callcenter-Mitarbeiters auf. Die Antworten schwanken zwischen einem mitfühlenden "Oh das tut mir leid", einem korrekten "Dafür habe ich vollstes Verständnis" und im mitleidslosesten Fall einem "Naja, vielleicht dann irgendwann später". Auf jeden Fall ist das Verkaufsgespräch sofort beendet. Könnte natürlich passieren, dass ich irgendwann einmal in einer Kartei für Langzeitsarbeitslose lande und mir nie mehr ein Probeabonnement geliefert wird.

2. Januar 2008

Die Raucher ziehen weiter, die CSU schläft

Endlich äußert sich auch Joseph von Westphalen zum Rauchverbot, und schöner kann man die Argumente fürs Rauchen eigentlich gar nicht zusammenfassen. Dem Autor geht es nicht, wie die jammernde Raucherlobby lamentiert, um den Verlust der Freiheit, die nun sogar mit einer lachhaften Berufsverbot-Klage gerettet werden soll, sondern um das "Recht auf Unvernunft". Hier der ganze Text in der heutigen Süddeutschen Zeitung:

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/artikel/796/150424/

Darin zeigt sich JvW schwer enttäuscht von der CSU, die als Festung der Tradition ja eigentlich zum Wirtshausqualm hätte stehen müssen. Ob es der Lederhosen auch bald an den Kragen geht? Mit dem Laptop ist es seit dem Ausscheiden von Herrn Stoiber nicht mehr so gut bestellt, denn eigentlich wollte ich meine verehrte Leserschaft zum Jahresanfang hier mit dem neuen, grandiosen CSU-Plakat "Gemeinsam für Bayern" beglücken, das aber noch nirgendwo im Netz zu finden ist. Auch nicht auf der Homepage der CSU, wo man sich im Pressebereich noch immer Fotos von Stoiber (mit Krawatte oder leger!) herunterladen kann. Von Becki und Erwin keine Spur. Sind die Webmaster alle mit nach Brüssel gegangen?