31. Dezember 2007

Afrikanischer Jahreswechsel

Schade, dass ein weiterer afrikanischer Staatschef, vor wenigen Jahren noch als Hoffnungsträger gefeiert, es anscheinend nicht geschafft hat, die Finger von den Wahlurnen zu lassen. Schade, dass in den deutschen Medien trotz guter Korrespondenten meist erst dann ausführlicher über Afrika berichtet wird, wenn Tote auf den Straßen liegen. Schade auch, dass in einer schönen Stadt wie Kisumu Blut fließt und wieder einmal ethnische Zugehörigkeiten von Politikern zum Ausbau der eigenen Machtposition ausgenutzt werden. Schade, wie schnell ein augenscheinlich gefestigtes ostafrikanisches Land wieder ins Halbchaos abdriften kann. Schade, Schade, Schade. Kein guter Jahresschluss für Kenia.

20. Dezember 2007

Geografiefetischismus

Fantastisch, könnte [eigentlich: kann] ich stundenlang spielen:

http://www.travelpod.com/traveler-iq

Meine Highscore "Africa": 559.327 (Erster in der Tripadvisor-Rangliste, yeah)
Meine Highscore "World": 591.563 (213. in der Tripadvisor-Rangliste, nun ja)

18. Dezember 2007

They won't ever find us here

Mein Großonkel hatte eine Fabrik im Allgäu, nahe den Bergen, in der Webschützen hergestellt wurden. Es war ein großes Gelände mit hölzernen Lagerstadeln und graubeigen Fertigungshallen, mit nach Öl riechenden Kellern und geheimnisvollen Dachböden. Über den Werkbänken der Arbeiter hingen Kalender mit Bildern nackter Frauen. Das Grundstück grenzte an eine weitläufige Bundeswerkkaserne, und der üppige Gemüsegarten, dessen Himbeerstauden mir als Kind undurchdringbar wie der dichteste Dschungel erschienen, wurde an zwei Seiten von hohem Stacheldrahtzaun begrenzt und von meiner Großtante und meiner Oma jedes Jahr aufs Neue in ein hellgrünes, duftendes Sommerparadies verwandelt. Meiner Urgroßmutter, der die Zuckerkrankheit zu dieser Zeit noch nicht beide Beine genommen hatte, war es einmal gelungen, beim Gießen der Pflanzen einen Soldaten auf Patrouille von oben bis unten nass zu machen. Den Strom für seine Webschützenfabrik gewann mein Großonkel aus einer eigenen Turbine, ein rauschender Bach bahnte sich quer durch das Gelände, im Frühjahr trat der Kanal oft über die Ufer, einige Male wurden sogar Leichen angeschwemmt. Mein Vater fischte im Sommer ohne Angelschein nach Bachforellen, und wir Kinder standen Schmiere. Die gefangenen Fische schwammen dann noch für eine Gnadenstunde im Waschbecken der dunklen Fabrikhalle, die intensiv nach Sägespäne roch.

Ein großartiger Abenteuerspielplatz für Kinder. Zu jedem der bisher geschriebenen Sätze könnte ich Seiten schreiben. Gestern Nach hatte ich einen Traum. Die Fabrikhallen gab es nicht mehr, in eins der Lager war eine billige Kneipe eingezogen. Das Wasser des Baches floss nicht mehr, die Turbinen standen still. Fische schwammen mit dem Bauch nach oben im dunklen Nass. Der Oberlauf des Kanals, der sich früher durch eine bunte, stets ungemähte Wiese bis zu den Rechen des Kraftwerks wandte, war zubetoniert und dem Auge entzogen. Hinter den Fenstern der Wohnung meines Großonkel brannte Licht, es waren Schatten zu sehen, doch die Fenster blieben geschlossen.

Wenn man sich etwas Mühe gibt, kann man den heute brach liegenden Gemüsegarten bei Google Earth erkennen.

12. Dezember 2007

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Neger

Die Irritationen um den EU-Afrika-Gipfel sind ja wirklich lustig, wenn es nicht gleichzeitig so traurig wäre: Dass Angie Merkel den zimbabwischen Präsidenten Mugabe wegen der katastrophalen Lage in seinem Land schimpft, ist einerseits mutig, andererseits aber auch risikolos, denn dass Mugabe (außen-)politisch nichts mehr reißt und trotzdem an seiner Meinung festhält, ist klar wie Kloßbrühe. Eher lassen sich die Castro-Brothers bei einem Staatsbankett im weißen Haus blicken, als dass der Ex-Befreiungskämpfer ein gutes Wort über die ehemaligen Kolonialmächte verliert.

Man hört, dass Afrika und Europa "auf Augenhöhe" diskutiert hätten. Aha. Worüber denn? Irgendwie ging es um Zölle und bevorzugte Wirtschaftsbedingungen. In die Presse schaffen es dann aber doch die Schimpftiraden des zimbabwischen Informationsministers. Von einem Mann, von dem bisher, wie vermutlich von jedem anderen Minister südlich der Sahara, in der europäischen Presse wenig bis gar nichts zu lesen war. Dass allerdings nicht nur Despoten der Hut hochgeht, wenn Europa mal wieder über Menschenrechte referiert (ich erlaube mir nur den Hinweis auf humanitäre Glanzleistungen im Umgang mit den Bootsflüchtlingen im Mittelmeer), zeigen auch die Reaktionen eher gemäßigter afrikanischer Politiker wie Thabo Mbeki.

Also alles wie gehabt. Ab und zu lässt man sich mal mit den Schwarzen sehen, bekundet guten Willen und schüttelt Hände. Am lustigsten ist es aber immer noch, wenn die Jungs sich wie Kinder benehmen. Die Neger halt.

10. Dezember 2007

Größte Trendkacke des Jahres: Crocs

Genau. Diese bunten Plastiklatschen. Trägt man die eigentlich mit Socken oder ohne? Egal. Schon als ich die Dinger 2006 in Vancouver sah, schwante mir Böses. Klar, dass dieser Kram in diesem Jahr auch nach Deutschland schwappen musste. Wer wie ich auf dem Land aufgewachsen ist, dem war diese Erscheinung noch nie ganz unbekannt: In Olivgrün wurden solche Galoschen schon immer von Bauern getragen, um im Kuhstall die Scheiße zusammenzuschippen und mit dem Schubkarren auf den Misthaufen zu fahren. Echt praktisch. Doch lassen wir lieber den General Manager von Crocs Europe Dick Wijsman zu Wort kommen, denn manches spricht einfach für sich:

"Wer sie einmal am Fuß hatte, ist überzeugt [dass er die Käsemaucken nie wieder loskriegt; Anm. des Autors]. Sie sehen auch ungewöhnlich aus [wo der gute Mann recht hat hat er recht]. Seit April 2005 bin ich mit Crocs auf Expansionskurs in allen europäischen Märkten [Hörthört]. Die 'Jibbitz' genannten Plastikstecker geben ihnen eine persönliche Note [sind grellrote Plastikpuppenschuhe mit Löchern noch nicht persönlich genug?]. Mein 'Schmuckstück' ist eine Extraanfertigung: ein Totenkopf mit schwarzen Diamanten [Achwietoll! War ja klar sowas. Der sollte sich mal mit Ulf Poschardt unterhalten.]"

Gelesen im aktuellen ZEIT-Magazin Leben Nr. 50. Zu dessen unaufhaltsamen Niveauverlust unter Senkrechtstarter Cristoph Amend man auch eine Menge sagen könnte. Aber genug geschimpft für heute.

3. Dezember 2007

Hattrick

Ausgelesen: Sonst mit Vorliebe im Regenwald unterwegs, verschlägt es den Reiseliteraten Redmond O’Hanlon in seinem Roman „Trawler“ diesmal an Bord eines schottischen Arktis-Fischers. Gut geschildert ist der Lagerkoller, der die Mannschaft nach schlaflosen Tagen auf See bei Windstärke acht und mehr befällt. Schön auch, wie liebevoll der Autor die Weisheiten einfacher Männer aufzeichnet. Manchmal etwas zu viel Meeresbiologie, trotzdem sehr lesenswert.

Ausbefohlen: Mit knapper Mehrheit haben die Venezolaner das Referendum ihres Präsidenten Hugo Chavez abgelehnt, in dem dieser sich unter anderem auf Lebzeiten wählbar machen wollte. Auf der weltweiten Rangliste totalitärer Regime ist das südamerikanische Land also definitiv hinter Russland abgerutscht. Interessant auch, dass Chavez die Niederlage in dieser demokratische Abstimmung anscheinend hinzunehmen scheint.

Ausprobiert: Nach drei Tagen mit meinem neuen Smartphone Sony Ericsson P1i bin ich ziemlich begeistert. Die WiFi-Funktion peppt so ein Handy schon ganz schön auf, und UMTS ist im Vergleich zu GPRS recht imposant. Das allerbeste: Das P1i kostet ohne Vertrag weniger als das iPhone mit. Ich weiß noch, wie ich mir vor Jahren beim Kauf des ersten SE-Smartphones anhören musste, wozu denn so ein komischer Touchscreen gut sei. Heute ist das dank Apple das tollste. PR können sie, das muss man den Jungs aus Cupertino lassen.