17. Mai 2007

Kleine (Nicht-)Jogger-Typologie

Wenn man regelmäßig eine bestimmte Sportart betreibt, kommt man zwangsläufig mit denjenigen in Kontakt, die die gleiche Wahl getroffen haben. Während andere Spaß daran haben schwimmen zu gehen und bestückt mit Schwimmbrille Frauen von hinten zwischen die Beine zu glotzen, habe ich mich ganz unspektakulär fürs joggen entschieden. Meine Runden drehe ich am alten nördlichen Friedhof, ein adequater Ort, sollte mich der plötzliche Herztod ereilen. Dabei ist mir aufgefallen, dass sich dort zwar viele Leute in Laufklamotten rumtreiben, am Parcours angelangt dann aber alles andere machen als joggen. Hier die drei geläufigsten Typen:

Typ 1 - Die Handytante: Fast immer handelt es sich dabei um eine Frau, meist in neueste Sportdesignerware gewandet. Jung, hübsch, nur bei schönem Wetter unterwegs. Sobald sie das Feld betritt, klingelt ihr Handy, die nächsten 10 Minuten wird mit der besten Freundin der vergangene Diskoabend bequatscht. Wenn ich in der folgenden Runde vorbeikomme, muss erstmal eine ellenlange SMS geschrieben werden. Und beim nächsten mal ist sie schon wieder an der Strippe und erzählt ihrem Freund daheim, was es am Abend zu essen gibt. Solche Frauen gehen auch mitten beim vögeln ans Telefon, jede Wette.

Typ 2 - Die Dauerdehner: Geschlechtermäßig ungefähr 50/50, die Kleidung ist meist nicht allzu schick, aber zweckmäßig. Treten oft auch als Pärchen auf. Vor dem Start wird sich erst einmal mindestens 10-15 Minuten gedehnt. Vorzugsweise an den Bänken, die Beine werden gestreckt und gebeugt, manchmal wird sich auch auf den Rücken gelegt, die Knie angewinkelt. Sieht alles sehr professionell aus und jeder, der nicht auch Dehnübungen macht und einfach losrennt, bekommt strafende Blicke ab. "Wie ungesund. Gibt bestimmt bald ne Muskelzerrung. Wenn nicht noch schlimmer." Nach dem Anfangsdehnen folgt eine Runde Lauf, dann ausgiebiges Zwischendehnen, und nach noch einer Runde joggen das finale Enddehnen. Fazit nach einer halben Stunde: 25 Minuten dehnen, 5 Minuten laufen.

Typ 3 - Der Eheflüchter: So gut wie immer männlich. Alte, vergilbte Klamotten, die wohl zum Amtsantritt von Helmut Kohl schon bessere Tage gesehen hatten. Der meist mürrisch dreinschauende Mann gibt sich gar nicht erst die Mühe, den Anschein erwecken zu wollen, hier Sport zu betreiben. Meist geht er in langsamen Schritt durch den Park und raucht dabei die eine oder andere Zigarette. Setzt sich manchmal auch zu den Pennern auf die Parkbank und wechselt ein paar Worte. Der einzige Grund, warum er sich in die Sportkleidung schmeißt ist der, dass er zu seiner alten Xanthippe daheim sagen kann: "Erna, ich geh dann mal joggen. Bin die nächsten zwei Stunden (Tage, Jahre, für immer) weg."

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