10. Mai 2007

Bilder der Vergangenheit

Als Heranwachsender sah ich einen Film, der mich sehr fasziniert hat: Es ging um Zeitreisen. Der Sprung in die Vergangenheit war ganz einfach: Man musste sich nur an einen historischen Ort begeben, in diesem Fall war es glaube ich eine alte Villa aus dem 19. Jahrhundert. Man musste die Augen schließen, fest an die vergangene Zeit denken, das Geschehene mit Bildern ausmalen. Und schwups, schon war der Protagonist des Films im vorvorigen Jahrhundert. Dort verliebte er sich in eine wunderschöne Frau und verbrachte glückliche Tage mit ihr. Unumstößliche Bedingung war aber, dass der Zeitreisende mit nichts Kontakt haben durfte, das mit seiner Herkunft zu tun hat. Akribisch genau hatte der Mann deshalb vorher seine Taschen geleert. Nur eine kleine Münze aus dem 20. Jahrhundert verblieb darin, und als er mit seiner Hand in die Hosentasche fuhr und das Geldstück berührte, wurde er wieder in die Zukunft geschleudert. Dort stand er dann im alten Haus und blickte nur noch auf das Gemälde seiner großen, in der Gegenwart schon längst verflossenen Liebe. Selbstredend war das Experiment aus irgendeinem Grund nicht wiederholbar, das Rad der Zeit hatte sich gedreht, verkeilt, und konnte nicht mehr zurückbewegt werden.

Manche Bilder der Vergangenheit haben sich mir so stark eingeprägt, dass auch ich meine, nur die Augen schließen zu brauchen, um mich wieder dorthin zu bewegen. Es sind keine ganzen Geschichten, nur kurze Eindrücke. An einem warmen, grünen Wintertag auf einer Küstenstraße auf den Azoren, der Blick aus dem geöffneten Seitenfenster auf den weiten Atlantik, die Meeresluft in der Nase und auf den Lippen. Eine Bank im Stanley Park in Vancouver, sie hat ihren Kopf auf meine Knie gelegt und im Gebüsch zwitschert ein mir unbekannter Vogel. Ein smaragdgrüner Kratersee im Osten Ugandas, der Kongo nicht weit, die stechende Sonne am Himmel. Und auch München, die Sicht über das Löwental im Schlosspark Nymphenburg, wo der Wind das im Juni noch nicht geschnittene, frische, hohe Gras hin und her wiegt. Gerne würde ich zu diesen Bildern eine Geschichte schreiben, aber ich weiß nicht, wo die Verbindung ist, der Schlüssel, der alles zusammenbringt.

Kommentare:

Groove hat gesagt…

Den Film kenne ich auch, ist ein Porno. Aber einer der besser ausgestatteten.

Lars hat gesagt…

Eben, wenn schon Porno dann wenigstens qualitativ hochwertig! Ne, mal im Ernst: Nach bisher erfolgloser Recherche habe ich jetzt endlich rausbekommen, wie der Film heißt: "Somewhere in Time" aus dem Jahr 1980. Mit Jane Seymor und, das hatte ich verdrängt, Christopher Reeve. Bestellen.