30. Mai 2007

Traumdeuter zu mir!

In meinem Briefkasten fand sich ein Umschlag, darin ein handgeschriebener, verknickter Zettel, auf dem mit krakeliger Schrift stand: "Sie haben bei Ihrer Bewerbung die Referenznummer vergessen. Bleiben Sie doch lieber daheim." Kein Absender, kein Briefkopf, nichts. Ich war mir trotzdem ziemlich sicher, von welcher Firma diese Absage stammte und war empört, weil es sich doch um eine Initiativbewerbung gehandelt hatte. Auf welche Referenznummer hätte ich mich denn beziehen sollen? Und überhaupt, diese schlampige Absage, da gibt man sich mit der Bewerbung Mühe, und dann so was! Nahm mir fest vor, diese Unhöflichkeit in meinem Blog anzuprangern. Was hiermit geschehen ist. Auch wenn das Ganze nur ein nächtlicher Traum war.

22. Mai 2007

Pfälzer Mecki Superstar

Quadriga, wenn ich das schon höre. Die neue Führungsspitze der SPD. Das schwächste Glied ist jetzt schon ausgemacht. Glaubt eigentlich irgendjemand im Ernst, Beck könnte 2009 Angela Merkel ablösen? Pardon, falls ich zu sehr auf Personen statt auf Programme achte, aber wer z.b. aus der Schicht der 25-35jährigen Stadtbevölkerung soll denn bitte Mecki zum Kanzler wählen? Eine Gruppe, die durch 16 Jahre Kohl und seinen pfälzer Dialekt traumatisiert wurde? Eine Wählerschaft, die wohl zuhauf für die Grünen, oder, falls politisch extremer eingestellt, für die CDU oder die Linken stimmen dürfte. Aber für eine SPD mit Kanzlerkandidat Kurt Beck? Au weia. Wenn nicht noch rechtzeitig Helmut Kohl die Namen der Spender einfallen oder Angie in Dänemark einmarschiert, dürften die Sozialdemokraten in zwei Jahren wohl das mieseste Ergebnisse ihrer Geschichte einfahren. Wetten werden angenommen.

17. Mai 2007

Kleine (Nicht-)Jogger-Typologie

Wenn man regelmäßig eine bestimmte Sportart betreibt, kommt man zwangsläufig mit denjenigen in Kontakt, die die gleiche Wahl getroffen haben. Während andere Spaß daran haben schwimmen zu gehen und bestückt mit Schwimmbrille Frauen von hinten zwischen die Beine zu glotzen, habe ich mich ganz unspektakulär fürs joggen entschieden. Meine Runden drehe ich am alten nördlichen Friedhof, ein adequater Ort, sollte mich der plötzliche Herztod ereilen. Dabei ist mir aufgefallen, dass sich dort zwar viele Leute in Laufklamotten rumtreiben, am Parcours angelangt dann aber alles andere machen als joggen. Hier die drei geläufigsten Typen:

Typ 1 - Die Handytante: Fast immer handelt es sich dabei um eine Frau, meist in neueste Sportdesignerware gewandet. Jung, hübsch, nur bei schönem Wetter unterwegs. Sobald sie das Feld betritt, klingelt ihr Handy, die nächsten 10 Minuten wird mit der besten Freundin der vergangene Diskoabend bequatscht. Wenn ich in der folgenden Runde vorbeikomme, muss erstmal eine ellenlange SMS geschrieben werden. Und beim nächsten mal ist sie schon wieder an der Strippe und erzählt ihrem Freund daheim, was es am Abend zu essen gibt. Solche Frauen gehen auch mitten beim vögeln ans Telefon, jede Wette.

Typ 2 - Die Dauerdehner: Geschlechtermäßig ungefähr 50/50, die Kleidung ist meist nicht allzu schick, aber zweckmäßig. Treten oft auch als Pärchen auf. Vor dem Start wird sich erst einmal mindestens 10-15 Minuten gedehnt. Vorzugsweise an den Bänken, die Beine werden gestreckt und gebeugt, manchmal wird sich auch auf den Rücken gelegt, die Knie angewinkelt. Sieht alles sehr professionell aus und jeder, der nicht auch Dehnübungen macht und einfach losrennt, bekommt strafende Blicke ab. "Wie ungesund. Gibt bestimmt bald ne Muskelzerrung. Wenn nicht noch schlimmer." Nach dem Anfangsdehnen folgt eine Runde Lauf, dann ausgiebiges Zwischendehnen, und nach noch einer Runde joggen das finale Enddehnen. Fazit nach einer halben Stunde: 25 Minuten dehnen, 5 Minuten laufen.

Typ 3 - Der Eheflüchter: So gut wie immer männlich. Alte, vergilbte Klamotten, die wohl zum Amtsantritt von Helmut Kohl schon bessere Tage gesehen hatten. Der meist mürrisch dreinschauende Mann gibt sich gar nicht erst die Mühe, den Anschein erwecken zu wollen, hier Sport zu betreiben. Meist geht er in langsamen Schritt durch den Park und raucht dabei die eine oder andere Zigarette. Setzt sich manchmal auch zu den Pennern auf die Parkbank und wechselt ein paar Worte. Der einzige Grund, warum er sich in die Sportkleidung schmeißt ist der, dass er zu seiner alten Xanthippe daheim sagen kann: "Erna, ich geh dann mal joggen. Bin die nächsten zwei Stunden (Tage, Jahre, für immer) weg."

14. Mai 2007

So regen wir die Ruder, stemmen uns gegen den Strom - und treiben doch stetig zurück, dem Vergangenen zu


Der letzte Satz aus "Der große Gatsby" von F. Scott Fitzgerald. Ein klasse Roman, keine 200 Seiten lang und trotzdem dicht und atmospährisch, nie aufdringlich, und leider auch sehr traurig. Eigentlich nicht gerade die richtige Lektüre bei Herzschmerz, vor allem wenn man sich vor Augen hält, dass sich der Autor nach ziemlich erfolglosen Veröffentlichungen und einer missglückten Ehe zu Tode gesoffen hat. Trotzdem noch eine Szene aus dem Buch, übrigens ziemlich gelungen mit Robert Redford und Mia Farrow verfilmt:

"Ich würde nicht zuviel von ihr verlangen", versuchte ich einzulenken. "Sie können die Vergangenheit nicht wiederholen."
"Nicht wiederholen?" rief er ungläubig aus. "Wieso, natürlich kann ich!"
Er blickte verstört um sich, als lauere die Vergangenheit hier oder da im Schatten seines Hauses, ohne dass er sie mit der Hand greifen konnte.
"Ich werde alles so wiederherstellen, wie es vordem war", sagte er und nickte finster entschlossen. "Sie soll sehen."
Er sprach des längeren über die Vergangenheit, und ich ahnte, dass er etwas wiederfinden wollte, vielleicht eine Idee seiner selbst, die in seiner Liebe zu Daisy aufgegangen war. Sein Leben war seitdem in Verwirrung und Unordnung geraten, doch wenn es ihm nur einmal gelänge, zu einem gewissen Ausgangspunkt zurückzukehren und alles noch einmal langsam zu überdenken, dann würde er schon herausfinden, was es war...

10. Mai 2007

Bilder der Vergangenheit

Als Heranwachsender sah ich einen Film, der mich sehr fasziniert hat: Es ging um Zeitreisen. Der Sprung in die Vergangenheit war ganz einfach: Man musste sich nur an einen historischen Ort begeben, in diesem Fall war es glaube ich eine alte Villa aus dem 19. Jahrhundert. Man musste die Augen schließen, fest an die vergangene Zeit denken, das Geschehene mit Bildern ausmalen. Und schwups, schon war der Protagonist des Films im vorvorigen Jahrhundert. Dort verliebte er sich in eine wunderschöne Frau und verbrachte glückliche Tage mit ihr. Unumstößliche Bedingung war aber, dass der Zeitreisende mit nichts Kontakt haben durfte, das mit seiner Herkunft zu tun hat. Akribisch genau hatte der Mann deshalb vorher seine Taschen geleert. Nur eine kleine Münze aus dem 20. Jahrhundert verblieb darin, und als er mit seiner Hand in die Hosentasche fuhr und das Geldstück berührte, wurde er wieder in die Zukunft geschleudert. Dort stand er dann im alten Haus und blickte nur noch auf das Gemälde seiner großen, in der Gegenwart schon längst verflossenen Liebe. Selbstredend war das Experiment aus irgendeinem Grund nicht wiederholbar, das Rad der Zeit hatte sich gedreht, verkeilt, und konnte nicht mehr zurückbewegt werden.

Manche Bilder der Vergangenheit haben sich mir so stark eingeprägt, dass auch ich meine, nur die Augen schließen zu brauchen, um mich wieder dorthin zu bewegen. Es sind keine ganzen Geschichten, nur kurze Eindrücke. An einem warmen, grünen Wintertag auf einer Küstenstraße auf den Azoren, der Blick aus dem geöffneten Seitenfenster auf den weiten Atlantik, die Meeresluft in der Nase und auf den Lippen. Eine Bank im Stanley Park in Vancouver, sie hat ihren Kopf auf meine Knie gelegt und im Gebüsch zwitschert ein mir unbekannter Vogel. Ein smaragdgrüner Kratersee im Osten Ugandas, der Kongo nicht weit, die stechende Sonne am Himmel. Und auch München, die Sicht über das Löwental im Schlosspark Nymphenburg, wo der Wind das im Juni noch nicht geschnittene, frische, hohe Gras hin und her wiegt. Gerne würde ich zu diesen Bildern eine Geschichte schreiben, aber ich weiß nicht, wo die Verbindung ist, der Schlüssel, der alles zusammenbringt.