29. April 2007

Im warmen Frühling

Ich wähle genau diesen Tisch, auch wenn die warme Aprilsonne ihn nicht mehr zur Gänze bestrahlt. Dafür steht er in unmittelbarer Nähe zum Springbrunnen, der mit seinem Geplätscher eine angenehme Erweiterung zum gemütlichen Biergartengemurmel einbringt. Auf dem Rand des Brunnens liegen weiße und rosa Kastanienblüten, die bei jedem Windstoß auch auf meinen Platz und in mein Bierglas regnen. Die Sonne steht schon tief. Das frische Frühlingsgrün der Bäume wird von hinten durchleuchtet und strahlt auf diese Weise noch kräftiger. Dazu im Kontrast der wolkenlose Himmel. Grün und blau, so intensiv. Eigentlich keine warmen Farben, doch in diesem Moment ist die Wärme greifbar. In den Krügen perlt die Kohlensäure sprudelnd gelb nach oben. Das Buch, das ich las, endete mit den Worten: „Mein Glück ist mein Zuhause“. Was würde ich dafür geben.

25. April 2007

Kolonialismus heute

"Wenn Frankreich noch ein paar Atolle zerstört hat, wenn die Franzosen es geschafft haben, die Inseln so zu verstrahlen, daß die Nacht hier zum glühenden Tag wird, wenn sie sämtliche Fischereirechte verkauft und die Inseln von Fischen befreit haben (der Archipel von Tahiti ist bereits überfischt), wenn alles gründlich ausgeplündert ist, werden die Franzosen eine große Zeremonie veranstalten und den arbeitslosen, entwurzelten Insulanern in ihren T-Shirts und Gummilatschen mit einer großzügigen Geste die Unabhängigkeit offerieren. Mit der Zerstörung der Inseln wird der kolonialpolitische Auftrag der Franzosen, ihre mission civilisatrice, erfüllt sein."

Paul Theroux: Die glücklichen Inseln Ozeaniens (Das Zitat ist harter Tobak, trifft es aber ziemlich gut. Ein fantastisches Reisebuch mal wieder von P.T., dem stets vorgworfen wird, zu gehässig und abschätzig zu urteilen. In Wahrheit zeichnet er sich jedoch durch einen hohen Grad an Emphatie aus, eine Eigenschaft, die eine reisender Schreiberling meiner Meinung nach nur schwer entbehren kann.

23. April 2007

So every day goes by...

"Nothing had changed at the hotel. There was no reason on earth why it should have, but I was vaguely disappointed. When you yourself have suffered considerably, it is hard to cope with the rest of the world's indifference to your experience, and upsetting to see how unmarked it is. You cannot understand its relentless preoccupation with the mundane."

William Boyd: Brazzaville Beach (Bis auf ein paar gute Sätze hat mich das Buch trotz der afrikanischen Kulisse übrigens nicht sehr vom Hocker gehauen. Boyd ist ein solider Schriftsteller, aber das isses auch.)

16. April 2007

Slow Talk

Über die Verzerrung der Reisegeschwindigkeit durch die "Errungenschaften" des interkontinentalen Flugverkehrs wurde ja schon viel geschrieben und (auch von mir) gejammert. Irgendwie erfreulich, dass eine Flugreise aber auch zu einer gewissen Entzerrung, ja gar Verlangsamung führen kann: Der Small Talk, den man mit dem Sitznachbar führt, ist oft durch längere Gesprächspausen unterbrochen, eine Antwort wird nicht gleich eine Zehntelsekunde nach der Frage erwartet, man weiß, dass man alle Zeit der Welt oder zumindest bis zur Landung des Fliegers hat, um die mehr oder weniger entscheidenden Punkte zu klären. Man lehnt sich zurück und wartet, bis der Gegenüber die passenden Worte gefunden hat. Seltsamerweise ist dies vor allem beim (oft nichtssagenden) Gespräch unter sich bis dato fremden Männer zu beobachten. Frauen plappern wie sonst auch in atemberaubender Geschwindigkeit drauf los, als wenn es kein morgen mehr gäbe. Oder schlafen den ganzen Flug über mit offenem Mund und sabbern aufs Nackenkissen.

3. April 2007

Pistensau

Meine Ex-Freundin war am Sonntag Ski fahren an einem der Hausberge von Vancouver, dem Cypress Mountain. Dabei hat sie obenstehendes Bild gemacht. Es zeigt eine Truppe Angestellte, die dafür zuständig sind, dass keiner zu schnell den Hang herunterfährt. Speed Control eben. Wie die das so ganz ohne Laserpistole machen, ist mir unklar. Ein Aprilscherz wars nicht, denn die tummeln sich da immer. Egal. Ich lasse mich trotzdem nicht schrecken und breche übermogen für 10 Tage zum Kontinent der unbegrenzten Verbote auf. Ab Donnerstag kann man unter dieser Internetadresse deshalb wieder den Erlebnissen von "Nitsch in Nordamerika" folgen. AWESOME!