31. März 2007

Vogelkunde

Meinen Traum, Reiseschriftsteller zu werden, muss ich wohl aufgeben. Nicht nur deshalb, weil das eigentlich jeder machen will, sondern auch, weil ich dazu anscheinend nicht Ornithologe genug bin. Fast alle großen und von mir bewunderten reisende Schreiberlinge haben irgendwie einen Vogelfimmel. Dass Redmond O'Hanlon während seiner Duschungeltrips immer am stärksten durch plötzlich durchs Gebüsch fliegende Vögel zu begeistern ist, mag ja noch annehmbar sein. Dass selbst Paul Theroux, wo immer auf dem Globus er sich auch befindet, gerne über diverse gefiederte Arten schreibt, macht die Sache schon penetranter. Aber dass mein Idol Bruce Chatwin auf einer seiner Afghanistan-Reisen sogar eine Wachtel adoptiert und im Käfig mit sich herumgeschleppt hat, das geht dann doch schon fast zu weit. Das muss ich mir dann echt nochmal überlegen. Den üblichen Kalauer zum Thema spare ich mir an dieser Stelle.

30. März 2007

Schwanensee

Einer der Gründe, warum ich bis raus nach Starnberg zum Frisör fahre. Am besten ganz früh am Morgen. Auch wenn Ihr mich immer alle auslacht deswegen...

28. März 2007

Alles relativ

Die Eigenschaft der Erde, eine Kugel zu sein, bringt ja folgendes mit sich: Egal, in welche Richtung man geht, fährt oder fliegt, ob nach Osten, Westen, Norden oder Süden, man entfernt sich zunächst zwar von einem bestimmten Ort, nähert sich dann aber auch immer wieder an. Das gleiche gilt natürlich auch für Personen an einem bestimmten Ort. Und je nach Person kann das ziemlich tröstlich, traurig oder auch ärgerlich sein.

23. März 2007

Afrika im Kino

Generell ist auf jeden Fall zu loben, dass Hollywood in letzter Zeit immer öfter versucht, sich einigermaßen authentisch mit Afrika außeinanderzusetzen. "Hotel Ruanda", "Blood Diamond" und nun "Der letzte König von Schottland". Die Saga über den finsteren Ugander Idi Amin ist gut, aber auch kein Meilenstein. Zu naiv lässt sich der vergnügunsfrohe Doktor vom Potentaten verführen, und letztendlich scheint es dem Film auch nur über den Anblick zerstückelter Frauenleiber zu gelingen, die Abgründe in der Seele Amins und das damit verbundene Trauma des ostafrikanischen Staates deutlich zu machen.

Irgendwie also die Bruno-Ganz-Hitler-Problematik: je mehr man diktatorische Monster als Mensch zeigen will, umso stärker läuft man Gefahr, dass am Schluss nur noch der nette Onkel mit ein paar Macken in Erinnerung bleibt. Trotzdem, auf jeden Fall ein sehenswerter Streifen, der mit wunderschönen Aufnahmen des grünen, auf weite Hügel gebetteten Ugandas aufwarten kann.

21. März 2007

Tipp: Hopfenkaltschale

Aus einem Artikel in der SZ zu möglichen Problemen mit der Sommerzeitumstellung:

"Um vorübergehende Einschlafstörungen in den Griff zu bekommen, seien naturheilkundliche Mittel aus Baldrian, Hopfen und Melisse zu empfehlen."

Da hätten sie auch mich fragen können. Das hab ich doch schon immer gewusst. Alkohol löst einfach fast alle Probleme und Sorgen.

8. März 2007

Do you really want to hurt me?

Meine erste Platte. Eigentlich hat sie meiner Mutter gehört. Oder meinem Vater? Weiß nicht mehr. Genau erinnere ich mich aber noch daran, an welcher Stelle im Wohnzimmer unseres Hauses in Buchendorf die Single-LP untergebracht war. Wie die Regalwand, vermutlich ein Vorgänger von Billy, beim Öffnen der Schublade nach Harz und geschnittenem Holz roch. Wie mich der damals noch langhaarige Boy George von der LP-Hülle anschielte. Wie ich damit vorsichtig zum Dual-Plattenspieler ging, der aussah wie eine braun getönte quadratische Tortenbox. Wie ich den Deckel abnahm, die richtige Geschwindigkeit einstellte, und leicht knisternd die ersten Töne den Raum erfüllten. So rund, so traurig und irgendwie doch so schön:
(…)
Words are few
I have spoken
I could waste a thousand years
Wrapped in sorrow
Words are token
Come inside and catch my tears
You've been talking but believe me
If its true
You do not know
This boy loves without a reason
I'm prepared to let you go
If its love you want from me
Then take it away
Everything is not what you see
It's over again
Do you really want to hurt me
Do you really want to make me cry
(…)

6. März 2007

Weisheit des Tages

"Nehmen Sie aber die gegenwärtige Ideologie einiger Amerikaner, es wäre Aufgabe des Westens, die Demokratie im Nahen Osten zu verbreiten und notfalls mit Gewalt. Auf so eine lebensgefährliche Ideologie wäre keiner aus meiner Generation gekommen."

Helmut Schmidt in der Zeitschrift Cicero auf die Frage nach der besonderen politischen Prägung der Kriegsgeneration. Sehr symphatisch an dem Mann ist zudem, dass er sich stets gewählt ausdrückt, in Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg aber meist nur von "dieser ganzen Scheiße" spricht.

Bullshit des Tages

"Die Redaktion mit den weißen Möbeln ist wie das Innere eines iPods. Es ist schön, religiös, modernistisch. Klarheit und Licht geben eine bemerkenswerte Konzentration auf die Arbeit. Mein Büro hat Wände aus Glas, es gibt keine Geheimnisse, keine Sonderregelungen. Das Team ist alles für mich. Es fällt mir aber auch nicht schwer, einsame Entscheidungen zu treffen."

Ulf Poschardt, Chefredakteur von Vanity Fair Deutschland in der Zeitschrift Cicero auf die Frage nach seinem Büro. Aua. Würde mich mal interessieren, wie weit ich mit einer Bewerbung bei Vanity Fair komme, wenn ich in meinem Anschreiben so einen Nonsens verzapfen würde.

4. März 2007

Tristesse pur

Wem sein eigenes Leben nicht tragisch genug ist, der sollte sich unbedingt den Film BABEL dieses unaussprechlichen mexikanischen Regisseurs anschauen: Fast 2 1/2 Stunden Unfähigkeit zur Kommunikation, ständiges Geheule, alles geht schief, Hysterie pur, größtmögliche Eskalation aus kleinstmöglichem Anlass. Am Ende ist dann ein marokkanischer Junge tot, diverse andere Berber übelst verprügelt, eine mexikanische Nanny des Landes verwiesen, ihr Neffe höchstwahrscheinlich im Knast. Dafür versöhnt sich ein amerikanisches Ehepaar und ein japanischer Vater mit seiner nie Unterhosen tragenden Schulmädchen-Tochter. Fazit: Das Leben ist scheiße, aber es gibt Lichtblicke. Mein Film wars nicht.