8. Januar 2007

Seifengeschichten Teil 1

Den Arenal konnten wir von der Terrasse unserer Blockhütte aus nur anhand des dumpfen Grollens erahnen. Ansonsten verbarg sich der berühmte Kegel hinter einer Wand aus Nieselregen und dickem Nebel. Es war feuchtschwül, und schon nach wenigen Metern begannen wir unter den Regencapes zu schwitzen. Eine gerodete Lichtung voller hölzerner Hotelbauten, danach der dichte, grüne Nebelwald, von dessen Blättern das Wasser tropften. Der Weg führte uns steil bergab in eine Schlucht, über uns sausten Touristen an Drahtseilen durch das trübe Blätterdach. Ihre Freudenschreie wurden nach weniger Metern vom immer lauter prasselnden Regen verschluckt. Wir gingen um eine matschige Kehre. Ich streifte einen Busch. Plötzlich ein stechender Schmerz am rechten Ringfinger. An zwei liegenden Pünktchen trat jeweils ein kleiner Tropfen Blut aus. Verdammt! Bestimmt eine tödliche Lanzenotter. Oder eines der hundert anderen giftigen Monster im Dschungel von Costa Rica. Die Inspektion des Busches brachte nichts zu Tage. Wahrscheinlich hatte ich nur noch kurze Zeit zu leben. Welchen Richtung des Rundwegs nehmen? Wieder zurück die Böschung hinauf oder geradeaus weiter. Lieber zurück. Man soll sich doch nach einer Vergiftung nicht anstrengen! Nach zwanzig Minuten zurück im Hotel lebte ich noch immer, wenngleich der Finger juckte. Um das todbringende Gift zu neutralisieren, beschlossen wir, uns in die heißen Thermen am Fuße des Vulkans zu begeben. Das half. Ich starb nicht im dampfenden Wasser des Schwimmbeckens. Gerade noch mal Glück gehabt. Der Urlaub konnte weitergehen.

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