31. Dezember 2007

Afrikanischer Jahreswechsel

Schade, dass ein weiterer afrikanischer Staatschef, vor wenigen Jahren noch als Hoffnungsträger gefeiert, es anscheinend nicht geschafft hat, die Finger von den Wahlurnen zu lassen. Schade, dass in den deutschen Medien trotz guter Korrespondenten meist erst dann ausführlicher über Afrika berichtet wird, wenn Tote auf den Straßen liegen. Schade auch, dass in einer schönen Stadt wie Kisumu Blut fließt und wieder einmal ethnische Zugehörigkeiten von Politikern zum Ausbau der eigenen Machtposition ausgenutzt werden. Schade, wie schnell ein augenscheinlich gefestigtes ostafrikanisches Land wieder ins Halbchaos abdriften kann. Schade, Schade, Schade. Kein guter Jahresschluss für Kenia.

20. Dezember 2007

Geografiefetischismus

Fantastisch, könnte [eigentlich: kann] ich stundenlang spielen:

http://www.travelpod.com/traveler-iq

Meine Highscore "Africa": 559.327 (Erster in der Tripadvisor-Rangliste, yeah)
Meine Highscore "World": 591.563 (213. in der Tripadvisor-Rangliste, nun ja)

18. Dezember 2007

They won't ever find us here

Mein Großonkel hatte eine Fabrik im Allgäu, nahe den Bergen, in der Webschützen hergestellt wurden. Es war ein großes Gelände mit hölzernen Lagerstadeln und graubeigen Fertigungshallen, mit nach Öl riechenden Kellern und geheimnisvollen Dachböden. Über den Werkbänken der Arbeiter hingen Kalender mit Bildern nackter Frauen. Das Grundstück grenzte an eine weitläufige Bundeswerkkaserne, und der üppige Gemüsegarten, dessen Himbeerstauden mir als Kind undurchdringbar wie der dichteste Dschungel erschienen, wurde an zwei Seiten von hohem Stacheldrahtzaun begrenzt und von meiner Großtante und meiner Oma jedes Jahr aufs Neue in ein hellgrünes, duftendes Sommerparadies verwandelt. Meiner Urgroßmutter, der die Zuckerkrankheit zu dieser Zeit noch nicht beide Beine genommen hatte, war es einmal gelungen, beim Gießen der Pflanzen einen Soldaten auf Patrouille von oben bis unten nass zu machen. Den Strom für seine Webschützenfabrik gewann mein Großonkel aus einer eigenen Turbine, ein rauschender Bach bahnte sich quer durch das Gelände, im Frühjahr trat der Kanal oft über die Ufer, einige Male wurden sogar Leichen angeschwemmt. Mein Vater fischte im Sommer ohne Angelschein nach Bachforellen, und wir Kinder standen Schmiere. Die gefangenen Fische schwammen dann noch für eine Gnadenstunde im Waschbecken der dunklen Fabrikhalle, die intensiv nach Sägespäne roch.

Ein großartiger Abenteuerspielplatz für Kinder. Zu jedem der bisher geschriebenen Sätze könnte ich Seiten schreiben. Gestern Nach hatte ich einen Traum. Die Fabrikhallen gab es nicht mehr, in eins der Lager war eine billige Kneipe eingezogen. Das Wasser des Baches floss nicht mehr, die Turbinen standen still. Fische schwammen mit dem Bauch nach oben im dunklen Nass. Der Oberlauf des Kanals, der sich früher durch eine bunte, stets ungemähte Wiese bis zu den Rechen des Kraftwerks wandte, war zubetoniert und dem Auge entzogen. Hinter den Fenstern der Wohnung meines Großonkel brannte Licht, es waren Schatten zu sehen, doch die Fenster blieben geschlossen.

Wenn man sich etwas Mühe gibt, kann man den heute brach liegenden Gemüsegarten bei Google Earth erkennen.

12. Dezember 2007

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Neger

Die Irritationen um den EU-Afrika-Gipfel sind ja wirklich lustig, wenn es nicht gleichzeitig so traurig wäre: Dass Angie Merkel den zimbabwischen Präsidenten Mugabe wegen der katastrophalen Lage in seinem Land schimpft, ist einerseits mutig, andererseits aber auch risikolos, denn dass Mugabe (außen-)politisch nichts mehr reißt und trotzdem an seiner Meinung festhält, ist klar wie Kloßbrühe. Eher lassen sich die Castro-Brothers bei einem Staatsbankett im weißen Haus blicken, als dass der Ex-Befreiungskämpfer ein gutes Wort über die ehemaligen Kolonialmächte verliert.

Man hört, dass Afrika und Europa "auf Augenhöhe" diskutiert hätten. Aha. Worüber denn? Irgendwie ging es um Zölle und bevorzugte Wirtschaftsbedingungen. In die Presse schaffen es dann aber doch die Schimpftiraden des zimbabwischen Informationsministers. Von einem Mann, von dem bisher, wie vermutlich von jedem anderen Minister südlich der Sahara, in der europäischen Presse wenig bis gar nichts zu lesen war. Dass allerdings nicht nur Despoten der Hut hochgeht, wenn Europa mal wieder über Menschenrechte referiert (ich erlaube mir nur den Hinweis auf humanitäre Glanzleistungen im Umgang mit den Bootsflüchtlingen im Mittelmeer), zeigen auch die Reaktionen eher gemäßigter afrikanischer Politiker wie Thabo Mbeki.

Also alles wie gehabt. Ab und zu lässt man sich mal mit den Schwarzen sehen, bekundet guten Willen und schüttelt Hände. Am lustigsten ist es aber immer noch, wenn die Jungs sich wie Kinder benehmen. Die Neger halt.

10. Dezember 2007

Größte Trendkacke des Jahres: Crocs

Genau. Diese bunten Plastiklatschen. Trägt man die eigentlich mit Socken oder ohne? Egal. Schon als ich die Dinger 2006 in Vancouver sah, schwante mir Böses. Klar, dass dieser Kram in diesem Jahr auch nach Deutschland schwappen musste. Wer wie ich auf dem Land aufgewachsen ist, dem war diese Erscheinung noch nie ganz unbekannt: In Olivgrün wurden solche Galoschen schon immer von Bauern getragen, um im Kuhstall die Scheiße zusammenzuschippen und mit dem Schubkarren auf den Misthaufen zu fahren. Echt praktisch. Doch lassen wir lieber den General Manager von Crocs Europe Dick Wijsman zu Wort kommen, denn manches spricht einfach für sich:

"Wer sie einmal am Fuß hatte, ist überzeugt [dass er die Käsemaucken nie wieder loskriegt; Anm. des Autors]. Sie sehen auch ungewöhnlich aus [wo der gute Mann recht hat hat er recht]. Seit April 2005 bin ich mit Crocs auf Expansionskurs in allen europäischen Märkten [Hörthört]. Die 'Jibbitz' genannten Plastikstecker geben ihnen eine persönliche Note [sind grellrote Plastikpuppenschuhe mit Löchern noch nicht persönlich genug?]. Mein 'Schmuckstück' ist eine Extraanfertigung: ein Totenkopf mit schwarzen Diamanten [Achwietoll! War ja klar sowas. Der sollte sich mal mit Ulf Poschardt unterhalten.]"

Gelesen im aktuellen ZEIT-Magazin Leben Nr. 50. Zu dessen unaufhaltsamen Niveauverlust unter Senkrechtstarter Cristoph Amend man auch eine Menge sagen könnte. Aber genug geschimpft für heute.

3. Dezember 2007

Hattrick

Ausgelesen: Sonst mit Vorliebe im Regenwald unterwegs, verschlägt es den Reiseliteraten Redmond O’Hanlon in seinem Roman „Trawler“ diesmal an Bord eines schottischen Arktis-Fischers. Gut geschildert ist der Lagerkoller, der die Mannschaft nach schlaflosen Tagen auf See bei Windstärke acht und mehr befällt. Schön auch, wie liebevoll der Autor die Weisheiten einfacher Männer aufzeichnet. Manchmal etwas zu viel Meeresbiologie, trotzdem sehr lesenswert.

Ausbefohlen: Mit knapper Mehrheit haben die Venezolaner das Referendum ihres Präsidenten Hugo Chavez abgelehnt, in dem dieser sich unter anderem auf Lebzeiten wählbar machen wollte. Auf der weltweiten Rangliste totalitärer Regime ist das südamerikanische Land also definitiv hinter Russland abgerutscht. Interessant auch, dass Chavez die Niederlage in dieser demokratische Abstimmung anscheinend hinzunehmen scheint.

Ausprobiert: Nach drei Tagen mit meinem neuen Smartphone Sony Ericsson P1i bin ich ziemlich begeistert. Die WiFi-Funktion peppt so ein Handy schon ganz schön auf, und UMTS ist im Vergleich zu GPRS recht imposant. Das allerbeste: Das P1i kostet ohne Vertrag weniger als das iPhone mit. Ich weiß noch, wie ich mir vor Jahren beim Kauf des ersten SE-Smartphones anhören musste, wozu denn so ein komischer Touchscreen gut sei. Heute ist das dank Apple das tollste. PR können sie, das muss man den Jungs aus Cupertino lassen.

19. November 2007

Zitate zur Zurückhaltung

"Ich bin normalerweise ein kühler Mensch, und gegenüber Ausländern bin ich auch nicht freundlicher. Da käme keiner auf die Idee, mich in die Sauna einzuladen."
Helmut Schmidt im ZEIT-Magazin Nr. 47 auf die Frage, ob er schon mal mit einem russischen Politiker im Schwitzbad war.
"Eine dieser schönen Frauen um die Vierzig, die ihn schon immer dermaßen in Erregung versetzt hatten, dass er noch heute, in seinem Alter, wenn er einer Frau diesen Typs [sic!] auf der Straße begegnete, sogar sich selbst gegenüber so tat, als habe er sie nicht bemerkt."
Der Protagonist in Giorgio Bassanis schaurig-schönem Roman "Der Reiher".

12. November 2007

Hosen runter!

Habe gerade gemerkt, dass es im Internet ja sogenannte "Links" gibt und man nicht alles doppelt veröffentlichen muss! Potzblitz! Wen also interessiert, was ich mir in letzter Zeit so auf DVD reingezogen habe, der kann sich meine Kurzkritiken bei Netleih ja mal genauer ansehen. Auch rechts über die Linkleiste anzusurfen.

8. November 2007

Bloß nicht Hillary!

Ich nehme ja jetzt schon Wetten entgegen, dass bei einem Zweikampf Mrs. Clinton / Mr. Giuliani der ehemalige Bürgermeister von New York das Rennen um das Präsidentenamt gewinnen wird. Auch wenn dessen Bibeltreue von den Konservativen bemängelt wird, stellt er wohl immer noch das kleinere Übel dar als die als ultralinks wahrgenommene Hillary. Wo in weiten Kreisen liberal schon als Schimpfwort gilt, hat eine nichtkonservative Powerfrau denkbar schlechte Karten. Ach, Amerika.

30. Oktober 2007

Gehirnströme

Auszüge aus meinem momentanen Schädelinhalt: Mag was für Insider sein, aber der kanadische Dollar ist erstmals seit 30 Jahren wieder stärker als der US-Dollar. Roland Koch bzw. dessen Referenten wollen mir die Domain "www.stoppt-koch.de" nicht abkaufen. "Sehen das gelassen" und wollen ihr Geld "für wichtigere Dinge ausgeben". Hm. Die CDU wird ja noch richtig locker.

Ein Ratespiel am Schluss, wer hat wohl folgenden Satz gesagt: Ich komm grad aus der Gretel raus.

a) Neugeborenes im Kreißsaal zum Chefarzt
b) Frau ins Handy beim Verlassen des Gemüsemarktes
c) Hänsel

Wer jetzt sagt, viel hat der Nitsch ja nicht in der Birne, der mag recht haben. Da sämtliche Zugänge aufgrund meiner leider nun schon zweiten Herbsterkältung dicht sind und nichts vernünftiges nachkommt, ist das aber auch kein großes Wunder.

28. Oktober 2007

Auf der Schiene

Mal abgesehen davon, dass ich aufgrund des Lokführerstreiks selbst am Freitag Nachmittag noch in den Genuss einer eher ungewöhnlichen Streckenführung nach Regensburg kam, kann die Bahn auch mit anderen Highlights aufwarten: Ein (italienischer) Service-Inder, der im Regionalexpress die Abteiltür aufreist und "Wanna black tea, green tea, coffee, wanna mangiare" brüllt, was aus dem Nebenabteil mit "Bringst ma no a Halbe!" quittiert wird. Außerdem aufgefallen ist mir, dass an vielen kleinen Bahnübergängen ohne Schranke Männer mit orangenen Westen bei der Durchfahrt des Zuges den Autoverkehr stoppen. Erlebt der Beruf des Bahnübergangwärters in Zeiten des Ein-Euro-Jobs etwa ein Revival?

23. Oktober 2007

Systembeobachtungen

Die Nettolöhne liegen so niedrig wie seit zwanzig Jahren nicht mehr, die Inflation jedoch steigt deutlich. Die Krankmeldungen bewegen sich im marginalen Bereich, der DAX befindet sich in luftigen Höhen. Wer keine Arbeit hat, bekommt vom Staat so wenig Unterstützung wie möglich, wer einen Job hat, arbeitet so viel wie noch nie. Der Vorzeige-Arbeitsnehmer ist flexibel bis zur Selbstaufgabe, Familie und Feundeskreis hat er oft schon aufgegeben. Irgendwie verständlich, dass für immer mehr Menschen das nicht die Welt ist, in der sie leben wollen. Und verwunderlich, dass die Linkspartei nur bei 10% rumgurkt.

16. Oktober 2007

Wer ist dieser Mann?

Dieses famose Plakat und der darauf beworbene Fabio Nardi leuchtete mir von einer Häuserwand in der Altstadt Palermos entgegen. Sogleich begeistert, versuche ich seitdem, etwas über das Schaffen dieses italienischen Posterboys zu erfahren. Ist er ein Sänger? Schauspieler? Kleinkünstler? Handelt es sich um die Kontaktanzeige eines heiratswilligen jungen Mannes? Ist er Vorsitzender des örtlichen Pasta- und Salsiccia-Fanclubs? Fragen über Fragen. Auch Google ist diesmal ratlos. Man erhält bei der Suche nach dem Namen des Unbekannten lediglich Einträge über einen italienischen Fotografen, der bevorzugt stark geschminkte, halbnackte Frauen fotografiert. Über den palermitanischen Fabio Nardi hingegen nichts. Ich sehe mich also gezwungen, meine Suche hiermit öffentlich zu machen. Kann mir irgendwer irgendwas über diesen Mann sagen?

12. Oktober 2007

10. Oktober 2007

Terror mit dem Nudelholz

Im Rummel um die optische Neugestaltung der FAZ vergisst man leicht, dass wenigstens DIE WELT noch zu den rechtskonservativen Büchsenspannern der Nation gehört. In ihrer gestrigen Ausgabe gibt sich das Hamburger Blatt auf Seite 3 als großer Freund der schäubleschen Online-Durchsuchung zu erkennen. Während in einem Einspalter die Datenschutz-Bemühungen einiger FDP-Politiker noch recht harmlos als "klagefreudig" und die Ansichten des Bundesverfassungsgerichtes mehrfach als "streng" bezeichnet werden, geht man in einem Interview mit Ex-BKA-Präsident Zachert in die Vollen. Der Warner erster Güte reiht sich in Schäubles Atom-Endzeit-Szenarios ein und bemerkt: "Ich möchte nicht Kassandra spielen, aber wir werden nicht von einem Anschlag verschont bleiben. Müssen erst Hunderte von Toten auf der Straße liegen? Dann wird sich niemand mehr gegen das neue BKA-Gesetz [inkl. Online-Durchsuchung, Anm. d. Aut.] stellen". Klingt irgendwie so, also würde er den Anschlag am liebsten selbst erledigen, damit sich endlich mal was tut.

Dass von Seiten der Polizei auch durchaus Lesenswertes kommen kann, erfährt man bei den Pressemitteilungen des Münchner Polizeipräsidiums. Etwas bemüht lustig, aber trotzdem ganz nett heißt es dort über einen angetrunkenen Familienvater: "Da in diesem Fall keine polizeiliche Vorschrift Anwendung findet, kann aufgrund des wenig erfreuten Gesichtsausdruck der Mutter die Ahndung per Bratpfanne oder Nudelholz vermutet werden."

8. Oktober 2007

Wieder da

Der Blick in meinen Hinterhof ist zwar auch ganz schön, trotzdem werde ich diese Aussicht beim Aufstehen vermissen. In Kürze ein paar Worte mehr zu ruhigen Tagen auf Sizilien.

29. September 2007

Sommerurlaub II

So, bin noch mal weg für eine Woche, das schöne Sizilien ruft mit 25 Grad und Sonne. Ohne Computer. Wenn ich jetzt noch das Wort **FIA hier einbauen würde, hätte ich gleich ein Dutzend Klicks mehr. Mach ich aber nicht. Und tschüss...

16. September 2007

Elitär, aber gut

Als Millionär Afrika im Privathubschrauber zu überfliegen und von oben Fotos zu schießen, mutet zunächst einmal sehr elitär an. Ist es auch. Trotzdem sind dabei Aufnahmen entstanden, die man anders eben nicht hinbekommen kann. In der Münchner Galerie Baumgartl werden derzeit die als Eyes over Africa betitelten Bilder von Michael Poliza gezeigt. Aufgrund des ungewöhnlichen Blickwinkels und teils beindruckender Farbkompositionen nicht nur für Afrika-Fans empfehlenswert. Wen das nicht interessiert, für den sind vielleicht schon die Räume der Galerie Baumgartl interessant. Geldig, aber gekonnt. Also passend zur derzeitigen Ausstellung. Hingehen.


14. September 2007

Die letzten echten Männer

Manche Berufe bedingen wohl ein ganz bestimmtes Aussehen des Angestellten. Ein solcher Fall sind Schuh- und Schlüsseldienste. Eine interessante Frage wäre in diesem Zusammenhang, warum sich branchentechnisch gerade Schuhreparateure und Schlüsselschleifer zusammen getan haben. Doch das vielleicht ein andermal, zurück zum Menschen, der hinter dem Verkaufstresen steht: Es ist immer ein Mann. Und was für einer. Die leicht ergrauten Haare wild und ungebremst, auch die auf der Brust, hervorquellend durch das weit aufgeknöpfte Hemd. Den Arbeitskittel nachlässig gebunden, im Gesicht ein Schnauzer. Obligatorisch die goldene Halskette oder zumindest ein bestechendes Armband. Höflich tritt man mit seinem Anliegen an sie heran, stets fürchtend, abgewiesen zu werden oder zumindest einen besonders heftigen Wutausbruch zu provozieren. Sind alle besonders kernigen Schlüsselpolierer bei Mister Minit, weil die Profession der Hufeisenschmiede längst ausgestorben ist? Geben sich die Schuhsohlenhandwerker deswegen so männlich, weil in ihren kräftigen Händen oft zarte Damenschuhe der Bearbeitung harren und sie sich eigentlich dafür schämen, ihre Aufmerksamkeit solch Frauentand widmen zu müssen? Ich weiß es nicht.

30. August 2007

Doppelmoral für Anfänger

Also bisher war ich ja eigentlich immer gegen die Diskriminierung von Homosexuellen, aber wenn ich mir überlage, dass diese Toleranz auch für erzkonservative US-Republikaner gelten soll, muss ich meine Meinung vielleicht noch einmal überdenken. Ganz großes Kino übrigens, wie der Klappen-Senator die Journalisten bei der 'Ich bin aber gar nicht schwul! -Pressekonferenz' begrüßt hat: "Thank you all for coming out today!"

28. August 2007

Eiszäpfle











Eins muss man den Schwaben ja lassen: Feste können sie feiern. Naja, trotzdem gut, dass auch ein paar Münchner da waren, sonst wären womöglich noch ein paar Bier übrig geblieben...

22. August 2007

Das Ei des Chatwin

Habe mir heute Pflaumen gekauft, denen aufgrund ihrer Maserung der Name "Brontosaurus Egg" verpasst wurde. Siehe die folgende Collage. Ob der Namensgeber ein Fan von Bruce Chatwin war? Dessen Roman "In Patagonia" beginnt nämlich so:

16. August 2007

Jedem Tierchen...

Durch diese Suchbegriffe sind laut Statistik Surfer auf Nitsch @ Home gestoßen:
  • helmut schmidt fremdgehen
  • schuhe ausschnüffeln
  • was ist ein frotzler?
  • mein ex ist franzose
Warum das so ist weiß ich nicht. Ich begrüße trotzdem alle Schuhfetischisten und Menschen, die mit Helmut Schmidt fremdgehen wollen, weil sie über ihren französischen Ex-Freund noch nicht hinweggekommen sind. Frotzlige Grüße, Euer Nitsch.

13. August 2007

Millions of images

Die Dokumentation meiner frühen Kindheit besteht aus ein paar Dutzend immer mehr vergilbenden, kleinformatigen Farbfotos aus den Siebzigern. Dazu eine Handvoll kaum abspielbarer Musikkassetten mit Baby-Blabla und Rumgegluckse. Das wars. Videos gabs nicht, digitale Speichermedien schon gleich gar nicht.

Ein durchschnittliches Neugeborenes wird heute schon beim Aus-der-Mutter-flutschen per Camcorder auf Festplatte und DVD gebannt. Natürlich hat der oder die Kleine auch eine Homepage oder besser noch einen Blog, in dem rund 5% der abertausend in den ersten Lebensjahren aufgenommenen Digitalbilder veröffentlicht werden.

Was ich mich frage: Mal angenommen, die jetzigen Kleinkinder sind mal so alt wie ich, Anfang dreißig, und besitzen etliche Gigabyte Datenmaterial über ihre ersten Jahre als Erdenbürger, verändert das irgendwas? Sieht man diese frühkindliche Vergangenheit, an die sich die meisten wohl nicht mehr bewusst erinnern können, dann irgendwie anders? Versteht man sich besser, wenn man sich in Farbe, mit Sound, mit Gästebuch und bei jeder auch nur möglichen Pose und Geste betrachten kann?

4. August 2007

Bilder aus Slokratien

Hier wie versprochen ein paar Bilder aus Slokratien. Parallel zum Verlauf der Route, so dass eifrige Fotoerkenner dem Reiseverlauf folgen können. Außerdem wie immer ein Suchbild, auf dem ich mich irgendwo verstecke.




Bilder aus Krowenien




1. August 2007

I'll never forget Bled

So, wieder aus Slokratien zurück. Erste Eindrücke, ein paar Fotos werden folgen: Ljubljana, Metropole Sloweniens ist eine äußerst entspannte Hauptstadt mit einem überschaubaren, architektonisch beeindruckenden Stadtkern mit viel Flair. Nicht zu ausgestorben und nicht zu voll. Generell ist (das Landesinnere) Sloweniens touristisch noch nicht versaut und ich hatte den Eindruck, als freuten sich die Einwohner über jeden Reisenden. Ein Zustand, den ich so in Europa nicht mehr erwartet hätte. Im kroatischen Istrien geht es da schon bevölkerter zu und gerade an den Küsten ist es jetzt zur Hauptsaison manchmal schon grenzwertig. Weicht man jedoch ins Hinterland aus, bieten sich dem Auge von kleinen, pittoresken Wehrdörfern auf hohen Hügeln fantastische Ausblicke auf die mediterrane Szenerie. Pekuniär gesehen ist Kroatien äußerst günstig, aber selbst im Neu-Euroland Slowenien ist die Verwunderung groß, wenn man für drei Getränke, zwei Schokoriegel und eine Packung Chips selbst an der Autobahntanke keine fünf Euro zahlt. Erstes Fazit: Da ich mir die schönen Ecken in Slokratien weiterhin so friedlich wünsche, kann ich eigentlich keinem von Euch empfehlen, auch mal dorthin zu brausen. Bleibt lieber daheim oder fahrt nach Italien oder in den Kongo oder nach Nordwestsulawesi. Soll ja auch ganz schön sein.

25. Juli 2007

Ab in den Süden

Da sich hier gerade eh nicht viel tut (Schreibblockade), vergrößere ich das Sommerloch noch ein wenig und verabschiede mich bis Anfang August in die Ferien. Reiseziel: Slowenien und Kroatien, der Einfachheit halber Slokratien gennant. Erster Stopp bei Jubeljana. Danach an die Adriaküste. Endlich mal wieder baden im Meerwasser. Hurra. Ohne Notebook. Man sieht sich.

13. Juli 2007

Fliegeralarm!

Mein Mitbewohner und ich machen derzeit einen Pilotenlehrgang. Nic ist eher der Helikopterchef (Codename "Airwolf"), ich der Doppeldeckerpilot (Codename "Radlerschreck"). Bei ersten Testflügen im Luitpoldpark macht sich große Begeisterung breit. Panik nur dann, als ein Killerbienenschwarm das laute Surren der Propeller offenbar für einen feindlichen Stamm hält und wild hinterhersaust. Frauen gucken amüsiert und flüchten bald, Kinder staunen und Männer verwickeln uns in detailreiche Technikgespräche. Was man nicht alles an einem freien Freitag machen kann. Mehr über die tollen Teile auf dieser fein gemachten Seite.

9. Juli 2007

Schäuble und die Sau...

...die er andauernd durchs Dorf treibt. Mich würde schon mal interessieren, was der gute Innenminister eigentlich vorhat. Die Liste seiner genialen Einfälle (Bundeswehr im Inneren, ausschnüffeln von Privat-PCs, vorsorgliches Erschießen von Terroristen etc.) ist dermaßen effekthaschend und politisch unkorrekt, dass Schäuble damit einfach einen tieferes Zweck verfolgen muss. Selbst als Linker kann man sich über des Schwaben To-Do-Liste kaum mehr echauffieren, weil man stets das Gefühl hat, Schäuble verarscht einen eh nur. Ich würde mich nicht wundern, wenn er übermorgen die Sprengung von mehrheitlich muslimisch bewohnten Stadtteilen oder die Verhaftung aller Internetuser fordern würde. Der einzige, der offenbar immer noch davon ausgeht, dass der Bundesminister es wirklich ernst meint, ist Heribert Prantl. Der sitzt allzeit bereit vorm PC und hat spätestens 20 Minuten nach der ersten dpa-Meldung eine glühende Erwiderung auf Schäuble parat. Vielleicht macht der das auch nur, um Prantl zu ärgern. Ja, das könnte sein.

23. Juni 2007

Soweit die Füße (ohne Schuhe) tragen...

Kerniger wäre es ja, wenn der Nic und ich in unserer Männer-WG ein paar von Orgien liegen gebliebene, unzuordenbare Frauenslips oder BHs gefunden hätten. Fehlanzeige. Statt dessen spuckte unser Flurschrank neulich ein paar Schuhe aus, die keinem von uns beiden passen oder je gehört haben. Hier also die Vermisstenanzeige: Schwarze, glänzende Herrenschuhe mit Schnallenverschluss, Marke Piere Cardin, Schuhgröße 43/44, Zustand gut, suchen vergesslichen Träger. Bitte schnell melden, sonst haut sie der Nic bald bei Ebay rein. [Im Übrigen tippe ich auf Rainer H.]

18. Juni 2007

Die Isar flussabwärts

Der Himmel tiefblau, die Uferböschung intensivgrün, mal hell, mal dunkel, Schatten und Licht. Der Fahrradweg rechts der Isar ist an diesem Sonntagvormittag noch nicht die Rennstrecke, die er in ein paar Stunden sein wird. Die Auen sind jetzt im Juni noch ungemäht und hinter dem dichten Blattwerk der Baumgruppen erhebt sich auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses die St.-Maximilians-Kirche. Sie wird mit Notre Dame in Paris verglichen und hier im Grünen fühle ich mich beim Anblick der beiden Türme so, als würde ich an einem sommerlichen Tag im späten Mittelalter vom gemächlichen, ursprünglichen Land in bebautes, städtisches Gebiet kommen. Auf Höhe der Museumsinsel legen sich die ersten Sonnenanbeter auf die gemächlich von der Isar umspülten Kiesbänke. Ein paar Meter hinter dem Müllerschen Volksbad stürzen die dunkelgrünen Wässer schon wieder rauschend über das Wehr, das Licht bricht sich in der Gischt des Aufpralls. Ein paar Momente später glitzert der Friedensengel hoch in der Sonne, seinen Blick gütig über die Isar hinweg auf München gerichtet, das an diesem Sommermorgen noch mit der vom Vortag gespeicherten Wärme erwacht.

11. Juni 2007

Mein Name ist Hase...

Treffender als die Rubrik verboten in der heutigen taz kann man es eigentlich nicht ausdrücken:

"Aber natürlich hat verboten der Polizei geglaubt, dass der von G-8-Demoteilnehmern als Zivilbeamter enttarnte Provokateur gar kein Polizist war. Jetzt, wo die Polizei endlich zugegeben hat, dass er doch einer war, glaubt verboten ihr eben stattdessen, dass der Mann gar nicht zum Steinewerfen aufgefordert hat. Wir glauben auch dem Polizeisprecher, der gesagt hat, keine Behörde habe jemals irgendwo einen agent provocateur eingeschleust, niemals. Wir glauben das gerne.

Irgendwas muss man ja glauben.

PS: Noch peinlicher als die Öffentlichkeitsarbeit der Polizei ist allerdings die Tatsache, dass der Zivilpolizist unter anderem deswegen aufgefallen ist, weil er Mitdemonstranten gesiezt hat."

8. Juni 2007

Volle Kraft zurück

Politische Gruppierungen werden mir immer dann suspekt, wenn sie allen Ernstes behaupten, Probleme ließen sich dadurch lösen, indem man das Rad einfach zurückdreht. Ob dies nun rechtsextreme Blödbirnen sind, die am liebsten alle Ausländer rausschmeißen würden oder linke Idealisten, die die 35-Stunden-Woche mit dreijährigem Kündigungsschutz wieder einführen wollen. Oder Technikfeinde und Globalisierungsgegner, die im Idealfall das Internet abschalten und den internationalen Flugverkehr einfrieren möchten. Zurück zum edlen Wilden, der glücklich und zufrieden im Busch haust.

All diese Leute sollten sich vielleicht zur GPD (Gatsby Partei Deutschland) zusammenschließen, benannt nach dem Romanhelden, der die Vergangenheit wieder zum Leben erwecken will. Eifrige Blogleser wissen ja Bescheid. Gatsby endet mit einer Kugel im Rücken in seinem Pool treibend. So viel dazu.

Eine Hommage an den edlen Wilden findet sich übrigens in der aktuellen Zeit, leider nur in der Printausgabe, im Wirtschaftsteil. Die Autorin fällt mir gerade nicht ein. Folgt man der Statistik, leben in Vanuatu die glücklichsten Menschen dieses Erdballs, und das, obwohl / weil auf den kleinen Inselchen das Geld knapp und jedweder Luxus fremd ist. Hört sich nebenbei gesagt nach einem guten Austragungsort für den nächsten G8-Gipfel an.

30. Mai 2007

Traumdeuter zu mir!

In meinem Briefkasten fand sich ein Umschlag, darin ein handgeschriebener, verknickter Zettel, auf dem mit krakeliger Schrift stand: "Sie haben bei Ihrer Bewerbung die Referenznummer vergessen. Bleiben Sie doch lieber daheim." Kein Absender, kein Briefkopf, nichts. Ich war mir trotzdem ziemlich sicher, von welcher Firma diese Absage stammte und war empört, weil es sich doch um eine Initiativbewerbung gehandelt hatte. Auf welche Referenznummer hätte ich mich denn beziehen sollen? Und überhaupt, diese schlampige Absage, da gibt man sich mit der Bewerbung Mühe, und dann so was! Nahm mir fest vor, diese Unhöflichkeit in meinem Blog anzuprangern. Was hiermit geschehen ist. Auch wenn das Ganze nur ein nächtlicher Traum war.

22. Mai 2007

Pfälzer Mecki Superstar

Quadriga, wenn ich das schon höre. Die neue Führungsspitze der SPD. Das schwächste Glied ist jetzt schon ausgemacht. Glaubt eigentlich irgendjemand im Ernst, Beck könnte 2009 Angela Merkel ablösen? Pardon, falls ich zu sehr auf Personen statt auf Programme achte, aber wer z.b. aus der Schicht der 25-35jährigen Stadtbevölkerung soll denn bitte Mecki zum Kanzler wählen? Eine Gruppe, die durch 16 Jahre Kohl und seinen pfälzer Dialekt traumatisiert wurde? Eine Wählerschaft, die wohl zuhauf für die Grünen, oder, falls politisch extremer eingestellt, für die CDU oder die Linken stimmen dürfte. Aber für eine SPD mit Kanzlerkandidat Kurt Beck? Au weia. Wenn nicht noch rechtzeitig Helmut Kohl die Namen der Spender einfallen oder Angie in Dänemark einmarschiert, dürften die Sozialdemokraten in zwei Jahren wohl das mieseste Ergebnisse ihrer Geschichte einfahren. Wetten werden angenommen.

17. Mai 2007

Kleine (Nicht-)Jogger-Typologie

Wenn man regelmäßig eine bestimmte Sportart betreibt, kommt man zwangsläufig mit denjenigen in Kontakt, die die gleiche Wahl getroffen haben. Während andere Spaß daran haben schwimmen zu gehen und bestückt mit Schwimmbrille Frauen von hinten zwischen die Beine zu glotzen, habe ich mich ganz unspektakulär fürs joggen entschieden. Meine Runden drehe ich am alten nördlichen Friedhof, ein adequater Ort, sollte mich der plötzliche Herztod ereilen. Dabei ist mir aufgefallen, dass sich dort zwar viele Leute in Laufklamotten rumtreiben, am Parcours angelangt dann aber alles andere machen als joggen. Hier die drei geläufigsten Typen:

Typ 1 - Die Handytante: Fast immer handelt es sich dabei um eine Frau, meist in neueste Sportdesignerware gewandet. Jung, hübsch, nur bei schönem Wetter unterwegs. Sobald sie das Feld betritt, klingelt ihr Handy, die nächsten 10 Minuten wird mit der besten Freundin der vergangene Diskoabend bequatscht. Wenn ich in der folgenden Runde vorbeikomme, muss erstmal eine ellenlange SMS geschrieben werden. Und beim nächsten mal ist sie schon wieder an der Strippe und erzählt ihrem Freund daheim, was es am Abend zu essen gibt. Solche Frauen gehen auch mitten beim vögeln ans Telefon, jede Wette.

Typ 2 - Die Dauerdehner: Geschlechtermäßig ungefähr 50/50, die Kleidung ist meist nicht allzu schick, aber zweckmäßig. Treten oft auch als Pärchen auf. Vor dem Start wird sich erst einmal mindestens 10-15 Minuten gedehnt. Vorzugsweise an den Bänken, die Beine werden gestreckt und gebeugt, manchmal wird sich auch auf den Rücken gelegt, die Knie angewinkelt. Sieht alles sehr professionell aus und jeder, der nicht auch Dehnübungen macht und einfach losrennt, bekommt strafende Blicke ab. "Wie ungesund. Gibt bestimmt bald ne Muskelzerrung. Wenn nicht noch schlimmer." Nach dem Anfangsdehnen folgt eine Runde Lauf, dann ausgiebiges Zwischendehnen, und nach noch einer Runde joggen das finale Enddehnen. Fazit nach einer halben Stunde: 25 Minuten dehnen, 5 Minuten laufen.

Typ 3 - Der Eheflüchter: So gut wie immer männlich. Alte, vergilbte Klamotten, die wohl zum Amtsantritt von Helmut Kohl schon bessere Tage gesehen hatten. Der meist mürrisch dreinschauende Mann gibt sich gar nicht erst die Mühe, den Anschein erwecken zu wollen, hier Sport zu betreiben. Meist geht er in langsamen Schritt durch den Park und raucht dabei die eine oder andere Zigarette. Setzt sich manchmal auch zu den Pennern auf die Parkbank und wechselt ein paar Worte. Der einzige Grund, warum er sich in die Sportkleidung schmeißt ist der, dass er zu seiner alten Xanthippe daheim sagen kann: "Erna, ich geh dann mal joggen. Bin die nächsten zwei Stunden (Tage, Jahre, für immer) weg."

14. Mai 2007

So regen wir die Ruder, stemmen uns gegen den Strom - und treiben doch stetig zurück, dem Vergangenen zu


Der letzte Satz aus "Der große Gatsby" von F. Scott Fitzgerald. Ein klasse Roman, keine 200 Seiten lang und trotzdem dicht und atmospährisch, nie aufdringlich, und leider auch sehr traurig. Eigentlich nicht gerade die richtige Lektüre bei Herzschmerz, vor allem wenn man sich vor Augen hält, dass sich der Autor nach ziemlich erfolglosen Veröffentlichungen und einer missglückten Ehe zu Tode gesoffen hat. Trotzdem noch eine Szene aus dem Buch, übrigens ziemlich gelungen mit Robert Redford und Mia Farrow verfilmt:

"Ich würde nicht zuviel von ihr verlangen", versuchte ich einzulenken. "Sie können die Vergangenheit nicht wiederholen."
"Nicht wiederholen?" rief er ungläubig aus. "Wieso, natürlich kann ich!"
Er blickte verstört um sich, als lauere die Vergangenheit hier oder da im Schatten seines Hauses, ohne dass er sie mit der Hand greifen konnte.
"Ich werde alles so wiederherstellen, wie es vordem war", sagte er und nickte finster entschlossen. "Sie soll sehen."
Er sprach des längeren über die Vergangenheit, und ich ahnte, dass er etwas wiederfinden wollte, vielleicht eine Idee seiner selbst, die in seiner Liebe zu Daisy aufgegangen war. Sein Leben war seitdem in Verwirrung und Unordnung geraten, doch wenn es ihm nur einmal gelänge, zu einem gewissen Ausgangspunkt zurückzukehren und alles noch einmal langsam zu überdenken, dann würde er schon herausfinden, was es war...

10. Mai 2007

Bilder der Vergangenheit

Als Heranwachsender sah ich einen Film, der mich sehr fasziniert hat: Es ging um Zeitreisen. Der Sprung in die Vergangenheit war ganz einfach: Man musste sich nur an einen historischen Ort begeben, in diesem Fall war es glaube ich eine alte Villa aus dem 19. Jahrhundert. Man musste die Augen schließen, fest an die vergangene Zeit denken, das Geschehene mit Bildern ausmalen. Und schwups, schon war der Protagonist des Films im vorvorigen Jahrhundert. Dort verliebte er sich in eine wunderschöne Frau und verbrachte glückliche Tage mit ihr. Unumstößliche Bedingung war aber, dass der Zeitreisende mit nichts Kontakt haben durfte, das mit seiner Herkunft zu tun hat. Akribisch genau hatte der Mann deshalb vorher seine Taschen geleert. Nur eine kleine Münze aus dem 20. Jahrhundert verblieb darin, und als er mit seiner Hand in die Hosentasche fuhr und das Geldstück berührte, wurde er wieder in die Zukunft geschleudert. Dort stand er dann im alten Haus und blickte nur noch auf das Gemälde seiner großen, in der Gegenwart schon längst verflossenen Liebe. Selbstredend war das Experiment aus irgendeinem Grund nicht wiederholbar, das Rad der Zeit hatte sich gedreht, verkeilt, und konnte nicht mehr zurückbewegt werden.

Manche Bilder der Vergangenheit haben sich mir so stark eingeprägt, dass auch ich meine, nur die Augen schließen zu brauchen, um mich wieder dorthin zu bewegen. Es sind keine ganzen Geschichten, nur kurze Eindrücke. An einem warmen, grünen Wintertag auf einer Küstenstraße auf den Azoren, der Blick aus dem geöffneten Seitenfenster auf den weiten Atlantik, die Meeresluft in der Nase und auf den Lippen. Eine Bank im Stanley Park in Vancouver, sie hat ihren Kopf auf meine Knie gelegt und im Gebüsch zwitschert ein mir unbekannter Vogel. Ein smaragdgrüner Kratersee im Osten Ugandas, der Kongo nicht weit, die stechende Sonne am Himmel. Und auch München, die Sicht über das Löwental im Schlosspark Nymphenburg, wo der Wind das im Juni noch nicht geschnittene, frische, hohe Gras hin und her wiegt. Gerne würde ich zu diesen Bildern eine Geschichte schreiben, aber ich weiß nicht, wo die Verbindung ist, der Schlüssel, der alles zusammenbringt.

29. April 2007

Im warmen Frühling

Ich wähle genau diesen Tisch, auch wenn die warme Aprilsonne ihn nicht mehr zur Gänze bestrahlt. Dafür steht er in unmittelbarer Nähe zum Springbrunnen, der mit seinem Geplätscher eine angenehme Erweiterung zum gemütlichen Biergartengemurmel einbringt. Auf dem Rand des Brunnens liegen weiße und rosa Kastanienblüten, die bei jedem Windstoß auch auf meinen Platz und in mein Bierglas regnen. Die Sonne steht schon tief. Das frische Frühlingsgrün der Bäume wird von hinten durchleuchtet und strahlt auf diese Weise noch kräftiger. Dazu im Kontrast der wolkenlose Himmel. Grün und blau, so intensiv. Eigentlich keine warmen Farben, doch in diesem Moment ist die Wärme greifbar. In den Krügen perlt die Kohlensäure sprudelnd gelb nach oben. Das Buch, das ich las, endete mit den Worten: „Mein Glück ist mein Zuhause“. Was würde ich dafür geben.

25. April 2007

Kolonialismus heute

"Wenn Frankreich noch ein paar Atolle zerstört hat, wenn die Franzosen es geschafft haben, die Inseln so zu verstrahlen, daß die Nacht hier zum glühenden Tag wird, wenn sie sämtliche Fischereirechte verkauft und die Inseln von Fischen befreit haben (der Archipel von Tahiti ist bereits überfischt), wenn alles gründlich ausgeplündert ist, werden die Franzosen eine große Zeremonie veranstalten und den arbeitslosen, entwurzelten Insulanern in ihren T-Shirts und Gummilatschen mit einer großzügigen Geste die Unabhängigkeit offerieren. Mit der Zerstörung der Inseln wird der kolonialpolitische Auftrag der Franzosen, ihre mission civilisatrice, erfüllt sein."

Paul Theroux: Die glücklichen Inseln Ozeaniens (Das Zitat ist harter Tobak, trifft es aber ziemlich gut. Ein fantastisches Reisebuch mal wieder von P.T., dem stets vorgworfen wird, zu gehässig und abschätzig zu urteilen. In Wahrheit zeichnet er sich jedoch durch einen hohen Grad an Emphatie aus, eine Eigenschaft, die eine reisender Schreiberling meiner Meinung nach nur schwer entbehren kann.

23. April 2007

So every day goes by...

"Nothing had changed at the hotel. There was no reason on earth why it should have, but I was vaguely disappointed. When you yourself have suffered considerably, it is hard to cope with the rest of the world's indifference to your experience, and upsetting to see how unmarked it is. You cannot understand its relentless preoccupation with the mundane."

William Boyd: Brazzaville Beach (Bis auf ein paar gute Sätze hat mich das Buch trotz der afrikanischen Kulisse übrigens nicht sehr vom Hocker gehauen. Boyd ist ein solider Schriftsteller, aber das isses auch.)

16. April 2007

Slow Talk

Über die Verzerrung der Reisegeschwindigkeit durch die "Errungenschaften" des interkontinentalen Flugverkehrs wurde ja schon viel geschrieben und (auch von mir) gejammert. Irgendwie erfreulich, dass eine Flugreise aber auch zu einer gewissen Entzerrung, ja gar Verlangsamung führen kann: Der Small Talk, den man mit dem Sitznachbar führt, ist oft durch längere Gesprächspausen unterbrochen, eine Antwort wird nicht gleich eine Zehntelsekunde nach der Frage erwartet, man weiß, dass man alle Zeit der Welt oder zumindest bis zur Landung des Fliegers hat, um die mehr oder weniger entscheidenden Punkte zu klären. Man lehnt sich zurück und wartet, bis der Gegenüber die passenden Worte gefunden hat. Seltsamerweise ist dies vor allem beim (oft nichtssagenden) Gespräch unter sich bis dato fremden Männer zu beobachten. Frauen plappern wie sonst auch in atemberaubender Geschwindigkeit drauf los, als wenn es kein morgen mehr gäbe. Oder schlafen den ganzen Flug über mit offenem Mund und sabbern aufs Nackenkissen.

3. April 2007

Pistensau

Meine Ex-Freundin war am Sonntag Ski fahren an einem der Hausberge von Vancouver, dem Cypress Mountain. Dabei hat sie obenstehendes Bild gemacht. Es zeigt eine Truppe Angestellte, die dafür zuständig sind, dass keiner zu schnell den Hang herunterfährt. Speed Control eben. Wie die das so ganz ohne Laserpistole machen, ist mir unklar. Ein Aprilscherz wars nicht, denn die tummeln sich da immer. Egal. Ich lasse mich trotzdem nicht schrecken und breche übermogen für 10 Tage zum Kontinent der unbegrenzten Verbote auf. Ab Donnerstag kann man unter dieser Internetadresse deshalb wieder den Erlebnissen von "Nitsch in Nordamerika" folgen. AWESOME!

31. März 2007

Vogelkunde

Meinen Traum, Reiseschriftsteller zu werden, muss ich wohl aufgeben. Nicht nur deshalb, weil das eigentlich jeder machen will, sondern auch, weil ich dazu anscheinend nicht Ornithologe genug bin. Fast alle großen und von mir bewunderten reisende Schreiberlinge haben irgendwie einen Vogelfimmel. Dass Redmond O'Hanlon während seiner Duschungeltrips immer am stärksten durch plötzlich durchs Gebüsch fliegende Vögel zu begeistern ist, mag ja noch annehmbar sein. Dass selbst Paul Theroux, wo immer auf dem Globus er sich auch befindet, gerne über diverse gefiederte Arten schreibt, macht die Sache schon penetranter. Aber dass mein Idol Bruce Chatwin auf einer seiner Afghanistan-Reisen sogar eine Wachtel adoptiert und im Käfig mit sich herumgeschleppt hat, das geht dann doch schon fast zu weit. Das muss ich mir dann echt nochmal überlegen. Den üblichen Kalauer zum Thema spare ich mir an dieser Stelle.

30. März 2007

Schwanensee

Einer der Gründe, warum ich bis raus nach Starnberg zum Frisör fahre. Am besten ganz früh am Morgen. Auch wenn Ihr mich immer alle auslacht deswegen...

28. März 2007

Alles relativ

Die Eigenschaft der Erde, eine Kugel zu sein, bringt ja folgendes mit sich: Egal, in welche Richtung man geht, fährt oder fliegt, ob nach Osten, Westen, Norden oder Süden, man entfernt sich zunächst zwar von einem bestimmten Ort, nähert sich dann aber auch immer wieder an. Das gleiche gilt natürlich auch für Personen an einem bestimmten Ort. Und je nach Person kann das ziemlich tröstlich, traurig oder auch ärgerlich sein.

23. März 2007

Afrika im Kino

Generell ist auf jeden Fall zu loben, dass Hollywood in letzter Zeit immer öfter versucht, sich einigermaßen authentisch mit Afrika außeinanderzusetzen. "Hotel Ruanda", "Blood Diamond" und nun "Der letzte König von Schottland". Die Saga über den finsteren Ugander Idi Amin ist gut, aber auch kein Meilenstein. Zu naiv lässt sich der vergnügunsfrohe Doktor vom Potentaten verführen, und letztendlich scheint es dem Film auch nur über den Anblick zerstückelter Frauenleiber zu gelingen, die Abgründe in der Seele Amins und das damit verbundene Trauma des ostafrikanischen Staates deutlich zu machen.

Irgendwie also die Bruno-Ganz-Hitler-Problematik: je mehr man diktatorische Monster als Mensch zeigen will, umso stärker läuft man Gefahr, dass am Schluss nur noch der nette Onkel mit ein paar Macken in Erinnerung bleibt. Trotzdem, auf jeden Fall ein sehenswerter Streifen, der mit wunderschönen Aufnahmen des grünen, auf weite Hügel gebetteten Ugandas aufwarten kann.

21. März 2007

Tipp: Hopfenkaltschale

Aus einem Artikel in der SZ zu möglichen Problemen mit der Sommerzeitumstellung:

"Um vorübergehende Einschlafstörungen in den Griff zu bekommen, seien naturheilkundliche Mittel aus Baldrian, Hopfen und Melisse zu empfehlen."

Da hätten sie auch mich fragen können. Das hab ich doch schon immer gewusst. Alkohol löst einfach fast alle Probleme und Sorgen.

8. März 2007

Do you really want to hurt me?

Meine erste Platte. Eigentlich hat sie meiner Mutter gehört. Oder meinem Vater? Weiß nicht mehr. Genau erinnere ich mich aber noch daran, an welcher Stelle im Wohnzimmer unseres Hauses in Buchendorf die Single-LP untergebracht war. Wie die Regalwand, vermutlich ein Vorgänger von Billy, beim Öffnen der Schublade nach Harz und geschnittenem Holz roch. Wie mich der damals noch langhaarige Boy George von der LP-Hülle anschielte. Wie ich damit vorsichtig zum Dual-Plattenspieler ging, der aussah wie eine braun getönte quadratische Tortenbox. Wie ich den Deckel abnahm, die richtige Geschwindigkeit einstellte, und leicht knisternd die ersten Töne den Raum erfüllten. So rund, so traurig und irgendwie doch so schön:
(…)
Words are few
I have spoken
I could waste a thousand years
Wrapped in sorrow
Words are token
Come inside and catch my tears
You've been talking but believe me
If its true
You do not know
This boy loves without a reason
I'm prepared to let you go
If its love you want from me
Then take it away
Everything is not what you see
It's over again
Do you really want to hurt me
Do you really want to make me cry
(…)

6. März 2007

Weisheit des Tages

"Nehmen Sie aber die gegenwärtige Ideologie einiger Amerikaner, es wäre Aufgabe des Westens, die Demokratie im Nahen Osten zu verbreiten und notfalls mit Gewalt. Auf so eine lebensgefährliche Ideologie wäre keiner aus meiner Generation gekommen."

Helmut Schmidt in der Zeitschrift Cicero auf die Frage nach der besonderen politischen Prägung der Kriegsgeneration. Sehr symphatisch an dem Mann ist zudem, dass er sich stets gewählt ausdrückt, in Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg aber meist nur von "dieser ganzen Scheiße" spricht.

Bullshit des Tages

"Die Redaktion mit den weißen Möbeln ist wie das Innere eines iPods. Es ist schön, religiös, modernistisch. Klarheit und Licht geben eine bemerkenswerte Konzentration auf die Arbeit. Mein Büro hat Wände aus Glas, es gibt keine Geheimnisse, keine Sonderregelungen. Das Team ist alles für mich. Es fällt mir aber auch nicht schwer, einsame Entscheidungen zu treffen."

Ulf Poschardt, Chefredakteur von Vanity Fair Deutschland in der Zeitschrift Cicero auf die Frage nach seinem Büro. Aua. Würde mich mal interessieren, wie weit ich mit einer Bewerbung bei Vanity Fair komme, wenn ich in meinem Anschreiben so einen Nonsens verzapfen würde.

4. März 2007

Tristesse pur

Wem sein eigenes Leben nicht tragisch genug ist, der sollte sich unbedingt den Film BABEL dieses unaussprechlichen mexikanischen Regisseurs anschauen: Fast 2 1/2 Stunden Unfähigkeit zur Kommunikation, ständiges Geheule, alles geht schief, Hysterie pur, größtmögliche Eskalation aus kleinstmöglichem Anlass. Am Ende ist dann ein marokkanischer Junge tot, diverse andere Berber übelst verprügelt, eine mexikanische Nanny des Landes verwiesen, ihr Neffe höchstwahrscheinlich im Knast. Dafür versöhnt sich ein amerikanisches Ehepaar und ein japanischer Vater mit seiner nie Unterhosen tragenden Schulmädchen-Tochter. Fazit: Das Leben ist scheiße, aber es gibt Lichtblicke. Mein Film wars nicht.

28. Februar 2007

Wahnvorstellungen und Dorfbürgermeister

Hatte gerade mein selbstbelegtes Riesenbaguette genau an der Stelle vor mir auf dem Tisch, wo an den vergangenen Abenden immer mein Notebook stand. Während des essens dachte ich dann plötzlich, dass bei meinem Brötchen der Lüfter angesprungen ist und habe mich geärgert, warum das trotz runtergetaktetem Prozessor passiert. Themenwechsel: Den Schauspieler Christoph M. Orth mag ich ja eigentlich ganz gerne. Die neue Politposse auf SAT1, "Allein unter Bauern" ist meiner Meinung nach ein ziemlicher Griff ins Klo. Mit einer Mischung aus der Idee von "Doc Hollywood" und des aus "Edel&Stark" abgekupferten schmissigen Soundtracks sowie der "Wann kriegen Sie sich?"-Liebesgeschichte macht man leider nicht automatisch eine gute Serie. Vor allem dann nicht, wenn die Wandlung vom ehrgeizzerfressenen Berufspolitiker hin zum kompromissbereiten Dorfbürgermeister dermaßen unrealistisch und noch dazu im 45-Minuten-Format rübergebracht werden soll. Und Rebecca Immanuel hat mir auch besser gefallen.

22. Februar 2007

Selbst entlarvt

Es ist beruhigend, dass sich die CSU von Zeit zu Zeit offen und ehrlich als das gibt, was sie auch ist: Eine Vereinigung biertrinkender Dimpfelmoser, machohaft, kleingeistig, reaktionär und verbissen, demokratisch nur dann, wenn es unbedingt nötig ist. Vielmehr huldigt das Parteivolk einem heilsspendenden Ersatzkönig, den sie im Besitz der alleinigen Wahrheit meint. Obwohl die Basis ebendiesen König jüngst noch mit vereinten Kräften im Starnberger See ertränkt hat. Schuld daran ist dann im Nachhinein natürlich jemand ganz anderes, vornehmlich von dem Geschlecht, mit dem die CSU-Granden außer zum fremdgehen noch nie viel anfangen konnten.


Mal im Ernst: Wie Christoph Seils in der ZEIT völlig zurecht schreibt, waren die Chauvi-Pöbeleien und die heuchlerische Abrechnung mit Landrätin Pauli selbst für einen deftigen Aschermittwoch das Aller-Allerletzte. Wenn eine unbequeme Denkerin nur noch unter dem Schutz von vier Leibwächtern unversehrt aus der Halle kommt, ist es (und war es wohl auch nie) mit der innerparteilichen Demokratie nicht weit her. Ich bin froh, dass auch die zukünftige Spitze der Christsozialen ein erzkonservativer Altherrenverein sein wird, der sich selbst für unfehlbar hält und die Schuld im Zweifel beim Schwächeren sucht. So geht mir wenigstens mein Feindbild nicht verloren.

20. Februar 2007

Spiegel meets Boulevard

Heute im Reiseteil (!) von Spiegel Online (!!):

Karneval in Rio: Schönheitskönigin verliert beim Tanz ihr Höschen

Nach der obligatorischen "Wie weit sind seriöse Blätter eigentlich schon abgesunken"-Empörungs-Minute bitte sofort hinklicken! Die dazugehörigen Bilder sind bestimmt nicht mehr lange on! Oder wie heißt es in MAD immer so schön: Lechz ... hechel ...

14. Februar 2007

Bad news, good news

Also im Winter geh' ich ja ganz gern mal in die Sauna. Neben Kleingartenvereinen wohl diejenige Institution, in der sich der typisch deutsche Vereinsmeier am besten austoben kann: Jeder intimrasierte Frühpensionist klärt einen mit Eifer darüber auf, warum man die Badeschlappen im Dampfbad nicht anhaben soll, wo man Zeitung lesen darf und wo nicht und wie man die Duschen vor und nach dem Saunagang ordnungsgemäß zu benutzen hat. Die können einem das ganze Relax-Erlebnis madig machen. Und ich bin noch nicht mal eine Frau. Denn über die Spanner und Penisposer schreibe ich das nächste Mal.

Doch jetzt zu den guten Nachrichten: Die geilste, wenn auch derzeit medial überstrapaziersteste Meldung ist ja wohl die, dass sich THE POLICE wieder zusammentut. Am 28. Mai gehts in Vancouver los. So ein Zufall. Freundin besuchen und die schärfste Band des Jahhunderts bejubeln in einem Aufwasch. Die Nummer des Spendenkontos für meinen Ticketkauf gebe ich demnächst hier bekannt.

31. Januar 2007

Aufgepasst!

Falls Sie also in Ihrem Kleiderschrank so eine grün-rot-blaue Kugel finden oder irgendwo auf der Straße rumliegen sehen: Ruhig bleiben, nicht anfassen, Feuerwehr rufen! Das überstehen wir auch noch! Danke, tz!

30. Januar 2007

Die Grenzen sind futsch


Ist eigentlich schon jemandem aufgefallen, dass es neue Euromünzen gibt? Zumindest auf Hartgeld wächst Europa immer weiter zusammen. Und die slowenischen Talerchen sehen auch ganz nett aus. Mehr für Münzfetischisten gibts bei der EZB. Ich weiß, ist ein Kinderthema, aber ich hab früher auch gern mit der Kinderpost gespielt.

25. Januar 2007

Idealismus heute

War am Wochenende in Hamburg. Hat mir ganz gut gefallen. Auch wenn mir Schneeregen in den Kragen tropfte und ich mich durch fluchartigen Wechsel der Straßenseite vor pekuniär-sexuellen Verpflichtungen retten musste. Was mir aufgefallen ist: In Hamburg halten die Leute irgendwie weniger Abstand. Ständig steht man irgendwo im Gedränge, wird zur Seite geschoben oder bekommt einen Ellenbogen in die Rippen. München ist da irgendwie mehr auf Distanz bedacht. Vielleicht hatte ich aber auch nur meinen introvertierten Tag. Beschäftigt vom inneren Diskurs, ein Bewerbungsgespräch zu führen bei einer Firma, die gerade zu 100% von einem Verlag aufgekauft wurde, für den ich eigentlich nie arbeiten wollte.

13. Januar 2007

In zwei Minuten zum Magenschwinger

Man hole ein paar Hemden bei der Reinigung ab und begebe sich danach zur U-Bahn. Auf dem Weg dorthin setze man die Hemden starken Windböen aus. Man betrete die U-Bahn-Station. Man gebe sich pedantisch und pfriemele die vom Wind zerzauste Plastikfolie wieder in Form. Dazu halte man die Hemden auf Armlänge direkt vor sein Gesicht. Währenddessen laufe man zügig in direkter Linie auf den Fahrkartenentwerter zu. Voila!

10. Januar 2007

So nah und doch so fern...

Menschen wie mir, die dem Winter gegenüber eine starke Abneigung hegen, mag die derzeitige Witterung wie ein Hauch des Frühlings vorkommen. Ich fürchte jedoch, es handelt sich nur um eine Art Fata Morgana, die dem Verdurstenden das vermeintlich nahe Paradies vor Augen führt, während die wirkliche Erlösung noch hunderte von Meilen entfernt liegt.

8. Januar 2007

Seifengeschichten Teil 1

Den Arenal konnten wir von der Terrasse unserer Blockhütte aus nur anhand des dumpfen Grollens erahnen. Ansonsten verbarg sich der berühmte Kegel hinter einer Wand aus Nieselregen und dickem Nebel. Es war feuchtschwül, und schon nach wenigen Metern begannen wir unter den Regencapes zu schwitzen. Eine gerodete Lichtung voller hölzerner Hotelbauten, danach der dichte, grüne Nebelwald, von dessen Blättern das Wasser tropften. Der Weg führte uns steil bergab in eine Schlucht, über uns sausten Touristen an Drahtseilen durch das trübe Blätterdach. Ihre Freudenschreie wurden nach weniger Metern vom immer lauter prasselnden Regen verschluckt. Wir gingen um eine matschige Kehre. Ich streifte einen Busch. Plötzlich ein stechender Schmerz am rechten Ringfinger. An zwei liegenden Pünktchen trat jeweils ein kleiner Tropfen Blut aus. Verdammt! Bestimmt eine tödliche Lanzenotter. Oder eines der hundert anderen giftigen Monster im Dschungel von Costa Rica. Die Inspektion des Busches brachte nichts zu Tage. Wahrscheinlich hatte ich nur noch kurze Zeit zu leben. Welchen Richtung des Rundwegs nehmen? Wieder zurück die Böschung hinauf oder geradeaus weiter. Lieber zurück. Man soll sich doch nach einer Vergiftung nicht anstrengen! Nach zwanzig Minuten zurück im Hotel lebte ich noch immer, wenngleich der Finger juckte. Um das todbringende Gift zu neutralisieren, beschlossen wir, uns in die heißen Thermen am Fuße des Vulkans zu begeben. Das half. Ich starb nicht im dampfenden Wasser des Schwimmbeckens. Gerade noch mal Glück gehabt. Der Urlaub konnte weitergehen.

2. Januar 2007

As time goes by

Genau ein Monat ist seit meinem letzten Eintrag vergangen. Mittlerweile ist die Wohnung meiner Freundin leer geräumt, geweißelt und übergeben. Und Katharina ist just vor 10 Minuten in Vancouver gelandet, um dort ihren Job als Anwältin anzutreten. An einem der letzten Abende sprachen wir darüber, dass wir irgendwie immer erwachsener werden. Auch wenn ich mich nicht so fühle und eigentlich auch gar nicht erwachsen sein will. Aber irgendwie muss ich da wohl durch. In diesem Sinne ein gutes neues Jahr. Krumme Nummer oder magische Sieben? Wir werden sehen.