29. Oktober 2006

Sonntagslangweile?

Wem an tristen Sonntagen wie heute langweilig ist, dem rate ich zu einer der folgenden Tätigkeiten:
  • Ins Münchner Stadtmuseum gehen. Die stadthistorische Abteilung wurde umgebaut und bietet einen tollen Überblick über die Entwicklung Münchens. Für Spielkinder wie mich besonders interessant sind die riesigen 3D-Stadtmodelle, mit deren Hilfe man sich auch einen guten Eindruck vom (Planungs-)Größenwahn der Nazis machen kann. Nur bis März 2007 gibt es dort auch die Fotoausstellung "Münchner Elegien" zu sehen. Der Fotograf Christopher Thomas hat bekannte Orte in der Stadt zu ungewohnter Stunde, nämlich in aller Herrgottsfrüh, frei von Menschen und Autos, abgelichtet. Sehr sehenswerte Schwarzweißbilder. An Sonn- und Feiertagen ist der Eintritt ins Stadtmuseum übrigens frei.
  • Den leider letzten Afrika-Artikel von Bartholomäus Grill in der ZEIT lesen: Das Land, wo alles begann. Für meine Afrika-Mitreisenden wahrscheinlich besonders witzig, da Grill bei seiner letzten Safari genau die Route abfährt, die auch wir in die Serengeti genommen haben. Der Autor kehrt nach 13 Jahren als Afrika-Korrespondent nach Deutschland zurück. Seine Berichte werden mir fehlen.

23. Oktober 2006

Befindlichkeiten

Was ich unverschämt finde: Wenn mir in der Schlange auf der Post eine verkniffene Mittvierzigerin wortlos aber stakkatoartig von hinten auf die Schulter tippelt, weil ich den nächsten freien Schalter nicht nach zwei Millisekunden angesteuert habe. Was ich peinlich finde: Beim Einkaufen länger als unbedingt nötig mit einer Packung Klorollen in der Stadt umherzuspazieren. Was ich mich frage: Kommt man dem Ziel wirklich schneller näher, wenn man sein Augenmerk wie Beppo der Straßenkehrer nur auf die eine zu fegende Bodenplatte richtet, oder ist man nicht zumindest glücklicher, wenn man den auch noch so fernen Horizont ins Visier nimmt, in der festen Hoffnung, dort irgendwann einmal anzukommen?

12. Oktober 2006

Das Huhn oder das Ei?

Schon komisch. Irgendwie kamen mir diese nordkoreanischen Propagandaplakate bekannt vor. Vor fast sechzig Jahren beschwörte Edgar P. Jacobs in drei "Blake und Mortimer"-Bänden "den Kampf um die Welt". Würde mich freuen, wenn es nicht so käme. Was Comic und was Propaganda ist, möge mein Blogleser selbst herausfinden.

6. Oktober 2006

Ich bin ein kurzbeiniger Spießer

Zwei Fragen habe ich mir heute gestellt:

Warum wird von einem 1.70m "großen" Mann erwartet, bei jedem Hosenkauf noch zusätzlich knapp 10€ ins kürzen des Beinkleids zu investieren? Zwergengröße 46 ist meist noch zu lang, und für die Untersetzten-Größen bin ich noch nicht fett genug. Muss wohl mehr essen.

Welche Männer können sich eine ernsthafte Beziehung zu einer Frau vorstellen, deren Selbstportrait-Portfolio in einem beliebigen Kennenlernportal (z.B. lokalisten.de) zu 75% aus Bikinifotos besteht? Wie peinlich ist das eigentlich? Oder bin ich einfach zu alt? Muss wohl oberflächlicher werden.

5. Oktober 2006

Verbietet Lotto!

Es mutet schon seltsam an, wenn Wettanbietern wie Betandwin (privat) die Lizenz entzogen wird, einem dieser Tage im Netz aber hunderte von „39 Millionen!“-Bannern des deutschen Lottos (staatlich) entgegenblinken. Und das bei lauen Quoten: Laut Wikipedia beträgt die Wahrscheinlichkeit eines Fünfers 0,002%, die eines Sechsers 0,000007151%. Für einen Fünfer gab es bei der letzten Ziehung gerade mal 2.800€, bei einem Sechser wurden 515.150€ fällig. Die vollen 39 Millionen gibt es eh nur mit Superzahl, Spiel 77 und einer Mindestschuhgröße von 45, die Wahrscheinlichkeit kann sich ja jeder mal selbst ausrechnen.

Ein Lottofeld kostet rund 4€, mit einer Chance von 0,002% / 1:50.000 (Fünfer) macht man also das 700fache (2.800€) daraus. Beim Roulette gibt es mit einer Chance von 2,78% / 1:36 immerhin das 36fache, mit 4€ Einsatz also 144€. Eine weitaus bessere Quote. Die Wahrscheinlichkeit einer Niete (0, 1 oder 2 richtige) liegt (wieder Wikipedia) beim deutschen Lotto bei 98,1%. Jede Kindergartentombola dürfte da höhere Gewinnchancen haben. Deswegen fordere ich all meine Blog-Leser auf, kommenden Samstag nicht Lotto zu spielen. Diesen Verein kriegen wir auch noch auf die Knie!

4. Oktober 2006

Vorbei, vorbei, vorbei

  • Vorbei: Die Wiesn. Touristenmassen in der Stadt, stinkende U-Bahnen, Porno-Dirndl und Bierrausch. Aber auch weißblauer Himmel und letzte Sommertage. Trotz bangem Blickes auf den Winter freue ich mich auf den traditionellen Herbstspaziergang über die Theresienwiese, wo unter fallenden Blättern nur die Bierzeltgerippe von vergangener Hochstimmung zeugen.
  • Vorbei: Die Bundesligazeit des EHC München. Die Prognose ist wohl nicht allzu gewagt, dass bei der derzeitigen Spielweise des lokalen Eishockeyteams und den mickrigen Zuschauerzahlen (unter 2000) spätestens Ende der Saison mal wieder ein Münchner Eishockeyteam pleite gehen wird. Wer sich wie gestern ohne jeglichen Derbyeifer so vom Erzrivalen Landshut einseifen lässt, hat es auch nicht anders verdient.
  • Vorbei: Die helle Glitzerwelt von Miami Vice. Der neu aufgelegte Kinofilm ist dunkler, trüber und humorloser als die 80er-Serie. Und trotzdem nicht unbedingt schlechter. Denn ein guter Soundtrack und fantastische Bilder machen auch das Remake zu einem Ohren- und Augenschmaus. Sonny verliebt sich wie immer unglücklich in die Gangsterbraut und Colin Farrell macht ganz nebenbei die Fokuhilaoliba-Frisur wieder salonfähig. Nicht schlecht.

2. Oktober 2006

Mehr Schatten als Licht

Ich bin ja ein recht großer Fan der Hypo-Kunsthalle, aber die derzeitige Auguste Rodin-Ausstellung hätte ich mir sparen können: In der Mitte jeden Raumes jeweils zwei, drei, oder auch mal vier Skulpturen, an der Wand Skizzen zur und Fotografien der jeweiligen Skulptur. Das mag für Rodin-Begeisterte ja noch ganz spannend sein, gerade da auch die berühmte Plastik "Der Kuss" ausgestellt wird. Das Austellungskonzept scheint aber von einem lichtscheuen Nachtmenschen verbrochen worden zu sein, die Räume sind dermaßen abgedunkelt, dass man die Dreidimensionalität der Figuren nur erahnen kann, die matten, kleinen Texte an der Wand oder zu Füßen der Objekte sind aufgrund des Dämmerlichts nur sehr mühsam zu entziffern. Alles in allem eine Ausstellung unter dem Motto "weniger ist mehr", nur beim Preis haben die werten Kunsthallenchefs diese Devise nicht berücksichtigt. Mein Fazit: Die acht Euro lohnen sich nur für Edelfans, und die sollten unbedingt eine Taschenlampe mitbringen.