26. April 2006

Gegenaufklärung? Reaktion?

Tut mir leid, schon wieder Politik: Interessant ist es ja schon, dass die Konservativen zwar Angst vor jedem Moschee-Neubau haben, aber zu untadeligen Verfechtern von Religionsfreiheit und Toleranz mutieren, wenn es um den Schutz des Kruzifix geht. Das Pferd wird im Deckmantel der Nächstenliebe ("Gerade in Zeiten, wo Menschen aus verschiedensten Kulturen und Religionen in Deutschland zusammenleben, muss man die gegenseitigen Symbole achten und .... blablablabla") von hinten aufgezäumt, geht es doch in Wahrheit darum, weitere Restriktionen gegen die Meinungsfreiheit durchzusetzen. Logik-Satz 1: Wer für Religionsfreiheit ist, muss das Kruzifix lieben.

Diese Argumentationstaktik, nämlich eigentlich nur das Beste für's Allgemeinwohl zu wollen, findet sich auch bei anderen heißen Eisen wieder: Da CO2 ja so gefährlich ist und das mit der Erderwärmung auch irgendwie ganz schlimm ist, bleibt uns ja gar nichts anderes übrig, als zur blütenweißen und umweltschonenden Atomenergie zurückzukehren. Noch kommt den meisten diese Sichtweise ob der vielen ungelösten Probleme (Endlagerung etc.) spanisch vor, bei entsprechender Lobbyarbeit und suggestiver Fragestellung wird es aber nicht mehr lange dauern, bis sich der Wind dreht. Logik-Satz 2: Wer für eine Verringerung des CO2-Austoßes ist, muss die Atomenergie lieben.

22. April 2006

Konservative Weisheiten reloaded

Es ist doch irgendwie beruhigend, dass der CDU/CSU ihr aktionistischer Konservativismus trotz Kuschel-Kanzlerin noch nicht ganz abhanden gekommen ist:

Familienstar von der Leyen betont, „dass auf christlichen Werten die gesamte hiesige Kultur basiere“. Der intellektuell sonst gar nicht so tieffliegende Innenminister Schäuble entblödet sich nach den Schlägern von Potsdam nicht festzustellen, dass auch blonde, blauäugige Menschen Opfer von Gewalt werden, zum Teil sogar von Tätern, die nicht den deutschen Pass haben.“ Und Transrapid-Ede ist traurig darüber, dass „christliche Symbole Gegenstand von Spott und Hohn sind“ und will darüber nachdenken, das Strafgesetzbuch zum Schutz des Kreuzes schärfer zu fassen.

Wer als liberal eingestellter Mensch nach Argumenten für die Unwählbarkeit der Union sucht, bekommt sie dank dem emphatischen Mitteilungsbedürfnis der Konservativen frei Haus geliefert. Dafür besten Dank!

10. April 2006

Nun also Mecki...

Der Mr. Dreitagebart der SPD sah anscheinend doch cooler aus als er wirklich war und tritt nach nicht einmal einem halben Jahr als Vorsitzender aus gesundheitlichen Gründen zurück. Statt dem Ossi mit ungewöhnlicher Parteivita nun doch der Rennigel mit Stallgeruch aus Rheinland-Pfalz. Im Falle einer Kanzlerkandidatur von Kurtie werde ich wahrscheinlich schon aus dem Grund nicht für die SPD stimmen, weil 16 Jahre Pfälzer Kanzler-Dialekt in einem Jahrhundert einfach genug sind.

Und wie immer gilt in der Politik: Totgesagte leben länger. Wie es im Moment aussieht, hat es der schwarze Korsar von der Apenninenhalbinsel mal wieder geschafft und kann weiter ungestört seinen Geschäften nachgehen. O-Ton Silvio Berlusconi: "Ich habe zu viel Wertschätzung für die Intelligenz der Italiener, als dass ich denken könnte, dass es hier tatsächlich so viele Idioten gibt, die gegen ihr eigenes Interesse wählen." Was soll man da noch sagen?

1. April 2006

Das ewige Herz der Finsternis

Der famose Afrika-Korrespondent der Zeit, Bartholomäus Grill, spricht sich in einem Pro-Artikel (Contra: Robert Leicht) für den Kongoeinsatz der Bundeswehr aus. Besonders seine Analyse der Berichterstattung in Deutschland halte ich für äußerst gelungen. Hier der erste Absatz des Artikels, der Rest ist nachzulesen in der aktuellen Zeit, Nr.14 2006, Seite 10:

"Die Zahl der Kongo-Experten in Deutschland wächst täglich. Obwohl die meisten Fernanalytiker erst seit kurzem den Präsidenten des zentralafrikanischen Landes - Kabila - und seine Hauptstadt - Kinshasa - auseinander halten können, wissen sie doch sehr genau, was unsere Bundeswehr dort unten erwartet: ein Himmelfahrtskommando im 'Herz der Finsternis'. Dieses Klischee ist so wirkmächtig wie in kolonialen Tagen. Es suggeriert: Wer da hineingeht, kommt nie mehr heraus. Ergo: Lieber gleich daheim bleiben!"