11. März 2006

Kaffees mit Deckel

Ein Phänomen, das ich Nordamerika nur mit Kopfschütteln ertragen habe, war der "Coffee to go". Statt sich gemütlich in ein Café zu setzen oder wenigstens auf einen Espresso an die Bar zu stellen, schnappt sich der Kanadier einen Halbliter-Pappbecher voller meist fürchterlich süßem Bohnensud und rennt damit durch die Straßen, setzt sich in den Bus oder fährt Auto. Ich dachte immer, den Leuten sei das so anerzogen und eine Reflektion gar nicht mehr möglich. Weit gefehlt. Selbst eine Kommentatorin der Globe and Mail, einer überregionalen Tageszeitung Kanadas, war sich während der olympische Spiele nicht zu blöd dazu, zuzugeben, dass sie es nach sechs Tagen (!) italienischer Küche nicht mehr ohne McDonalds und Pappkaffe mit Deckel ausgehalten hat. Aber lest selbst:

"Here, it was about the third day that the thrill of carrying scalding espressos in tiny, lidless cups - Italy is not built for the take-away world,but rather for the-hang-around-table-for-hours one, began to wear thin. By day four, everyone had discovered that McDonald's at the press centre, improbably, had its own, fabulous coffee bar, where, praise the Lord, they served huge, American-sized espressos and cappuccinos in insulated cups with actual lids. I believe it was on day six that I personally weakened, and slunk away from the McDonald's carrying not only a cappuccino, but also a cheeseburger."
Christie Blatchford, Globe and Mail 25. Februar 2006

Ha! Und ich war fast drei Monate in Nordamerika und nicht EINMAL in einem deutschen Lokal, und es hätte sogar eines gegeben in Vancouver! Drei Monate kein Schweinsbraten, ohne Meckern! Keine Weißwürscht! OK, ich hab' mal ein deutsches Weißbier getrunken, aber das zählt nicht. Oder?

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